Mehr Männer als Frauen betroffen:Zahl der Straftaten gegen Obdachlose drastisch gestiegen
Immer öfter werden Obdachlose in Deutschland Opfer von Straftaten. Laut Innenministerium sind die Fälle im letzten Jahr um 17 Prozent gestiegen. Die Aufklärungsrate bleibt niedrig.
Die Zahl der Straftaten gegen Obdachlose ist im Jahr 2025 um 17 Prozent angestiegen. 2.563 Delikte wurden registriert, berichtet eine Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Innenministeriums.
13.06.2026 | 0:23 minDie Zahl der Straftaten gegen obdachlose Menschen in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Sie legte im Vergleich zum Jahr zuvor um knapp 17 Prozent auf 2.563 Straftaten zu, wie eine Anfrage der Linken an das Bundesinnenministerium ergab.
Mehr als 2.000 Fälle richteten sich im vergangenen Jahr gegen obdachlose Männer, in gut 500 Fällen waren Frauen betroffen. Über die Zahlen hatte zuerst die Düsseldorfer "Rheinische Post" in ihrer Samstagsausgabe berichtet.
Am 17. April wird deutschlandweit die Bahnhofsmission gewürdigt. Sie ist eine Anlaufstelle für Obdachlose und Hilfsbedürftige und bietet ihnen Unterstützung, wie ein Beispiel aus Leipzig zeigt.
17.04.2026 | 2:01 minAm häufigsten wurden Obdachlose in Berlin (592 Fälle) zu Opfern, gefolgt von Bayern (492) und Nordrhein-Westfalen (310). Laut den Polizeilichen Kriminalstatistiken wurden bundesweit neun obdachlose Menschen bei gewalttätigen Angriffen getötet.
Aufklärungsrate unterdurchschnittlich
Die Antworten des Innenministeriums, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegen, zeigen zudem, dass die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen obdachlose Menschen im Schnitt niedriger ausfällt als sonst üblich. Bei Fällen von Gewaltkriminalität gegen Obdachlose lag sie im vergangenen Jahr bei 66,5 Prozent, insgesamt betrug der Anteil aufgeklärter Fälle 77,5 Prozent.
Wir erleben auf unseren Straßen derzeit eine beispiellose Gewalteskalation gegen wohnungslose Menschen.
Sahra Mirow, Linken-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Soziales Wohnen
Die mehr als 2.500 polizeilich erfassten Straftaten würden dabei nur die Spitze des Eisbergs bilden. Aufgrund einer geringen Anzeigebereitschaft der Betroffenen sowie ungenauer Erfassungskriterien und Definitionen aufseiten der Behörden sei von einer erheblichen Dunkelziffer und weitaus höheren Fallzahlen auszugehen.
Die Zahl wohnungsloser Minderjähriger in Deutschland ist stark gestiegen. Anfang 2025 waren mehr als 137.100 Kinder und Jugendliche betroffen. Ein Grund ist laut Regierung der Ukraine-Krieg.
13.03.2026 | 0:41 minNach einer Hochrechnung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe stieg im vergangenen Jahr auch die Zahl der Obdachlosen: von rund 54.000 auf 56.000. Das entspricht einem Plus von knapp vier Prozent. Dieser Zuwachs erkläre jedoch nicht den deutlichen Anstieg der Straftaten.
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von Sara Pipaud