Deutsche Ausgabe des Comics wird 75 :"Stöhn", "klirr", "ächz": Wie "Micky Maus" erfolgreich wurde
von Marcus Schönhoff
Eine Legende feiert Geburtstag. Heute vor 75 Jahren erschien die erste Ausgabe des "Micky Maus"-Magazins in Deutschland und machte die Nachkriegszeit etwas bunter.
Das "Micky Maus"-Magazin unterhält seit 1951 Kinder in Deutschland: ein Video-Rückblick auf die Entstehung.
28.08.2026 | 3:33 minUnter dem Titel "Micky Maus - das bunte Monatsmagazin" fand am 29. August 1951 die erste Ausgabe den Weg in die deutschen Zeitschriftenregale. Seit damals begeistert das "Micky Maus"-Magazin Generationen von Comic-Fans. "Micky Maus", "Donald Duck", "Goofy" und alle anderen Bewohner von Entenhausen sind längst fester Bestandteil der deutschen Medien- und Popkultur geworden.
So sahen die ersten "Micky Maus Magazine" aus, die vor 75 Jahren in Deutschland verkauft wurden. (Reprint einer Ausgabe aus September 1951)
Quelle: ddp"Micky Maus" hatte es am Anfang in Deutschland nicht leicht
Doch aller Anfang ist schwer, erinnert sich Verleger Jörg Risken:
Comics hatten damals keinen guten Ruf, galten teilweise sogar als 'Schundliteratur'.
Jörg Risken, Verleger
Die Auflagen von "Micky Maus" wurden bis in die 1990er Jahre immer höher
Nachdem der Erfolg der ersten Ausgabe noch überschaubar war, wurde die Nachfrage aber dann größer. Dieser Erfolg ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die zunächst unverkauften Hefte auf Schulhöfen verschenkt wurden, erzählt Risken. Die Startauflage des Magazins lag im Jahr 1951 bei 300.000 Exemplaren; 1960 lag die Auflage bei 380.000 Exemplaren.
Es gibt sie als Computerspiel, Anime-Serie und Plüschtiere: Die Pokémon. Nun feiert das Franchise 30-jähriges Bestehen.
27.02.2026 | 4:43 minDen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Auflage 1981 mit 570.000 Exemplaren, bevor der Mauerfall dann einen weiteren Höhenflug auslöste. Im Jahr 1991 wurden eine Million Exemplare gedruckt.
Erfolg durch eigene Sprache: "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör"
Eine Besonderheit war, dass "Micky Maus" die erste deutsche Zeitschrift war, die vollständig im Vierfarbdruck produziert wurde. Bis heute unvergessen ist die legendäre erste Chefredakteurin und Übersetzerin Dr. Erika Fuchs.
Sie prägte bis 1988 die Entwicklung der Disney-Comics und half dem Magazin, sich mit der Verwendung von Ausdrücken wie "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör" von anderen Heften zu unterscheiden. Fuchs erfand lautmalerische Worte wie "stöhn", "klirr", "ächz", mit denen das Micky Maus-Magazin bekannt wurde.
Das Mosaik-Comic-Heft, das die drei Abrafaxe mit ihren Knollnasen groß machte, gibt es inzwischen seit 70 Jahren. Das Motto der Geschichten: Bloß weit weg von der Gegenwart.
21.12.2025 | 2:53 min"Micky Maus"-Heften war mal ein Furzkissen beigelegt
Generationen von Fans steckten und stecken regelmäßig ihr Taschengeld in den Kauf der neuesten Ausgabe. Dabei waren nicht nur die Comics das Highlight. Auch das Extra, die Beilage zum Magazin, stand immer hoch im Kurs. Bastelbogen, Bügelbild oder Spielzeuge: Immer wieder gab es Neues zu entdecken, bis hin zu einem Furzkissen, das einer Ausgabe beigelegt war.
Auch Verleger Jörg Risken mochte die Extras: Insbesondere "Das Schlaue Buch" aus den 1990er Jahren habe ihn absolut begeistert. Das "Schlaue Buch" war ein fiktives Pfadfinderhandbuch des "Fähnlein Fieselschweif", in dem "Tick", "Trick" und "Track" aktiv waren. "In jeder Woche gab es neue Sammelkarten mit Tipps, Tricks und spannenden Informationen", erzählt Risken.
Doch die Interessen hätten sich natürlich seit dem "Schlauen Buch" über die Jahre gewandelt:
Heute können wir die jungen Leserinnen und Leser mit diesem Extra nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken.
Jörg Risken, Verleger
Die Extras von heute seien zumeist durch "Instant Fun" geprägt. Das sind Heftbeilagen, die sofort und ohne langes Aufbauen funktionieren.
Der wohl berühmteste Erpel der Welt erlebt in einer Ausgabe des Micky Maus-Magazins eine Reise durchs Ruhrgebiet.
31.07.2026 | 1:38 minTraumberuf Comic-Zeichner
Für viele Menschen ist das "Micky Maus"-Magazin mit positiven Erinnerungen verbunden. Auch Disney-Zeichner Ulrich Schröder erinnert sich: "Durch das 'Micky Maus'-Magazin habe ich meinen Traumjob gefunden, nämlich 'Donald Duck'-Zeichner."
Das wäre nicht passiert, wenn ich nicht als kleines Kind auf die Straße gefallen wäre und meine Mutter mir damals nicht das 'Micky Maus'-Magazin gekauft hätte.
Ulrich Schröder, Disney-Zeichner
Auch Micky Maus selbst hat sich über die Jahrzehnte verändert.
Quelle: DisneyZum Jubiläum wird es im Zeitschriftenhandel besondere Produkte für Fans und Sammler geben. In Berlin eröffnet sogar ein Pop-up-Store.
Die heutige Auflage des Magazins liegt bei gut 100.000 Exemplaren, weit weniger als in den 1990er Jahren. Doch mit laut Verlagsangaben seit 1951 über 1,3 Milliarden verkauften Exemplaren zählt das Heft zu den erfolgreichsten Kinder- und Comicmagazinen weltweit und hat nach 75 Jahren Kultstatus erreicht.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Comic
Comic von 1939:Vergessen auf dem Dachboden: Superman-Heft erzielt Millionen
mit Video0:23Achtung, Gimmick Alarm!:Yps - eine Kult-Zeitschrift wird 50
von Sven RiekenKater-Erfinder Jim Davis wird 80:"Garfield nimmt uns die Schuldgefühle"
Menschen mit Leseschwäche:Comic Donald Duck in Leichter Sprache