Costa stiehlt Ronaldo die Show:Der Super-Stürmer im Schatten des Torwarts
von Frank Hellmann
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Am Ende jubelt Portugals Superstar doch: Cristiano Ronaldo hätte im EM-Achtelfinale die tragische Figur werden können, wäre nicht Diogo Costa in die Heldenrolle geschlüpft.
Den letzten Vollsprint ersparte sich Cristiano Ronaldo. Gemächlich wie ein älterer Herr bei seiner Joggingrunde am Mainufer lief der Superstar nach dem Achtelfinale der Fußball-EM über den strapazierten Rasen der Frankfurter Arena, wo die Mitspieler längst den Kollegen Diogo Costa feierten.
Torwart Diogo Costa ist der Superheld der Selecao
Um 23.43 Uhr bildete sich vor der Osttribüne der Frankfurter Arena das Beweisbild, dass auch Portugals Nationalmannschaft nicht immer nur um eine Sonne kreist. Der Torwart war anstelle des Torjägers mal der Superheld der Seleção.
Beim hochspannenden, aber nie hochklassigen EM-Achtelfinaldrama gegen Slowenien (3:0 im Elfmeterschießen) hatte der zuvor arg unterbeschäftigte Keeper Costa nacheinander die Versuche von Josip Ilicic, Jure Balkovec und Benjamin Verbic tollkühn abgewehrt. Entsprechend euphorisch fiel das Fazi des Teufelskerls hinterher aus:
Das was das beste Spiel meines Lebens. Ich bin einfach meinem Instinkt gefolgt.
Diogo Costa
Der 24-Jährige, wie so viele portugiesische Nationalspieler in der Jugendakademie des FC Porto großgezogen, ermöglichte damit im Viertelfinale den Klassiker zwischen Portugal und Frankreich. Hamburg freut sich auf die Neuauflage des EM-Finals von 2016 (Samstag 21 Uhr), wobei nicht so klar ist, ob wirklich ein Spektakel herauskommt. Aber allein Costa hatte den unrühmlichen Abschied der Altstars Pepe und Ronaldo verhindert.
Sesko vergibt die große Chance für Slowenien
Der schon 41 Jahre alte Abwehrmann Pepe hatte mit einem Aussetzer dem slowenischen Torjäger Benjamin Sesko die Riesenchance zur Entscheidung auf dem Silbertablett serviert, doch der Stürmer von RB Leipzig vergab fast kläglich (115.).
- Der EM-Spielplan
- Statistik zu Portugal - Slowenien
Davor hatte der 39-jährige Ronaldo per Elfmeter die Führung liegengelassen, weil der überragende slowenische Schlussmann Jan Oblak rechtzeitig abtauchte (105.). Direkt danach vergoss der Rekordtorjäger erste Tränen, trat aber trotzdem im Elfmeterschießen als Erster an. Als der Ball ins Netz sauste, hob "CR7" entschuldigend die Hände.
Nach seinem in der Verlängerung verschossenen Elfmeter konnte Portugals Cristiano Ronaldo seine Emotionen nicht zurückhalten. Später trat er erneut vom Punkt an - und traf.
02.07.2024 | 0:11 minDiogo Costa hilft dem Kapitän gerne
Großes Kino unter dem Videowürfel der Arena, in der der Superstar später ausrichtete: "Zuerst war ich wahnsinnig traurig, aber jetzt bin ich sehr glücklich. So ist der Fußball nun mal." Ronaldo versuchte seine Tränen zu erklären: "Es gibt Augenblicke, die man nicht erklären kann, wo die Leidenschaft einfach durchgeht."
Ich habe es erst nicht geschafft und den Elfmeter verschossen. Das war sehr traurig für mich. Das passiert mir selten. Deshalb habe ich auch weinen müssen. Dann dreht sich das Schicksal und das Glück.
Cristiano Ronaldo
Manchmal braucht es dafür einen 15 Jahre jüngeren Kollegen zwischen den Pfosten, der seinem Kapitän gerne unter die Arme griff. "Auch Cristiano kann Fehler machen. Wir wussten, dass wir weiter an uns glauben müssen", sagte sein Retter mit der kurzen Reaktionszeit: "Wenn man hart arbeitet, erntet man auch die Früchte. Cristiano arbeitet am härtesten von allen. Es ist eine Ehre für mich, mit ihm in einer Mannschaft zu spielen."
Es ist eine Debatte mit vielen Facetten, ob die in Saudi-Arabien kickende Ikone wirklich Hilfe oder Hemmschuh ist. Auf niemand fliegen so viele Flanken wie auf den meist in der Mitte lauernden Modellathleten. Anders als früher hat er eben keine Sprungfedern mehr unter den Füßen. Und wenn bei seinen Freistößen die Kugel knapp über die Latte zischt oder ein Torwart einfach stehen bleibt, ist er einem wichtigen Stilmittel beraubt. Bei seinem einzigen Tiefenlauf zielte Portugals Nationalheiliger zu schlecht, um Sloweniens Klassemann Oblak zu überwinden (89.).
Akkus der portugiesischen Stars offenbar leer
Die Anhänger in den roten Jerseys stöhnten unter dem geschlossenen Faltdach mehrfach auf, weil sich die edlen Techniker der falschen Mittel bedienten. Die Schlüsselspieler aus der Premier League sind überspielt: Bruno Fernandes von Manchester United und Bernardo Silva von Manchester City müssten kraft ihrer spielerischen Qualität die Überraschungsmomente kreieren, doch ihre Akkus scheinen leer.
Und weil der hoch gehandelte Rafael Leão das ganze Turnier wie ein unerfülltes Versprechen auftritt, hakt es an zu vielen Stellen. Das alles nur auf Ronaldo zu schieben, wäre deutlich zu billig. Der blickte hinterher gleich voraus: "Wir sind durch, wir haben hart arbeiten müssen, es ganz gut geschafft. Glückwunsch auch an Diogo Costa, der drei Elfmeter gehalten hat." Hörte sich bei Cristiano Ronaldo alles in allem mal so an, als wolle einer schnell das Rampenlicht zurück.
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