Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Schlaflos im Schlafzimmer? Wie wichtig der Raum für Ruhe ist
von Melanie Fritze
Immer mehr Menschen können nicht gut schlafen. Und Schlafmangel birgt das Risiko vieler Krankheiten. Wie wichtig das Schlafzimmer als Rückzugsraum ist - auch für die Gesellschaft.
Millionen Menschen schlafen dauerhaft schlecht. Chronischer Schlafmangel gilt als Risikofaktor für Burnout, Angststörungen, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig leben immer mehr Menschen in Städten, umgeben von Lärm, Hitze, Lichtverschmutzung und permanenter Erreichbarkeit. Was lange als individuelles Gesundheitsproblem galt, entwickelt sich zunehmend zu einer gesellschaftlichen Herausforderung.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Warum guter Schlaf auch eine gesellschaftliche Frage ist
Am Schlaf zeigt sich besonders deutlich, woran moderne Gesellschaften leiden: Überreizung, Beschleunigung und dem Verlust echter Rückzugsräume. Menschen mit geringem Einkommen leben häufiger in Wohnungen mit schlechter Dämmung, höherer Lärmbelastung und weniger Privatsphäre.
Schlaf wird damit auch zu einer Frage der Gesundheitsgerechtigkeit. Wer über lebenswerte Städte spricht, sollte deshalb auch schlaffreundliche Architektur und gesunde Wohnumgebungen mitdenken.
Wie beeinflusst das Zuhause die Psyche? Leon Windscheid geht für "Terra Xplore" der Frage nach, was Räume über uns erzählen - und wie man mit einfachen Mitteln mehr Ruhe und Geborgenheit in der Wohnung schafft.
18.05.2026 | 43:35 minForschung zeigt, wie Räume uns prägen
Die Debatte über schlechten Schlaf konzentriert sich meist auf Stress, Mediennutzung oder Arbeitsverdichtung. Ein wichtiger Einflussfaktor bleibt jedoch oft unbeachtet: der Raum selbst.
Forschungen aus Umweltpsychologie, Chronobiologie und Neurowissenschaften zeigen, dass unsere Umgebung das Nervensystem stärker beeinflusst, als lange angenommen wurde. Räume sind keine neutralen Kulissen. Sie beeinflussen, ob wir uns sicher und entspannt oder angespannt fühlen.
Schlafmangel macht müde, gereizt und krank. "37 Grad" begleitet Menschen, deren Alltag durch Schlafstörungen aus dem Takt geraten ist, und zeigt ihre Suche nach dem Ausweg aus diesem Teufelskreis.
13.01.2026 | 28:35 minDas Schlafzimmer als letzter Schutzraum
Besonders deutlich wird dies im Schlafzimmer. Viele Schlafräume sind heute zugleich Büro, Medienraum oder Abstellfläche. Wird ein Raum dauerhaft mit Arbeit, Unterhaltung oder Erreichbarkeit verknüpft, verliert er seine Funktion als Ort der Ruhe.
Dabei gehört das Schlafzimmer zu den wenigen Orten, an denen unser Nervensystem vollständig herunterfahren kann. Geht diese Funktion verloren, leidet unsere wichtigste Regenerationsquelle: der Schlaf.
Hinzu kommt, dass unser Nervensystem selbst während des Schlafs fortlaufend Umweltreize bewertet. Licht, Geräusche, Temperatur, visuelle Unruhe oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten können unterschwellige Aktivierung auslösen. Oft bemerken wir diese Einflüsse nicht bewusst, der Körper reagiert dennoch.
"Lebenszeit gewinnen durch weniger Schlaf?" Eine verlockende Idee. Doch Schlafmangel und Schlafstörungen können lebensgefährlich sein, wie Jasmina Neudecker für "Terra Xplore" herausfindet.
13.05.2024 | 27:03 minWie muss mein Schlafzimmer gestaltet sein, damit ich gut schlafen kann?
