Aufstiegsreform für 3. Liga gescheitert:Warum die neue Regionalliga-Saison mit Protesten beginnt
In der ersten Spielminute der neuen Regionalliga-Saison soll der Ball ruhen. Die Vereine wollen damit gegen die aus ihrer Sicht unfaire Aufstiegsregeln protestieren.
Meisterschaft heißt Aufstieg – unter anderem für die Regionalliga Nordost gilt das nicht. Für die Klubs ist das nicht nur eine sportliche und finanzielle Frage, sondern eine der Gerechtigkeit.
29.06.2026 | 1:41 minMehr als 95 Prozent der Klubs streben beim Aufstiegsmodus in die dritte Fußball-Liga eine Veränderung an. Doch auf eine gemeinsame Lösung können sie sich nicht einigen: Auch in den nächsten Saisons werden nicht alle Viertliga-Meister aufsteigen.
Die monatelang durch eine Expertengruppe vorbereitete Abstimmung ging Ende Juni ohne einstimmiges Ergebnis aus. Was vorerst bleibt, sind Misstrauen, Ärger und der nächste Anlauf im zähen Ringen um eine Lösung des Problems.
Vier Drittliga-Absteiger, fünf Regionalligen
Der Hintergrund des Unmuts: In Deutschland gibt es fünf Regionalligen, in der dritten Liga aber nur vier Absteiger. Während die Meister der Regionalliga West und Südwest direkt aufsteigen, verteilen sich die beiden übrigen Aufstiegsplätze auf die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern.
Ein Meister aus Nord, Nordost und Bayern steigt nach einem jährlichen Rotationssystem direkt auf, den vierten Startplatz spielen die beiden übrigen Meister in Aufstiegsplayoffs mit Hin- und Rückspiel aus.
So hatte Lok Leipzig jüngst zum dritten Mal als Meister der Nordost-Staffel den Aufstieg in Liga 3 verpasst. Die hitzig diskutierte Thematik wird an diesem Wochenende, wenn die erste Regionalliga-Staffel in die Saison 2026/27 startet, erneut aufkommen.
Ball bleibt aus Protest in 1. Spielminute ruhen
Wie Tommy Haeder, der Pressesprecher der Aufstiegsreform-Initiative und zugleich Geschäftsführer des Chemnitzer FC, verkündete, wollen alle Vereine am 1. Spieltag den Ball in der ersten Spielminute ruhen lassen - aus Protest. Denn nach der vorerst gescheiterten Reform Ende Juni ist die Situation aus Sicht vieler Vereine weiterhin unerträglich.
Es brodelt in der vierthöchsten Spielklasse. Während der Nordosten eine Reform der Aufstiegsregelung fordert, häufen sich im Westen die Klub-Pleiten. Macht das jetzige System überhaupt noch Sinn?
17.04.2025 | 16:21 minSeit Jahren versuchen Funktionäre, Klubs und Verbände, durch eine Reform Einheitlichkeit zu schaffen. Das Ziel: Alle Meister müssen aufsteigen. Der Initiative Aufstiegsreform 2025 haben sich 77 Klubs von der Bundesliga bis zur Oberliga angeschlossen. Doch keines der Modelle für eine Ligenreform zur Saison 2028/29 fand eine Mehrheit.
Kompass- oder Regionenmodell? Diese Vorschläge gibt es
Im Westen, Norden und Nordosten favorisierten die Klub-Verantwortlichen das Kompassmodell, das vier Staffeln aufgrund der Entfernungen vorsieht.
Im Südwesten stimmte die klare Mehrheit für das Regionenmodell, nach dem zwei Staffeln aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern gebildet würden, die Regionalligen West und Südwest würden in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben. In Bayern sprach sich eine knappe Mehrheit für die Ausarbeitung neuer Modelle aus.
Vor der Abstimmung hatte es zudem Aufregung um eine kurzfristige Änderung im von vielen Klubs favorisierten Kompassmodell gegeben. Nach der Abstimmung erklärte der Norddeutsche Fußball-Verband:
Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommenden Wochen erneut dafür starkmachen, dass ein gerechtes Modell gefunden wird, welches Aufstiegsspiele zur 3. Liga überflüssig macht.
Uwe Döring, Vizepräsident des Norddeutschen Fußball-Verbands
Wie es nun weitergeht, ist offen. Am Wochenende startet auch die Regionalliga Bayern in die neue Saison, in den kommenden Wochen folgen die Staffeln Nord, West und Südwest. Und auch wenn der Unmut bei den Klubs weiterhin groß ist - Lok Leipzig dürfte alles daran setzen, im Frühjahr den Titel-Hattrick zu feiern. Denn der Meister der Regionalliga Nordost steigt im kommenden Jahr definitiv auf.
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