Auszeichnung für Geisterteilchen:Physik-Nobelpreis 2026 geht an Astrophysiker Francis Halzen
Der Physik-Nobelpreis geht an Francis Halzen. Er wird für den Nachweis von Neutrinos - "Geisterteilchen" - mit dem riesigen "IceCube"-Detektor am Südpol geehrt.
Physik-Nobelpreis geht an belgisch-US-amerikanischen Elementarteilchenphysiker Francis Halzen
Quelle: dpa | Steffen Trumpf/dpaNobelpreis für den Jäger der "Geisterteilchen": Der Astrophysiker Francis Halzen wird mit der höchsten Auszeichnung der Physik geehrt. Dem 82-jährigen Forscher ist es gelungen, hochenergetische Neutrinos aus den Tiefen des Kosmos nachzuweisen - mit einem riesigen Teleskop, das er tief im ewigen Eis des Südpols vergraben hat.
Forschung zu hochenergetischen Neutrinos ausgezeichnet
Mit der Vergabe an Francis Halzen würdigt das Nobelkomitee bahnbrechende Erkenntnisse in der Astrophysik. Neutrinos gelten in der Physik als extrem schwer nachweisbare Elementarteilchen, die wertvolle Informationen über das Universum liefern.
Teilchen, die es nach dem Energieerhaltungssatz geben muss, die man aber lange für gar nicht nachweisbar hielt, machten unter Kernphysikern als "Geisterteilchen" die Runde.
01.10.2017 | 14:40 minIm vergangenen Jahr waren die Quantenforscher John Clarke (Großbritannien), Michel Devoret (Frankreich) und John Martinis (USA) mit dem Preis in der Kategorie Physik geehrt worden.
Was sind Neutrinos? Die "Geisterteilchen" des Universums
Neutrinos sind winzige Elementarteilchen, die zu den grundlegendsten Bausteinen unseres Universums gehören. In der Wissenschaft werden sie oft als "Geisterteilchen" bezeichnet. Der Grund: Sie besitzen fast keine Masse und tragen keine elektrische Ladung. Das führt dazu, dass sie fast überhaupt nicht mit normaler Materie interagieren.
NANO vom 14. Mai: Die weltweit genauste Waage soll eines der Rätsel der Physik lösen. Haben Neutrinos eine Masse - und wenn ja, wie viel? Die Messung könnte unser Weltbild verändern.
14.05.2025 | 28:04 minSie fliegen einfach durch alles hindurch. Während Sie diesen Satz lesen, strömen Milliarden von Neutrinos pro Sekunde völlig unbemerkt durch Ihren Körper, die Erde und ganze Planeten, ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen.
Harald Lesch über die kosmischen Geisterteilchen
"Durch deinen Daumennagel gehen pro Sekunde so viele Neutrinos wie es Sterne in der Milchstraße gibt: 100 Milliarden", sagt ZDF-Wissenschaftsexperte Harald Lesch. "Das ist die Voraussetzung dafür, das wir sein können", so der Astrophysiker. Ohne Neutrinos würde die Sonne nicht scheinen.
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Woher kommen die Neutrinos?
Die Teilchen entstehen bei extrem energiereichen Prozessen im Kosmos, etwa im Inneren unserer Sonne bei der Kernfusion. Oder bei Sternenexplosionen (Supernovae) und in der Umgebung von Schwarzen Löchern.
Warum ist die Entdeckung von Francis Halzen so wichtig?
Da die "Geisterteilchen" fast unsichtbar durch alles hindurchfliegen, ist ihr Nachweis extrem schwer. Francis Halzen leitete deshalb den Bau des gigantischen Detektors "IceCube" am Südpol - ein riesiger, mit Sensoren bestückter Eiswürfel von einem Kubikkilometer Größe tief im Antarktis-Eis. Prallt dort doch einmal ein seltenes Neutrino auf ein Atom, entsteht ein winziger Lichtblitz.
Mit dieser Methode begründete Halzen die Neutrino-Astronomie: Statt mit normalem Licht können Forschende das Weltall nun durch diese Teilchen beobachten und so die extremsten, unsichtbaren Orte des Kosmos erforschen. Halzen wurde 1944 im belgischen Tienen geboren. 1969 promovierte er an der Katholischen Universität Leuven und forscht heute an der Universität von Wisconsin in Madison.
- Medizin: Karl Deisseroth (USA), Peter Hegemann und Georg Nagel (beide Deutschland)
Die weiteren Vergabetermine:
- Physik: Francis Halzen
- Chemie: Mittwoch, 07.10.
- Literatur: Donnerstag, 08.10.
- Frieden: Freitag, 09.10.
- Wirtschaftswissenschaften: Montag, 12.10.
Medizin-Nobelpreis für Forscher aus Deutschland und den USA
Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte.
Physik als erste Kategorie im Testament von Alfred Nobel
Die Nobelpreise gehen auf den Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Er legte in seinem Testament fest, dass diejenigen mit den Preisen ausgezeichnet werden sollten, die der Menschheit im vergangenen Jahr in den einzelnen Preiskategorien den größten Nutzen erwiesen haben. Die Physik war dabei die erste Kategorie, die Nobel in seinem Testament erwähnte.
Erster Physik-Nobelpreisträger ist 1901 der Deutsche Wilhelm Conrad Röntgen für seine Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen gewesen. Überreicht werden die Nobelpreise traditionell an Nobels Todestag, dem 10. Dezember.
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