Kongo: Ebola-Epidemie führt zu Angst, Verzweiflung und Gewalt

Ebola im Kongo:Folgen der Epidemie: Bevölkerung zwischen Angst und Gewalt

Porträt von Verena Garrett, Leiterin ZDF-Auslandsstudio Johannesburg

von Verena Garrett

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Im Ostkongo breitet sich Ebola weiter aus. Helfer erleben Widerstand und Angriffe. Mit der Zahl der Infektionen wächst auch die Verzweiflung.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Bunia versprühen Desinfektionsmittel auf einem Markt in der Nähe eines Müllwagens.

In Afrika breitet sich eine seltene Ebola-Variante aus, gegen die es keinen Impfstoff gibt. Im Kongo gab es bereits weit über 170 Todesfälle; die WHO warnt vor einer Epidemie.

23.05.2026 | 1:37 min

Ein schlichter kleiner Sarg aus hellem Holz steht auf roter Erde. Kaum größer als eine Kiste. Darin: ein Baby, eingewickelt in weiße Plastikfolie. Es wurde nur wenige Tage alt. Kurz nach dem Tod seiner Mutter starb auch das Kind - infiziert bereits im Mutterleib mit Ebola. Szenen wie diese gehören im Osten der Demokratischen Republik Kongo inzwischen zum Alltag.

Bestattungen von Ebola-Opfern als tödliche Gefahr

Nach einem Todesfall versammeln sich Familien in dieser Region des Landes normalerweise um die Verstorbenen. Sie waschen die Toten, berühren sie, nehmen Abschied. Mit Ebola gelten diese Rituale plötzlich als Gefahr. Die Leichen sind hoch ansteckend und dürfen nur unter strengen Schutzmaßnahmen bestattet werden.

Die Bilder zeigen, wie tief das Virus in den Alltag eingreift: Ebola verändert nicht nur das Leben der Menschen - sondern auch den Umgang mit dem Tod. Helfer wie John Tumudjibe versuchen, Angehörige zumindest teilweise einzubeziehen.

Ein Familienmitglied darf bei der Beerdigung dabei sein. Es bekommt eine Schutzausstattung und kann beobachten, was das Team tut. So wollen wir verhindern, dass Gerüchte entstehen.

John Tumudjibe, Bestatter

Mensch in Schutzanzug und Grafik menschlicher Körper

Die gefährliche Virusinfektion löst hohes Fieber und Blutungen aus. Fakten und Daten zu bisherigen Ausbrüchen.

21.05.2026 | 1:00 min

Falschinformationen über Ansteckungswege

In vielen Dörfern kursieren Falschinformationen. Manche glauben, Ebola werde über die Luft übertragen. Andere halten die Krankheit für eine Erfindung. Mitarbeiter vom Roten Kreuz reisen deshalb in abgelegene Regionen. Sie ziehen von Haus zu Haus um aufzuklären - und stoßen immer wieder auf Misstrauen.

Viele Menschen hier haben über Jahre erlebt, dass staatliche Hilfe ausblieb. Das Misstrauen gegenüber Behörden und internationalen Organisationen ist enorm. "Der Widerstand ist groß", sagt Vanny Buringi, eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes. Und weiter:

Manche werfen Steine auf uns. Trotzdem geben wir nicht auf. Wir erklären den Menschen immer wieder, dass die Krankheit real ist.

Vanny Buringi, Mitarbeiterin Rotes Kreuz

Ein Arzt in blauem Kittel und Mundschutz steht mit einem Kind an einem Wasserhahn, das Kind wäscht sich die Hände.

Kein Impfstoff, Misstrauen in der Bevölkerung und Angriffe auf Behandlungszentren: Der Kampf gegen Ebola im Kongo stößt an harte Grenzen.

29.05.2026 | 10:30 min

Die Angst vieler Menschen entlädt sich zunehmend in Wut und Aggression. Immer wieder werden Helfer bedroht, Behandlungszentren angegriffen oder geplante Notfallstationen zerstört - bevor sie überhaupt genutzt werden können.

Der Widerstand der Menschen blockiert Maßnahmen, die für das Eindämmen der Infektionen entscheidend wären: "Die Behandlungszonen sind dringend notwendig. Ohne die Angriffe und das Anzünden der Zelte wären wir beim Aufbau deutlich weiter", sagt Richard Lokudu, medizinischer Direktor eines Provinzkrankenhauses.

Kongo

Seit Jahren kämpfen im Osten der Demokratischen Republik Kongo Rebellen gegen die Regierung. Tausende sind gestorben; die humanitäre Lage hat sich gravierend verschlechtert.

07.02.2025 | 2:43 min

Konflikte im Kongo erschweren Arbeit der Helfer

Die Provinz Ituri gilt seit Jahren als gefährliche Konfliktregion. Viele Orte sind schwer erreichbar, Armut und Gewalt prägen das Leben der Menschen. Nach Angaben der Vereinten Nationen fehlt es massiv an Schutz und Unterstützung für die Bevölkerung und die Helfer vor Ort. "Die jahrelangen Konflikte hier haben diese Region in eine prekäre Lage gebracht", erklärt Douglas Noble, Krisenkoordinator bei UNICEF.

Konflikte, Vertreibung und Krankenhäuser, die weder medizinisch gerüstet sind oder über das nötige Personal verfügen - das schafft ein Umfeld, in dem sich ein Virus wie Ebola besonders gut ausbreiten kann.

Dr. Douglas Noble, UNICEF -Krisenkoordinator

Demokratische Republik Kongo: Arbeiter entladen medizinische Hilfsgüter der Europäischen Union.

In der Demokratischen Republik Kongo sind erste Hilfsgüter der EU für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie eingetroffen.

29.05.2026 | 0:20 min

Internationale Hilfe für Kongo ist angelaufen

Die internationale Hilfe ist angelaufen. Frachtflugzeuge bringen tonnenweise Schutzkleidung, Medikamente und Zelte in die Region. Insgesamt sollen in den kommenden Tagen rund 100 Tonnen Hilfsgüter eingeflogen werden.

Für viele Menschen im Ostkongo ist der Kampf gegen das Virus längst zu einem Kampf gegen die Zeit geworden.

Verena Garrett ist Korrespondentin im ZDF-Studio Nairobi.

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Über die Ebola-Epidemie berichteten unter anderem ZDFheute Xpress am 29.05.2026 ab 06:30 Uhr und ZDFheute live am 29.05.2026 ab 13:30 Uhr.

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