Stellenabbau bei Firmen für Autoteile:Schaeffler-Schließungen: Darum sind Zulieferer unter Druck
von Lennart Beck, Richard Luttke und Theresa Stoll
Stellenabbau und Standortschließungen beim Autozulieferer Schaeffler. Wie die Entwicklung vom Verbrenner- zum Elektroantrieb das Unternehmen und die Branche belastet.
Die Krise der Autoindustrie und hohe Personalkosten setzen Schaeffler unter Druck. Der Zulieferer will weltweit über 3.000 Stellen streichen und vier Standorte in Deutschland schließen.
03.11.2026 | 1:35 minDer Autozulieferer Schaeffler will in Europa 3.460 Stellen streichen, davon rund 2.660 in Deutschland. Vier deutsche Standorte sollen schließen: Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach. Ein Großteil der 385 Beschäftigten in Schwalbach soll nach Frankfurt wechseln; insgesamt entfallen dort rund 190 Stellen. Auch ein Werk in Belgien soll schließen.
Einsparungen von 300 Millionen Euro geplant
Ab 2030 will Schaeffler jährlich rund 300 Millionen Euro einsparen. Einmalig rechnet der Konzern mit etwa 480 Millionen Euro Kosten; umgesetzt werden soll das Stellenabbau-Programm bis 2028.
Die IG Metall kritisiert die Einschnitte. "Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind", sagt Gewerkschaftsvertreter Thomas Höhn gegenüber Reuters.
Antriebswende und komplexe Strukturen
Als Gründe nennt Schaeffler die sinkende Nachfrage nach Verbrennerkomponenten, den verzögerten Hochlauf der Elektromobilität und eine komplexe Organisation. Autoexperte Christoph Stürmer sieht zwei Probleme:
Das Verbrennergeschäft schrumpft, während das Elektrogeschäft die Rückgänge noch nicht ausgleicht.
Autoexperte Christoph Stürmer
Zudem sei Schaeffler durch Übernahmen von Marken gewachsen, ohne alle Unternehmen konsequent zu integrieren. So entstanden parallele Verwaltungs- und Vertriebsstrukturen - etwa rund um die Marken INA, FAG und LuK. "Da ist es besser, vereinheitlichte Strukturen zu haben, um auch intern Synergien nutzen zu können", sagt Stürmer.
Hohe Fixkosten und geringe Auslastung
Auch der politische Rahmen sorgt für Unsicherheit im Übergang zum E-Antrieb. Bis 2035 sollen die CO₂-Emissionen neuer Pkw nach geltendem Recht auf null sinken. Die Kommission hat allerdings eine Lockerung auf 90 Prozent vorgeschlagen. Wie lange Verbrenner somit noch verkauft und produziert werden, ist unklar.
Die schlechte Lage der deutschen Autobranche trifft sowohl Autohersteller als auch Autozulieferer. In Baden-Württemberg treffen sich Zulieferer, um über die Probleme zu sprechen.
21.10.2026 | 1:34 minDie jüngsten Zahlen des Konzerns zeigen: In den ersten neun Monaten 2026 sank der Umsatz der verbrennernahen Sparte Powertrain & Chassis währungsbereinigt um 4,6 Prozent. E-Mobility steigerte den Umsatz um 4,6 Prozent, schrieb aber weiterhin 571 Millionen Euro Verlust.
Warum ganze Werke schließen
Stürmer verweist auf hohe Fixkosten in den hochautomatisierten Fabriken. Nach seiner Einschätzung müssen solche Werke zu etwa 80 Prozent ausgelastet sein, um profitabel zu arbeiten. Sinkt die Auslastung darunter, könne es wirtschaftlicher sein, ganze Fertigungslinien zu schließen und die Produktion auf andere Standorte zu verteilen.
Die schwächelnde deutsche Autoindustrie setzt auf unterschiedliche Lösungen: BMW etwa auf ein großangelegtes Abfindungsprogramm, Audi auf ein umstrittenes neues Werk in den USA.
30.10.2026 | 1:34 minStellenabbau bedeute laut Stürmer nicht automatisch ebenso viele Entlassungen: "Ob die Personen, die heute auf diesen Stellen sitzen, tatsächlich das Unternehmen verlassen müssen oder ob sie eben umgeschult werden können - das ist ja überhaupt nicht gesagt." Schaeffler will einen Teil der Stellen durch neue Jobs kompensieren; eine Garantie ist das allerdings nicht.
Neue Geschäftsfelder Robotik und Verteidigung
Schaeffler ist keineswegs der erste Zulieferer, der Stellen abbaut. Auch Bosch, ZF und Mahle haben Stellenkürzungen angekündigt. Ende des ersten Halbjahres 2026 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 5,8 Prozent weniger Menschen in der Automobilindustrie als ein Jahr zuvor.
Die Abkehr vom Verbrenner-Aus dürfe jetzt nicht dazu führen, dass die Industrie das Tempo bei der E-Mobilität drossele, sagt Auto-Experte Stefan Bratzel.
17.10.2026 | 4:06 minAls Chance sieht Stürmer Schaefflers Industriegeschäft - etwa Lager- und Antriebstechnik für Maschinenbau, Energie und Transport.
Schaeffler setzt zudem auf Robotik und Verteidigung. Bis 2032 will der Konzern schätzungsweise 1.000 bis 2.000 humanoide Roboter in eigenen Werken einsetzen und Komponenten liefern. Stürmer sieht darin Chancen, die Volumina seien aber noch gering. Ob neue Geschäftsfelder den Rückgang im klassischen Autozuliefergeschäft ausgleichen, bleibt offen.
Mehr zur Autoindustrie
Porsche, China-Geschäft und Konzernumbau:Volkswagen meldet Mega-Verlust von 5,82 Milliarden Euro
mit Video2:00Suche nach Wegen aus der Krise:Autozulieferer im Umbruch: "Abwarten ist keine Option"
von Laura Ozdoba und Jasmin Astaki-Bardehmit Video1:34Obergrenze vereinbart:Hybridautos: EU halbiert Import aus China
mit Video0:23Mehr E-Autos, weniger Steuern:E-Auto-Boom kostet den Staat Milliarden an Steuereinnahmen
von Frank Bethmannmit Video0:36