Standort-Schließungen: Curevac wirft Biontech "Täuschung" vor

Corona-Impfstoff-Engpass durch Rückzug?:"Getäuscht": Curevac-Gründer attackiert Biontech

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Biontech schließt nicht nur eigene Standorte, sondern auch des übernommenen Konkurrenten Curevac. Der spricht von "Täuschung". Zudem wird vor Engpässen bei Impfstoffen gewarnt.

SGS Gause Barrett

Der Impfstoffhersteller Biontech will mehrere Produktionsstandorte schließen. Bis zu 1.860 Stellen könnten davon betroffen sein. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett ordnet ein.

05.05.2026 | 1:46 min

Nach der Übernahme des Biotechunternehmens Curevac durch Biontech wirft Curevac-Gründer Ingmar Hoerr dem Konkurrenten Täuschung vor. Hintergrund sind die Schließungspläne von Biontech für den Standort Tübingen kurz nach der Übernahme.

"Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von Curevac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird", sagte Hoerr der Deutschen Presse-Agentur.

Curevac: "Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen"

Es war laut Hoerr vereinbart, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchtet.

Und das wurde jetzt über den Haufen geschmissen. Dadurch sind alle nachweislich getäuscht worden. Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen.

Ingmar Hoerr, Curevac-Gründer

Hoerr vermutet hinter dem Vorgehen, dass Biontech Patentstreitigkeiten mit Curevac umgehen wolle. "Die Investoren haben sich mit Versprechungen einlullen lassen. Das könnte Biontechs Strategie von Anfang an gewesen sein."

Ein Arzt zeigt auf ein Röntgenbild einer von Krebs befallenen Lunge.

BNT327 – der sperrige Name für die Hoffnung, für das mögliche neue Krebsmedikament. Es wird derzeit getestet in mehreren Studien. Besonders weit ist die Forschung bei Lungenkrebs.

08.09.2025 | 2:24 min

Biontech will 1.860 Stellen streichen

Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci hatten im März bekanntgegeben, Biontech verlassen und eine neue Firma gründen zu wollen. Die Eheleute kündigten an, spätestens Ende 2026 auszuscheiden. In dem neuen Unternehmen möchten sich die beiden Mediziner der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen, hieß es. 

Das Management von Biontech will mehrere Standorte schließen - darunter auch Einrichtungen von Curevac. Nach Angaben des Unternehmens sind rund 820 frühere Curevac-Beschäftigte betroffen. Der Tübinger Standort soll bis Ende 2027 aufgegeben werden.

Die Biontech-Führung begründet die Pläne mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen. Ebenfalls geschlossen werden sollen die Biontech-Produktionsstätten in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur. Insgesamt könnten bis zu 1.860 Stellen von den Plänen betroffen sein, hieß es aus der Zentrale in Mainz.

Özlem Türeci und Ugur Sahin

Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen bis Ende 2026 das Unternehmen Biontech. Beide werden sich aus der Führung zurückziehen und sich in Zukunft auf mRNA-Forschung konzentrieren.

10.03.2026 | 0:24 min

Institut warnt vor Impfstoff-Engpässen

Auch der Rückzug des Unternehmens aus der Impfstoffproduktion in Deutschland sorgt für Kritik. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, sagte der Nachrichtenagentur Reuters:

Wir haben in der Covid-Pandemie gesehen, dass eine rein betriebswirtschaftliche Wahl von Produktionsstätten für Impfstoffe im Krisenfall zu Versorgungsengpässen führen kann.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)

Die Bundesregierung sollte daher prüfen, ob auch ohne die Biontech-Produktionsstätten im Krisenfall ausreichend Kapazitäten für Impfstoffe in Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten verfügbar seien. "Wenn dies nicht der Fall ist, sollte sie mit industriepolitischen Maßnahmen wie Subventionen oder Buy-European-Vorschriften für die Krankenversicherungen dafür sorgen, dass Produktionskapazitäten für strategische Güter wie Impfstoffe ausreichend in Deutschland und den Nachbarländern vorgehalten werden", sagte Dullien.

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Quelle: dpa, Reuters
Über das Thema berichtete das ZDF heute journal in folgendem Beitrag: "Wirtschaftsgespräch: Biontech plant Einparungen" am 05.05.2026 ab 21:45 Uhr.

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