Debatte nach Verzicht von Raimund:Wer schützt die Skispringer, wenn nicht sie selbst?
Wind-Chaos beim Skisprung-Weltcup in Oslo: Philipp Raimund entscheidet, nicht zu springen - und bekommt viel Zuspruch. Die Jury muss sich nun Kritik gefallen lassen.
Skispringer Philipp Raimund entscheidet sich bei unberechenbaren Wetterverhälnissen in Oslo aus Sicherheitsbedenken nicht zu springen.
Quelle: action pressAuch am Tag danach war Philipp Raimund felsenfest überzeugt, richtig gehandelt zu haben. "Ich habe an meine Freundin gedacht. Sie sagt immer, das Wichtigste sei meine Sicherheit", sagte der Skisprung-Olympiasieger über seinen Startverzicht am windumtosten Holmenkollen.
Dass sich der Oberstdorfer in Oslo als einziger von 50 Startern aktiv der Jury-Linie entgegenstellte, wirft allerdings die Frage auf: Wer schützt die Springer, wenn nicht sie selbst?
Der Skisprung-Weltcup in Oslo endete im Windchaos. Bei bedenklichen Bedingungen ging Olympiasieger Philipp Raimund nicht an den Start. Der Wettkampf wurde erst nach dem 1. Durchgang abgebrochen.
16.03.2026 | 1:21 minHaarsträubende Verhältnisse am Holmenkollen
Am Holmenkollen jedenfalls wurde bei haarsträubenden Windgeschwindigkeiten gesprungen. Zwei Wochen vor Ende einer Weltcup-Saison, in der Domen Prevc längst als Gesamtsieger feststeht, in der es sportlich um wenig, aber um die Gesundheit der Sportler nach vier Schanzenmonaten geht.
Teilweise trudelten jene hilflos durch den düsteren norwegischen Himmel. Und nach einem Beinahe-Crash von Teamkollege Felix Hoffmann verkündete Raimund: "Den Scheiß mache ich nicht mit."
Das Weltcup-Skispringen der Männer von der Großschanze in Lahti/Finnland relive. Kommentator: Stefan Bier. Experte: Severin Freund. Moderation: Lena Kesting. Interviews: Andreas Kürten.
07.03.2026 | 95:43 minKritik an der FIS wird laut
Anders als Raimund, der dafür viel Respekt kassierte, waren alle anderen erst hinterher schlauer. Er müsse jetzt auch mal den Weltverband FIS kritisieren, sagte Österreichs Chefcoach Andreas Widhölzl im ORF, weil dieser "mit aller Gewalt einen Durchgang durchdrücken wollte, damit das Ergebnis dasteht, und eigentlich auf die Sicherheit der Athleten ein bissl geschissen wird".
Es war teilweise wirklich gefährlich. Das müssen wir so hinnehmen, aber cool war es nicht.
Österreichs Chefcoach Andreas Widhölzl im "ORF"
Philipp Raimund hat die zweite Olympia-Medaille deutlich verpasst. Auf der Großschanze sprang der Olympiasieger von der Normalschanze auf den neunten Platz. Gold gewann Favorit Domen Prevc.
14.02.2026 | 3:13 minNur wenige Sportler entscheiden sich gegen einen Sprung
Müssen erfahrene Sprungexperten wie Widhölzl hinnehmen, wenn ihren Sportlern Gefahr droht? "Wir sind ohne Sturz durchgekommen, was für uns immer das Wichtigste ist", sagte FIS-Skisprungchef Sandro Pertile.
"Wir wussten, dass eine schlechte Front in der Nähe der Schanze ist", so Pertile weiter, "aber wir haben in der Jury gute Leute." So verließ sich jeder auf den anderen. Die Trainer auf die Jury, die Jury auf das Können der Springer und die Springer auf die Trainer.
"Wenn der Trainer winkt und freigibt, passt es eigentlich", sagte Hoffmann in der ARD: "Nach dem Sprung hätte ich es wahrscheinlich gerne so gemacht wie der Philipp." Hätte er ja auch machen können, meinte Pertile:
Wir drängen niemals einen Athleten, zu springen, das ist allein ihre Entscheidung.
FIS-Skisprungchef Sandro Pertile
Heißt im Umkehrschluss: Geht es schief, ist der Springer schuld. Die Entscheidungslast auf teils sehr junge Springer abzuwälzen, ist heikel in einer durchaus gefährlichen Sportart. Für einen Sportler sei es "viel schwerer, runterzugehen als runterzuspringen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher.
Nicht alle besitzen das Selbstbewusstsein wie Raimund oder auch die Ex-Stars Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal, die sich 2013 in Klingenthal bei ähnlichen Bedingungen verweigerten.
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