Hilfe für Venezuela nach Doppel-Erdbeben:"Viele versuchten mit bloßen Händen, Angehörige auszugraben"
Die Hoffnung, Überlebende in den Trümmern nach den Erdbeben zu finden, schwindet. Eine finnische Journalistin und der stellvertretende Leiter von Unicef in Venezuela berichten.
Nach den Erdbeben in Venezuela am Mittwoch werden weiterhin Überlebende aus den Trümmern geborgen. Die Zahl der Toten beläuft sich auf mehr als 900 Menschen. Über 50.000 werden noch vermisst.
27.06.2026 | 1:31 min"Wir haben gesehen, dass unglaublich viele Menschen geschrien haben", berichtet Maija Salmi, Auslandskorrespondentin für Lateinamerika beim finnischen Sender Yle. Salmi war mit ihrem Team bereits in Caracas, als sich am Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt von Venezuela das verheerende Doppel-Erdbeben ereignete.
"Es war ein Desaster und dann habe ich wirklich verstanden, wie groß diese Erdbeben waren", berichtet Salmi bei ZDFheute live. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5 - es gab Dutzende Nachbeben. Von mindestens 920 Toten ist auszugehen - und inzwischen schwindet die Hoffnung in Venezuela, noch Überlebende in den Trümmern zu finden.
Die Suche nach Verschütteten geht in Venezuela pausenlos weiter. Nach 72 Stunden sinken laut Experten die Chancen auf Überlebende. ZDFheute live analysiert die Lage vor Ort.
27.06.2026 | 23:17 minAugenzeugin in Venezuela: Waren anfangs vor allem Familien, die sich gekümmert haben
"Wir haben am Anfang gesehen, dass es vor allem die Familien waren, die sich um ihre Angehörigen gekümmert haben, die versucht haben, jemanden auszugraben", berichtet die finnische Journalistin, "Ich würde sagen, die Regierung war sehr langsam in ihrer Reaktion." Das Problem sei von Anfang an gewesen, dass nicht genug Ausrüstung vorhanden gewesen sei. Es habe vieles nicht gegeben - etwa Helme.
Viele haben mit ihren bloßen Händen versucht, Angehörige auszugraben.
Maija Salmi, Auslandskorrespondentin beim finnischen Sender Yle
Das sei überhaupt nicht organisiert gewesen. Auch vom Militär habe es, berichtet die Korrespondentin des finnischen Senders Yle, keine Hilfe gegeben. Sie reiste mit ihrem Team nach La Guaira, in das am stärksten betroffene Gebiet mit Hunderten von zerstörten Gebäuden:
Wir haben uns dort unterhalten mit Freiwilligen, mit Feuerwehrleuten, wir haben uns mit den Menschen vor Ort unterhalten und all diese Menschen waren sehr enttäuscht von der Regierung.
Maija Salmi, Auslandskorrespondentin beim finnischen Sender Yle
Das finnische Team habe auf dem Weg dorthin auch unterstützende Organisationen gesehen, etwa aus der Dominikanischen Republik. Aber als sie weiter in das Gebiet hinein gelangten, seien es nur die Familien gewesen, die versucht hätten, sich selbst zu helfen. Zum Teil habe es in Gebäuden auch gebrannt. "Die Menschen sind auch aufgrund dessen gestorben und es gab keine Feuerwehr, die dort hätte helfen können", berichtet Salmi.
Besonders das Gesundheitssystem habe unter jahrelangem Missmanagement durch das Maduro-Regime gelitten, erklärt Lateinamerika-Experte Maihold. In der Krise sei es nun kaum mehr leistungsfähig.
27.06.2026 | 7:31 minUnicef: Zugang zu betroffenen Gebieten in Venezuela ist Herausforderung
An Hilfsorganisationen ist unter anderem Unicef vor Ort. Beschädigte Straßen, unterbrochene Kommunikation, Stromausfälle - das alles erschwere die Arbeit der Hilfsorganisationen derzeit, berichtet Gabriel Vockel, stellvertretender Leiter von Unicef in Venezuela aus Caracas. Die größte Herausforderung im Moment sei der Zugang zu allen betroffenen Gebieten, sagt Vockel in ZDFheute live.
Wenn Häuser einfallen und Wasser und Strom und Krankenhäuser ausfallen, dann trifft das natürlich Kinder besonders hart.
Gabriel Vockel, stellv. Leiter UNICEF Vanazuela in Caracas
Es gehe aber nicht nur um zerstörte Gebäude, sondern auch darum, dass Familien keinen sicheren Ort mehr haben. "Das war schon ein heftiges Ereignis mit sehr viel Angst", berichtet Vockel, der mit seinen zwei eigenen Kindern in Caracas ist.
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Internationale Hilfe auf dem Weg nach Venezuela
Unicef habe seine Nothilfe hochgefahren, etwa im Bereich Gesundheit, Wasser, Sanitätsversorgung, Ernährung und auch Kinderschutz. Dabei arbeite man nicht nur mit eigenen Teams, sondern auch mit Partnern im Land, etwa dem lokalen Roten Kreuz. Man sei auch in Kontakt mit der Regierung, die einige Dinge auch selbst organisieren müsse.
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"Es gibt sehr viele öffentliche Einrichtungen, die sehr stark beschädigt sind, unsicher sind", berichtet Vockel. Die Situation sei je nach Gebiet unterschiedlich. Über Partner würden derzeit verschiedene Ärzteteams mit mobilen Krankenstationen eingeflogen "und somit wird es eben dann möglich, medizinische Hilfe auch in Straßen, in Stadien, an sicheren Orten unbürokratisch sofort anzubieten." Die Zeit dränge, es dauere bis Teams aus Südkorea, aus Europa und anderen Ländern ankomme, aber die Hilfe sei in vollem Gange.
"Die Opferzahlen werden sehr stark nach oben gehen. Das kann man leider nur so erwarten", sagt Vockel. Er erlebe eine große Anspannung, "sehr viel Angst, aber eben auch hier in Venezuela - das ist das Wunderbare in diesem Land - eine große Solidarität und diese Entschlossenheit zu helfen".
Nach den Erdbeben in Venezuela werden weiterhin über 50.000 Menschen vermisst. Internationale Rettungskräfte beteiligen sich an der Suche.
27.06.2026 | 0:44 minTHW trifft in Erdbebengebiet ein
In der Nacht zu Samstag ist etwa auch ein rund 50-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) am Flughafen Caracas eingetroffen. Die Einsatzkräfte der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) beginnen nun die Lageerkundung gemeinsam mit internationalen Partnern, berichtete THW-Präsidentin Sabine Lackner. So schnell wie möglich solle die Suche nach Vermissten beginnen.
Nach Angaben der Regierung in Venezuela sind inzwischen gut 1.600 internationale Rettungskräfte eingetroffen. Weitere 25 Flüge mit Helfern werden dem Außenministerium zufolge innerhalb der kommenden 24 Stunden erwartet.
Die Interviews führte Jessica Zahedi in ZDFheute live, zusammengefasst hat sie Martin Krauß.
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