150 Jahre Modersohn-Becker: Austellung "Becoming Paula" startet

150 Jahre Modersohn-Becker:Austellung "Becoming Paula" startet in Bremen

Katharina Weisgerber, Redakteurin des ZDF-Landesstudios Bremen.

von Katharina Weisgerber

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Zu Lebzeiten verkaufte Paula Modersohn-Becker kaum Werke. Heute ist sie die erste Malerin mit eigenem Museum. Die Ausstellung "Becoming Paula" würdigt ihren 150. Geburtstag.

Eine Teilnehmerin eines Presserundgangs steht im Albertinum in der Ausstellung „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch

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"Der Paula-Stil, das ist diese Vereinfachung, sie wollte Größe und Einfachkeit", erklärt Frank Schmidt, Direktor des Paula-Modersohn-Becker-Museums in Bremen.

Die Malerin hat Ende des 20. Jahrhunderts über 700 Gemälde und 1.400 Zeichnungen geschaffen und gilt als Vorreiterin der Avantgarde.

Paula Modersohn-Becker, Brustbild eines Mädchens in der Sonne vor weiter Landschaft, 1897

Paula Modersohn-Becker - Brustbild eines Mädchens in der Sonne vor weiter Landschaft von 1897

Quelle: © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen

Anlässlich ihres runden Geburtstags blickt das weltweit erste einer Frau gewidmete Museum auf die künstlerische Entwicklung der selbstbewussten und ehrgeizigen Tochter aus großbürgerlichem Haus.

Modersohn-Becker wurde 1876 in Dresden geboren und zog später nach Bremen. Neun Jahre lang lebte sie in der Künstlerkolonie Worpswede, studierte in Berlin und reiste viermal nach Paris, wo sie die Malerei von Cezanne und Gauguin entdeckte.

Ich habe so den festen Willen und Wunsch, etwas aus mir zu machen, was das Sonnenlicht nicht zu scheuen braucht.

Paula Modersohn-Becker in einem Brief an ihre Mutter 1899

Paula Modersohn-Becker: Zeitreise anhand berührender Werke

Die Ausstellung "Becoming Paula" zeigt rund 80 Gemälde und Zeichnungen, darunter viele Werke aus Privatbesitz, die noch nie oder nur selten zu sehen waren.

In einem Ausstellungsraum betrachten ein Mann und ein Mädchen eine Installation aus einem Glaskasten, in dem eine bunte Masse zu erkennen ist.

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"Es ist die Entwicklung der Künstlerin von ihren frühesten Zeichnungen an, wo man sehen kann, wie genau sie Gesichtszüge, Hände und ähnliches gemalt hat", erklärt Museumsdirektor Schmidt, "hin zu den späten Bildern, die sie 1907 berühmt gemacht haben".

Ich bin ich, und hoffe es immer mehr zu werden. Das ist wohl das Endziel von alle unserem Ringen.

Paula Modersohn- Becker an Rainer Maria Rilke 1906

Erster weibliche Selbstakt - gemalt von Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker malte den ersten weiblichen Selbstakt überhaupt, auch wenn außer ihren Freunden niemand dieses und weitere Darstellungen ihres nackten Körpers zu sehen bekam.

Besucher*innen vor dem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag (1906) von Paula Modersohn-Becker im Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Besucher*innen vor dem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag (1906) von Paula Modersohn-Becker im Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Quelle: Paula Modersohn-Becker Museum, Foto: Patric Leo

"Das war ein sehr selbstbewusster und mutiger Schritt", erklärt Kunsthistoriker Schmidt. Doch Modersohn-Beckers Selbstakte und andere weibliche Akte, die sie malte, wären zu dieser Zeit nicht ausgestellt worden. Denn:

Das war der Zeit weit voraus. Dass eine Künstlerin, die man kennt, sich nackt darstellt, das ging nicht.

Frank Schmidt, Direktor Paula Modersohn-Becker Museum

New York Times urteilt: "Unverschämt modern"

2024 stellten zwei Ausstellungen die deutsche Malerin erstmals in den USA vor. "Bracingly modern" urteilt die New York Times, so ungewöhnlich und auch unverfroren blicke die Künstlerin auf die Welt. In den vergangenen zehn Jahren setzte auch die internationale Wahrnehmung stärker ein:

Es gab Ausstellungen in Dänemark, in Paris, in London, New York und Chicago. Das hat ihr natürlich eine ganz andere Aufmerksamkeit gebracht.

Frank Schmidt, Direktor Paula Modersohn-Becker Museum

Paula Modersohn-Becker, Liegende Mutter und Kind II, 1906

Paula Modersohn-Becker, Liegende Mutter und Kind II, 1906

Quelle: © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Gleichzeitig falle sie nun in eine Zeit, in der Künstlerinnen mehr wahrgenommen werden, sie werden gesammelt, sie werden gezeigt. Das finde natürlich auch bei Modersohn-Becker statt, erklärte Museumsdirektor Schmidt.

Werke von Paula Modersohn-Becker erzielen auf Auktionen Spitzenpreise, mit einem neuen Rekord von 1,27 Millionen Euro für ein Selbstbildnis im Jahr 2025.

Leben und Tod der Paula Modersohn-Becker

Auch rund 100 Selbstbildnisse finden sich in der Bremer Ausstellung: Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle. Zunehmend entfernte sich Paula Modersohn-Becker von der naturgetreuen Wiedergabe. Was ihre Mutter in einem Brief zu der Äußerung verleitete:

Paulas Selbstportraits finde ich alle grausam gegenüber ihrer Lieblichkeit.

Modersohn-Beckers Mutter in einem Brief von 1913

Paula Modersohn-Becker circa 1904

Paula Modersohn-Becker circa 1904

Quelle: mauritius images

In ihrer Kunst habe Modersohn-Becker keine Kompromisse gemacht - und das musste sie auch nicht. Denn die Bilder hatte die Malerin nicht verkauft und musste daher auch nicht davon leben, so erklärt Frank Schmidt ihre Lebenssituation. Er findet sogar: "Die Bilder waren so fortschrittlich, die hätte niemand gekauft."

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901

Quelle: © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen

Ihrem Tagebuch vertraute Paula schon früh ihre Gedanken zum Leben und Tod an:

Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? Ist ein Fest schöner, wenn es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes intensives Fest.

Paula Modersohn-Becker in einem Tagebucheintrag (1900)

Knapp drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter stirbt Minna Hermine Paula Modersohn-Becker im Alter von 31 Jahren an einer Embolie. Ihre letzten Worte: " Wie schade."

Die Ausstellung "Becoming Paula" ist noch bis zum 12.9.2026 im Paul Modersohn-Becker Museum in Bremen zu sehen.

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Quelle: dpa

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Über das Thema berichtete die heute-Sendung am 09.02.2026 ab 19:00 Uhr.

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