Big Bang KI Festival in Berlin:Zwischen Business-Euphorie und Gefahren für die Gesellschaft
von Jan Henrich
In Berlin trifft sich diese Woche KI-Wirtschaft und Politik beim Big Bang KI-Festival. Neben Buzzwords und Marketing-Sprech tauchen auch immer mehr ernste Töne auf.
"Verstehen, was gerade passiert", so beschreibt Jens de Buhr, Gründer des "Big Bang KI Festivals", eines der Ziele seines Events. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sollen dafür zusammenkommen. Etwas mehr als 11.000 Gäste werden in diesem Jahr erwartet. Seit 2024 findet die Veranstaltung mit KI-Schwerpunkt in Berlin statt.
In erster Linie geht es um neue Geschäftsmodelle und die praktische Anwendung von künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Doch die Debatte rund um Gefahren der Technologie drängt sich aktuell auf und viele politische Fragen sowie Gäste finden sich im Programm.
Von KI-Masterclasses bis Sicherheitspolitik
In diesem Jahr sind unter anderem die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner, Bauministerin Verena Hubertz, Justizministerin Stefanie Hubig und auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und CSU-Chef Markus Söder haben einen Auftritt.
Jacob Coxon, Forscher der US-Firma Anthropic, warnt auf der Plattform X vor der Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz. Laut ihm würden Unternehmen unverantwortlich handeln.
09.09.2026 | 0:38 minDie Themen sind vielfältig. Von KI in der Sicherheitspolitik bis hin zum Schutz der Demokratie. Vom Einsatz der Systeme beim Wohnungsbau bis hin zu Fragen des Arbeitsrechts. Daneben gibt es eine Reihe von Masterclasses, die nach Angaben der Veranstalter "Fit für KI" machen sollen.
Festival-Veranstalter warnt vor "Wildwest-KI"
Die Veranstaltung steht im Schatten einer Debatte um die Risiken der Systeme. Große KI-Entwickler warnen mittlerweile vor menschheitsgefährdenden Szenarien. Der Chef des Tech-Unternehmens Anthropic hatte zuletzt gefordert, dass die Entwicklung von KI-Systemen verlangsamt werden müsse.
Wegen der wachsenden Risiken fordern mehrere Entwickler künstlicher Intelligenz eine Drosselung der Entwicklung. Anthropic-Chef Amodei, OpenAI-Gründer Altman und Elon Musk unterstützen die Forderung.
13.09.2026 | 0:29 minDie Warnungen seien berechtigt, sagt de Buhr. Man nähere sich einem historischen Kipppunkt. Sicherheit und Risikomanagement würden bei der rasanten Entwicklung neuer KI-Systeme nicht Schritt halten.
Ich würde mir sogar wünschen, dass wir für einige Monate bewusst Tempo herausnehmen.
Jens de Buhr, Veranstalter Big Band KImFestival
In anderen Wirtschaftsbereichen, etwa der Entwicklung von Medikamenten oder Flugzeugen sei das undenkbar, so der Veranstalter. Es brauche deshalb "klare Leitplanken", Gesellschaft und Unternehmen müssten Zeit bekommen, sich auf KI einzustellen.
"Was man definitiv sagen kann, ist, dass wir einem KI-GAU immer näherkommen", warnt der IT-Experte Prof. Dennis-Kenji Kipker. Man dürfe die Begrenzung von KI nicht allein den Unternehmen überlassen.
14.09.2026 | 5:33 minExperte: Entwicklungs-Stopp könnte Marktposition zementieren
KI-Experte Yannick Kalff vom Thinktank Agora Digitale Transformation hat Verständnis für die aktuelle Diskussion. Die Meldungen ließen wenige Menschen unberührt. Allerdings könne man bei den Warnungen der großen Player auch ein "Overselling" vermuten. Tech-Konzerne könnten ein Geschäftsinteresse daran haben, die Risiken und damit auch die Fähigkeiten ihrer Modelle hoch anzusiedeln, so der Experte.
Er gibt außerdem zu bedenken, dass ein Moratorium für KI die Entwicklungsgeschwindigkeit für alle verlangsamen und damit auch die Marktposition der etablierten Systeme zementieren könnte. Die europäische Regulierung decke nach Ansicht von Kalff bereits viele Risiken ab, auch wenn es noch Lücken gebe.
Der AI-Act ist ein guter erster Schritt.
Yannick Kalff, Agora Digitale Transformation
KI-Omnibus soll Übergangsfristen anpassen
In der EU ist die KI-Verordnung schrittweise seit August 2024 in Kraft getreten. Derzeit wird die Regelung durch den sogenannten Digitalen Omnibus angepasst, der Übergangsfristen für Unternehmen verlängert. Die Bundesregierung hatte sich in dem Zusammenhang in Brüssel unter anderem für "weniger Bürokratie" und "mehr Freiräume für Datennutzung und KI-Entwicklung" eingesetzt.
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