Experten hinterfragen Sicherheitsstruktur:Bericht: KI-Agent von OpenAI war tagelang außer Kontrolle
Neue Details zum Hackerangriff einer KI: Die Modelle von OpenAI agierten einem Bericht zufolge mehrere Tage autonom - und das unbemerkt. Experten sind alarmiert.
Der autonome Hackerangriff habe das gezeigt, was lange befürchtet worden sei, so der Experte für Cybersicherheit, Dennis-Kenji Kipker. OpenAI habe die Kontrolle über ein KI-Programm verloren.
23.07.2026 | 3:56 minDie autonom agierende KI von OpenAI, die die Technologiefirma Hugging Face angegriffen haben soll, war nach Angaben von Insidern mehrere Tage auf "Hacker-Tour", ohne dass OpenAI dies bemerkte. Das Programm, das mit wenig oder keiner menschlichen Aufsicht komplexe Aufgaben ausführen kann, habe bereits am 9. Juli versucht, seine Testumgebung zu verlassen.
Laut Hugging-Face-Mitbegründer Thomas Wolf begann der Angriff auf sein Unternehmen zwei Tage später und dauerte bis zum 13. Juli. Erst mehrere Tage danach erkannte OpenAI laut Insidern, dass die eigenen Modelle hinter dem Vorfall steckten. Die öffentliche Mitteilung von OpenAI am 21. Juli, zwei KI-Agenten seien außer Kontrolle geraten und in Systeme von Hugging Face eingedrungen, sorgte weltweit für Aufsehen.
Eine OpenAI-Sprecherin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Berichterstattung enthalte "mehrere Ungenauigkeiten", nannte auf Nachfrage jedoch keine Details. Das FBI lehnte eine Stellungnahme ab.
OpenAI: Hackerangriff sei "beispielslos"
Laut Wolf und drei weiteren mit der Untersuchung vertrauten Personen hätten OpenAI und Hugging Face erstmals um den 20. Juli über den Vorfall gesprochen. OpenAI bezeichnete den Angriff als beispiellos und als "wichtigen Moment für die KI-Sicherheit". Das Unternehmen prüft den Vorfall mit externen Beratern und kündigte einen technischen Bericht an.
Drei von der Nachrichtenagentur Reuters interviewte Cybersicherheitsexperten erklärten, der Kontrollverlust von OpenAI über seinen KI-Agenten werfe neue Fragen zu den Sicherheitsvorkehrungen des Unternehmens auf:
Bedeutet das, dass sie den KI-Agenten unbeaufsichtigt ließen und nicht merkten, was er tat? Oder wussten sie es vielleicht und wussten nicht, wie sie ihn eindämmen konnten? Beides ist gleichermaßen gefährlich und alarmierend.
Marley Smith, World Ethical Data Foundation
Offenbar bereits Probleme im Vorlauf
Der Vorfall begann nach Reuters-Recherchen, als OpenAI die Cybersicherheitsfähigkeiten eines Agenten testete. Dieser wurde von zwei der fortschrittlichsten Modelle von OpenAI angetrieben: GPT-5.6 Sol und einem noch unveröffentlichten Modell, das OpenAI als "noch leistungsfähiger" beschrieben hat.
Ein KI-System der US-Firma OpenAI ist aus seiner Testumgebung ausgebrochen. Es hat sich eigenständig Zugang zum Internet verschafft und ein anderes Unternehmen gezielt angegriffen.
23.07.2026 | 1:46 minNach Angaben von Insidern gab es bereits zuvor Hinweise auf ungewöhnliches Verhalten. So soll ein KI-Agent Notizen für künftige Versionen seiner selbst hinterlassen haben - mit Anweisungen, wie sich Agenten von internen Beschränkungen befreien könnten. Zudem seien bei früheren Tests Überwachungssysteme abgeschaltet worden. Reuters konnte eigenen Recherchen zufolge nicht feststellen, ob diese Vorfälle mit dem Angriff auf Hugging Face zusammenhingen.
Erst nach dem 16. Juli stellte OpenAI laut Insidern fest, dass der eigene Agent für den Angriff verantwortlich war. Mitarbeiter fanden später in internen Protokollen Hinweise darauf, dass der Agent seine Testbeschränkungen überwunden hatte.
Auch autonome KI-Systeme können Hacker sein, so Florian Neuhann. Die IT-Sicherheit solle massiv aufgerüstet werden – "ironischerweise auch mithilfe von KI".
22.07.2026 | 2:31 minWarum die entsprechenden Logs durchsucht wurden, ist unklar. OpenAI führt häufig mehrere Modelltests parallel durch, wodurch die Auswertung großer Datenmengen erschwert werden kann.
Als OpenAI Hugging Face informierte, hatte das Unternehmen nach Angaben eines Insiders bereits das FBI eingeschaltet. Ob die Behörde Ermittlungen einleitete, ist nicht bekannt.
Größere Autonomie der KI-Modelle birgt größeres Risiko
Autonome Agenten gelten als einer der vielversprechendsten Bereiche der KI-Branche. Befürworter rechnen mit einer großen Zahl von virtuellen Mitarbeitern, die die Produktivität steigern. Die größere Autonomie der KI-Modelle birgt jedoch auch das Risiko unerwarteten Verhaltens. "Die Modelle lügen, sie betrügen, sie hacken", sagte Jeffrey Ladish von der Forschungsorganisation Palisade Research.
Der OpenAI-Vorfall werfe grundsätzlich Fragen darüber auf, wie viel die führenden KI-Unternehmen in Sicherheitsmaßnahmen investierten, während sie sich in einem Wettlauf um die besten Modelle befänden. Es müsse eine staatliche Aufsicht geben, "denn sonst wird es nicht passieren", sagte Ladish.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur Künstlichen Intelligenz
"Beispielloser Cyberzwischenfall":OpenAI: KI wird ungewollt zum Hacker
mit Video3:56- Interview
Konferenz in Potsdam:Cybersicherheit: Deutschlands offene Baustellen
mit Video2:06 Anthropic stellt neue KI vor:"Claude Mythos" setzt die Cybersicherheit unter Druck
von Patrick Müthingmit Video6:50"Claude Mythos" von Anthropic:Neues KI‑Modell: BSI zeigt sich besorgt
mit Video0:48