"Gigantisches Betrugs-Netzwerk":Bayern gelingt Schlag gegen Kinderpornografie-Netzwerk
Bayerische Ermittler haben einen Mann identifiziert, der im Darknet kinderpornografische Inhalte angeboten haben soll. Auch in Deutschland wurden Tatverdächtige identifiziert.
Bayerische Ermittler haben ein riesiges Betrugs-Netzwerk im Darknet stillgelegt. Weltweit seien mehr als 373.000 Seiten mit teils kinderpornografischen Inhalten abgeschaltet worden.
20.03.2026 | 0:32 minBayerische Ermittler sind nach eigenen Angaben im Darknet einem ganzen Netzwerk auf die Schliche gekommen, das kinderpornografische Inhalte angeboten hat. Das teilte das Landeskriminalamt (LKA) in Bayern in München mit.
Aus China heraus soll ein 35 Jahre alter Mann mit einer Betrugsmasche im Darknet Pädophile zum Kauf vermeintlicher kinderpornografischer Bilder gebracht haben. Es habe sich um "ein gigantisches Betrugs-Netzwerk" gehandelt, so das LKA und die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB).
Die Ermittler identifizierten nach eigenen Angaben nicht nur den verdächtigen Chinesen, sondern auch weltweit 440 tatverdächtige mutmaßliche Nutzer von Kinderpornografie, darunter 14 Verdächtige aus Deutschland.
Zudem seien 373.000 Seiten im Darknet stillgelegt worden. Denn der Mann steckte offenbar hinter einer ganzen Reihe von Plattformen, die unter anderem Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern und Erwachsenen anboten.
Kinderpornografie: Eine Darknetplattform führte zu ganzem Netzwerk
Die Ermittlungen liefen den Angaben zufolge seit Mitte 2021. Auf der Darknetplattform "Alice with Violence CP" stellten die Fahnder fest, dass gegen Bezahlung mit Bitcoins oder Dollars Datenpakete mit Darstellungen von Kindesmissbrauch, also Kinderpornografie, sowie weitere kriminelle Dienste angeboten wurden. CP steht laut den Ermittlern für "Child Porn", Kinderpornografie.
Internetseiten wie Kidflix zeigten, "welche Dimensionen Missbrauch" hätte. Konsumenten stammen aus einer "großen Breite der Gesellschaft", so Daniel Grein, Geschäftsführer Kinderschutzbund Bundesverband.
03.04.2025 | 4:35 minZiel der Plattform sei gewesen, mögliche Kunden ohne Gegenleistung zur Zahlung zu bringen - die kinderpornografischen Inhalte seien durch Vorschaubilder suggeriert, aber nie übermittelt worden. Der Tatverdächtige habe für Preise zwischen 20 und 250 Dollar Datenpakete mit sexuellen Inhalten von Kindern angeboten. Doch die Plattform "Alice with Violence CP" war offenbar nur der Anfang.
"Im Verlauf der Ermittlungen zeigte sich die wahre Dimension", berichtete das LKA in einer Mitteilung.
Der mutmaßliche Täter hatte nicht eine Plattform gebaut, sondern ein ganzes Darknet-Geflecht.
Mitteilung des LKA
Über 100 Plattformvarianten haben die Ermittler nach eigenen Angaben identifiziert.
LKA: Sicherheit eines Kindes an erster Stelle
Wie die Behörde weiter mitteilte, sei sofort eingeschritten worden, wenn im Zuge der Ermittlungen von Gefahren für Kinder auszugehen war. Sobald bekannt wurde, dass Kinder bei Tatverdächtigen wohnten, sei das Verfahren an die zuständige Polizei abgegeben worden. "Keine ermittlungstaktische Priorität stand je über der Sicherheit eines Kindes", erklärt das LKA.
So sei 2023 im Landkreis Starnberg ein 31 Jahre alter Familienvater als Nutzer der Plattform aufgeflogen. Der Mann soll laut Polizei 20 US-Dollar an die einschlägige Darknet-Plattform "CP Video HD" transferiert haben, um dafür ein Paket mit 70 Gigabyte Material zu erhalten. Er sei inzwischen rechtskräftig verurteilt.
Nach weltweiten Ermittlungen schaltete die Polizei 2025 eine Plattform für Missbrauchs-Videos ab. In 31 Ländern gab es Durchsuchungen, rund 1400 Verdächtige wurden identifiziert.
02.04.2025 | 1:34 minDrahtzieher wird mit internationalem Haftbefehl gesucht
Bei einer weltweiten Aktion seien in diesem Monat in 23 Staaten Razzien bei Nutzern der Angebote erfolgt. Deutschlandweit habe es bei 14 Tatverdächtigen Durchsuchungen gegeben. Die bayerischen Ermittler beschlagnahmten insgesamt 105 Server. Die Ermittlungen dauern an.
Gegen den tatverdächtigen Chinesen wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen, nach dem Mann wird gefahndet. Er soll etwa 400.000 Dollar und 18 Bitcoins erwirtschaftet haben.
Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch
0800 22 55 530
Nummer gegen Kummer
Kinder- und Jugendtelefon
116 111
Elterntelefon
0800 111 0 550
Weitere Anlaufstellen:
Jugendamt
Polizei
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