Abschluss von Kulturhauptstadtjahr:Chemnitz mit neuer Strahlkraft
von Cornelia Schiemenz
Elf Monate war Chemnitz in Sachsen europäische Kulturhauptstadt. Zwei Millionen Besucher, volle Museen, euphorische Macher - und großer Zusammenhalt. Was bleibt vom Hype?
Chemnitz hat sich herausgeputzt: In knapp einem Jahr Kulturhauptstadt gab es zahlreiche Kulturprojekte und ein großes "Wir-Gefühl".
Quelle: dpa | Sebastian KahnertDas Beste kommt zum Schluss: Die Eröffnung der Lichtinstallation "Beyond Horizones" des weltbekannten amerikanischen Lichtkünstlers James Turrell im beschaulichen Oelsnitz. Ein leuchtendes, in die Zukunft weisendes Kunstwerk riesigen Ausmaßes soll es sein. 1.600 Quadratmeter historisches Stahlskelett einer alten Industriehalle wurden abgetragen und neu zusammengesetzt.
So etwas hat es hier noch nie gegeben, entsprechend euphorisch der Bürgermeister des Erzgebirgsstädtchens: "Ich hoffe, dass so ein Hype entsteht, dass wir ein kleiner Wallfahrtsort für die Kunst werden," sagt Thomas Lein.
Die diesjährige Kulturhauptstadt Chemnitz überraschte viele Besucher positiv und besserte ihr Image mit zahlreichen Veranstaltungen auf. Nun endet das Kulturhauptstadt Jahr und Chemnitz zieht Bilanz.
28.11.2025 | 1:59 minEin ganz klein wenig Größenwahn war von Anfang an dabei. Als sich Chemnitz bewarb um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt", und als die Stadt im Herbst 2020 tatsächlich den Zuschlag erhielt. Nur wenige hatten an einen Erfolg geglaubt.
Stattdessen stand die Angst im Raum, Rechtsextreme könnten das Scheinwerferlicht nutzen, um weltweite Schlagzeilen wie 2018 zu produzieren, als es zu tagelangen Hetzjagden auf Ausländer in der Innenstadt von Chemnitz kam.
Neuer Zusammenhalt in Chemnitz
Nichts davon trat ein. Zum Glück. Das Kulturhauptstadtjahr ist für Chemnitz und das umliegende Erzgebirge ein riesiger Erfolg gewesen. Rechtsextreme fanden keine Bühne.
In diesem Jahr ist ein neues Wir-Gefühl entstanden, denn viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer haben gespürt, dass ihre Stadt mehr ist, als man ihr oft nachgesagt hat - und das hat ihren Blick verändert.
Sven Schulze, Oberbürgermeister Chemnitz
Das Ziel der Macher ist aufgegangen: möglichst viele Menschen mitzuziehen. Die Besucher aus Ost und West haben sich eingelassen auf eine Stadt, auf eine Region - die bislang eher unscheinbar daher kamen. Dass nicht ganz so viele Besucher aus dem Ausland kamen, wie erhofft - nur ein kleiner Wehrmutstropfen. Dafür haben die Sachsen umso mehr gestaunt, was alles möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.
Die Menschen in Chemnitz und der Kulturhauptstadtregion sind über sich hinausgewachsen in diesem Jahr.
Stefan Schmidtke, Programmgeschäftsführer Chemnitz25
Das berichtet Stefan Schmidtke, Programmgeschäftsführer von Chemnitz25. "Ich bin überzeugt, dass die Menschen dieses neue Selbstverständnis mit in die Zukunft nehmen und der Kulturhauptstadteffekt gerade erst beginnt, seine Wirkung zu entfalten", fasst der Kulturmanager die Hoffnung Vieler zusammen.
Die diesjährige Kulturhauptstadt Chemnitz hat gemeinsam mit verschiedenen Kultureinrichtungen ein Jahr lang mit Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien ein Theaterstück erarbeitet.
24.11.2025 | 1:38 minBunt, weltoffen und farbenfroh
Nun gilt es, diesen Schwung und diese positive Energie mitzunehmen in ein Leben ohne Kulturhauptstadttitel. Das ist schwer genug, angesichts klammer Kassen. Das Kulturhauptstadtgefühl soll bleiben, so wünschen es sich die Macher: mit Festivals, und dem "Theater der Welt", bei dem im kommenden Juni rund 40 Produktionen aus aller Welt gezeigt werden.
Und natürlich sollen auch in Zukunft Besucher auf dem Purple Path wandeln können - durch 38 Kommunen, verbunden durch einzigartige Kunstwerke.
In Chemnitz findet das Lichtkunstfestival "Light our Vision" statt. Die Installationen sollen einen Ausblick auf die Zukunft der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas geben.
25.09.2025 | 1:01 minKraftklub, die prominenteste Band aus Chemnitz, bringt übrigens nicht ganz zufällig pünktlich zum Abschlusswochenende der Kulturhauptstadt ihr von vielen Fans langersehntes neues Album heraus. "Sterben in Karl-Marx-Stadt" heißt es, mit einer ganzen Reihe leicht morbider Texte.
"Leben in Chemnitz" hätte den Machern der Kulturhauptstadt sicherlich besser gefallen. Denn wie bunt, weltoffen und farbenfroh dieses Leben in Chemnitz sein kann, hat die Stadt nun fast ein Jahr lang bewiesen.
Cornelia Schiemenz ist Leiterin des ZDF-Studio Sachsen in Dresden.
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