Deshalb hängt guter Schlaf auch von der Raumgestaltung ab. Entscheidend ist vor allem das Reizniveau. Blinkende LEDs, sichtbare Kabel, offene Regale oder herumliegende Arbeitsunterlagen halten das Gehirn im Aktivierungsmodus. Ein geordneter, reduzierter Schlafraum entlastet dagegen das Nervensystem und erleichtert Entspannung.
Auch Licht spielt eine zentrale Rolle. Kalte, blauhaltige Lichtquellen am Abend können die Ausschüttung von Melatonin beeinträchtigen und den Körper länger wach halten. Warmes, gedimmtes Licht sowie eine möglichst dunkle Schlafumgebung unterstützen dagegen den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus.
Gadgets, Luxus-Retreats, Hightech-Pyjamas: Für Schlaf geben wir viel Geld aus. Doch echte Erholung entsteht oft ganz anders. Wir haben einen Schlafforscher befragt.
05.05.2026 | 27:25 minTemperatur und Luft: Das Betriebssystem für unseren Schlaf
Ebenso bedeutsam sind Materialien, Farben und das Raumklima. Natürliche Materialien wie Holz und weiche Materialien sowie sanfte Naturtöne werden häufig als beruhigend wahrgenommen. Kühle Temperaturen, gute Belüftung und möglichst wenige technische Geräte gelten ebenfalls als günstige Voraussetzungen für erholsamen Schlaf.
Natürlich löst die richtige Gestaltung des Schlafzimmers nicht automatisch jede Schlafstörung. Schlafprobleme können auch medizinische, psychische oder hormonelle Ursachen haben. Dennoch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen zunehmend, dass Räume weit stärker auf unser Wohlbefinden wirken, als lange angenommen wurde.
Wir schlafen ein Drittel unseres Lebens. 43 Prozent der Deutschen aber leiden unter Schlafstörungen. Saskia Fröhlich geht der Frage nach, was das Geheimnis guten Schlafes ist.
18.12.2024 | 44:49 minSo sorgen wir für bessere Erholung - individuell und gesellschaftlich
Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb nicht mehr: "Wie schlafe ich schneller ein?" Sondern: "Welche Räume ermöglichen meinem Nervensystem überhaupt noch loszulassen?" Das Schlafzimmer ist der Ort, an dem sich Nacht für Nacht entscheidet, ob Erholung gelingt. Wer Schlaf verbessern will, sollte nicht nur auf sich selbst schauen, sondern auch auf den Raum, in dem er jede Nacht versucht, zur Ruhe zu kommen.
Ein Drittel des Lebens verbringt der Mensch im Schlaf. Viele Facetten dieser nächtlichen Auszeit sind für die Wissenschaft ein Mysterium. Was passiert im Gehirn, wenn man schläft?
26.03.2023 | 43:12 minAuch die Zukunft gesunder Städte entscheidet sich nicht nur auf Straßen und Plätzen, sondern auch hinter Wohnungstüren. Wer Gesundheit fördern will, sollte Lärmreduktion, Lichtschutz und erholsame Rückzugsräume als feste Bestandteile moderner Stadtplanung verstehen. Wohnräume zu schaffen, die Erholung ermöglichen, ist eine Investition in die psychische und körperliche Gesundheit der Bevölkerung.
... ist Verhaltenstherapeutin in eigener Praxis in Hamburg und zertifizierte Architektur- und Wohnpsychologin. Im Bereich der Wohnpsychologie führt sie seit 2018 Wohnberatungen durch, hält Vorträge und arbeitet beratend an Bauprojekten mit. Seit 2021 ist sie Vorstandsmitglied des Instituts für Wohn- und Architekturpsychologie (IWAP). Ihr Herzensanliegen ist es, Wohnumgebungen so zu gestalten, dass sie die Bedürfnisse der Bewohner unterstützen sowie Wohlbefinden und Gesundheit fördern.
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