Verstorbener Biathlet Sivert Bakken:Ein Todesfall und noch viele offene Fragen
von Stephan Klemm
Nach dem plötzlichen Tod des Biathleten Sivert Bakken soll es noch Wochen dauern, ehe das Ergebnis der Obduktion vorliegt. Team Norwegen ist darüber sehr verwundert.
Ein Bild des verstorbenen norwegischen Biathleten Sivert Bakken bei einer Gedenkminute am vergangenen Weltcup-Wochenende in Oberhof.
Quelle: dpaZwei Sieger hatten die drei Männer-Rennen im Biathlon am langen Weltcup-Wochenende von Oberhof, und sie hatten jeweils einen Bezug zu der Person, die für immer fehlen wird. Tommaso Giacomel aus Sterzing in Südtirol gewann den Sprint sowie die Verfolgung und Team Norwegen schließlich zum Abschluss am Sonntag die Staffelentscheidung.
In beiden Fällen gedachten die Sieger des verstorbenen norwegischen Weltklasse-Zweikämpfers Sivert Guttorm Bakken, der am 23. Dezember tot in seinem italienischen Hotelzimmer aufgefunden worden war.
Große Emotionen im ersten Rennen nach dem Tod von Sivert Guttorm Bakken: Sieger Tommaso Giacomel war ein sehr guter Freund des Norwegers.
08.01.2026 | 0:15 minEmotionale Erinnerung an Bakken in Oberhof
Das norwegische Team führte der Schlussläufer Vetle Sjastad Christiansen zum Erfolg. Nach der Passage der Ziellinie klopfte er sich auf die Brust und hob seinen rechten Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Luft. Seinen Kopf legte er dabei nach hinten und blickte nach oben - ein Gruß für den verstorbenen Freund.
Als Vierte wurden kurz darauf Giacomel und Team Italien gewertet. Giacomel war einer der besten Freunde des Verstorbenen. Am vergangenen Mittwoch erklärte er noch, wie schwer es für ihn sei, das gewohnte Pensum aus Laufen und Schießen wegen seiner tiefen Trauer hinzubekommen.
Das erste Rennen nach Sivert Bakkens Tod steht im Zeichen der Trauer. Den Biathlon-Sprint in Oberhof gewinnt Tommaso Giacomel, der ein besonders freundschaftliches Verhältnis zu Bakken hatte.
08.01.2026 | 2:17 minSieger Giacomel erinnert an seinen Freund
Am Donnerstag aber gewann Giacomel - und jubelte wie Christiansen mit ausgestrecktem, in den Himmel gereckten rechten Arm, um den ein Trauerflor gespannt war.
Hinter der Ziellinie fiel er Johannes Dale-Skjevdal um den Hals, dem norwegischen Tagesdritten. Tränen flossen bei beiden. Giacomel empfand es als surreal, gewonnen zu haben, er sagte mit stockender Stimme:
Es ist einer meiner besten Tage im Biathlon und gleichzeitig ist es einer meiner schlechtesten, weil Sivert nicht mehr da ist.
Tommaso Giacomel, Biathlet
Todesfall in Oberhof allgegenwärtig
Oberhof war die erste Weltcup-Station nach Bakkens Ableben. Das Unglück war seit dem Beginn der Wettkämpfe allgegenwärtig in der Arena am Rennsteig. Beim Sprintrennen am Donnerstag erhielt Bakken sogar die symbolische Startnummer eins.
Am Montag reiste das norwegische Team von Oberhof gleich nach Lillehammer weiter. Dort steht am Dienstag ab 11 Uhr die Trauerfeier für Bakken an, anschließend wird er dort beerdigt. Die Norweger fliegen noch am Dienstagabend zurück nach Deutschland, denn schon am Mittwoch beginnt in Ruhpolding die nächste Weltcup-Woche (ab Mittwoch live im ZDF).
Die deutsche Frauen-Staffel rettet beim Biathlon-Weltcup in Oberhof einen Podestplatz. Lange Gesichter dagegen bei den Männern, die in der Verfolgung arg patzen.
10.01.2026 | 1:36 minBakkens Obduktionsergebnis soll erst im März vorliegen
In Oberhof standen allerdings auch Fragen im Raum. Die norwegischen Biathleten hielten sich vor Weihnachten in der Höhe von Lavazé in Italien auf, um zu trainieren. Besonders bizarr erscheint die Tatsache, dass die Ergebnisse der abgeschlossenen Obduktion erst Anfang März vorliegen sollen, neun Wochen nach dem Todestag.
Uns wurde mitgeteilt, dass die ermittelnden italienischen Stellen alle Daten sehr sorgfältig auswerten, was eben eine solch lange Zeit in Anspruch nimmt.
Norwegens Teamsprecher Halvor Lea
Man wolle gleichwohl so schnell wie möglich wissen, was zu Bakkens Tod geführt habe, um auch emotional mit dieser Causa abschließen zu können, sagte Norwegens Teamsprecher Halvor Lea gegenüber ZDFheute.
Vieles noch ungeklärt in der Causa Bakken
Bekannt war, dass Bakken wegen einer 2022 diagnostizierten Herzmuskelentzündung zwei Jahre pausieren musste. Und dass er zum Zeitpunkt seines Todes eine Höhenmaske trug. Mit einem solchen - legal einsetzbaren - Gerät soll Höhentraining simuliert werden, um die Produktion der roten Blutkörperchen zu erhöhen.
Der Gebrauch verwunderte in diesem Fall auch deshalb, weil der Todesort Lavazé bereits auf einer Höhe von 1.800 Metern liegt. Bakkens Maske soll nach Angaben der norwegischen Zeitung "VG" eine Höhe von 7.000 Metern simuliert haben. Das entspricht der sogenannten Todeszone im Himalaya. Das norwegische Team verbot nun zunächst "bis auf Weiteres" diese Maßnahme.
Vieles ist also weiterhin ungeklärt und rätselhaft in der Causa Bakken. Doch der Biathlon-Tross mit Team Norwegen und Giacomel reist geschäftig weiter. Ruhpolding wartet.
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