Baby-Nahrung: Warum Mütter möglichst sechs Monate stillen sollten

FAQ

Erstmals Leitlinie in Deutschland:Warum Mütter möglichst sechs Monate stillen sollten

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Deutschland führt erstmals eine Leitlinie zur Stilldauer ein. Sie orientiert sich an den positiven Effekten des Stillens - für Baby und Mutter. Das Wichtigste im Überblick.

Sachsen, Leipzig: Eine Mutter stillt ihr Baby in einem ruhigen Moment zu Hause.

Die World Health Organisation rät zur Ernährung von Babys nun auch in Deutschland zu einer Stillzeit von sechs Monaten. Dadurch soll unter anderem die Wahrscheinlichkeit für Asthma reduziert werden.

20.02.2026 | 0:23 min

Deutschland hat erstmals eine Leitlinie zum Stillen vorgestellt. Demnach sollen Babys nach Möglichkeit "bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend gestillt werden". Die Leitlinie gilt für sogenannte reifgeborene Babys - also alle Kinder, die nicht als Frühgeburt zur Welt kommen.

Was hinter der Leitlinie steckt und welche positiven Effekte das Stillen hat - ein Überblick.

Was steht konkret in der Leitlinie zum Stillen?

Deutschland folgt mit der Leitlinie einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dabei empfiehlt die WHO nicht nur, sechs Monate ausschließlich oder überwiegend zu stillen. Auch nach der Einführung der Beikost solle nach Möglichkeit bis zu zwei Jahre oder darüber hinaus gestillt werden.

  • Unter ausschließlichem Stillen wird die Ernährung ohne die zusätzliche Gabe von Flüssigkeiten, Flaschennahrung oder Beikost verstanden.
  • Beim überwiegenden Stillen werden zusätzlich Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee gegeben.
  • Als Beikost wird alles bezeichnet, was Babys zusätzlich zur Muttermilch erhalten - also beispielsweise Breikost.


In der neuen deutschen Leitlinie heißt es dazu: "Die Gesamtstilldauer für reifgeborene Kinder soll mindestens zwölf Monate betragen." Das Gremium habe sich unter anderem wegen der günstigeren Studienlage auf die zwölf Monate fokussiert, erklärte Regina Ensenauer, Vorsitzende der Nationalen Stillkommission und Koordinierende der Leitlinie. Die Frage, welche Effekte 24 Monate Stilldauer haben, sei für die Leitlinie nicht gestellt worden.

Die Empfehlungen wurden aus einer großen Zahl von Beobachtungsstudien zu verschiedenen Gesundheitseffekten bei Kind und Mutter abgeleitet.

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Welche positiven Effekte hat das Stillen laut der Studien?

Beobachtungsstudien belegen einen statistischen, aber keinen ursächlichen Zusammenhang. Entsprechend vorsichtig werden die anzunehmenden Positiveffekte in der Leitlinie formuliert.

Demnach gibt es Anhaltspunkte, dass ausschließliches Stillen für sechs Monate und eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten beim Baby...

  • das Risiko für Mittelohr-Entzündungen, Darminfektionen und Asthma vermindert
  • sowie das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verringert.

Als uneinheitlich wird die Studienlage bei Übergewicht und Adipositas bewertet. Bei Effekten wie diesen gebe es andere Faktoren, die die Ausprägung mitbestimmten, erklärte Ensenauer - hier zum Beispiel die Ernährung im weiteren Kindheitsverlauf.

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Der Leitlinie zufolge gibt es auch Anhaltspunkte dafür, dass eine kürzere Gesamtstilldauer und Nicht-Stillen das Risiko für Fehlstellungen der Zähne erhöhen können. Beim Saugen an der Brust werden demnach Muskeln im Mund-, Gesichts- und Rachenbereich stärker gefordert als beim Saugen an der Flasche, was die Entstehung von Zahn- und Kieferfehlstellungen beeinflussen kann.

Positive Effekte gibt es zudem wohl auch auf die mütterliche Gesundheit, etwa, was die Gewichtsreduktion nach der Schwangerschaft und die Risiken für Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 angeht.

Wie ist die Leitlinie einzuordnen?

Es handelt sich um eine sogenannte S3-Leitlinie - die erste zur Stilldauer in Deutschland überhaupt. Eine S3-Leitlinie ist die höchste Stufe wissenschaftlich basierter, medizinischer Leitlinien hierzulande. Die Leitlinie soll eine einheitliche Stillberatung und Stillförderung durch die verschiedenen Berufsgruppen wie Hebammen und Frauenärzte ermöglichen. Die bisherige Handlungsempfehlung für Deutschland lautete, in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich zu stillen.

Box mit Nüssen, Heidelbeeren und Quinoa-Salat
Junge trinkt Wasser
Müsli
Gemüse
Obst
Kinderhand
Kartoffeln
Nüsse
Käse
Süßigkeiten
Eine Frau verspeist genüsslich eine Erdbeere in ihrem Bett.

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Quelle: imago/Westend61

Die Empfehlungen gelten für reifgeborene und ausschließlich gesunde Kinder, da Studien, die Kinder mit bereits vorhandenen akuten oder chronischen Erkrankungen einschlossen, in der Leitlinie nicht berücksichtigt wurden. "Im Fall von vorliegenden Erkrankungen sollte daher individuell beraten werden", heißt es.

Erhöht die Leitlinie den Druck auf Frauen, stillen zu müssen?

"Leitlinien sind letztendlich Leitplanken, die das Handlungsspektrum darstellen sollen", sagte Michael Abou-Dakn vom St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, ein Autor der Leitlinie. Sie böten Hilfe für die Beratung - seien aber keineswegs verpflichtend. Die Frau habe immer die Wahl, frei zu entscheiden.

Die Empfehlung lasse Handlungsspielraum für Abweichungen, wenn die Situation der Mütter und Säuglinge dies erfordere, heißt es in der Leitlinie. Generell sei eine sensible Beratung essenziell, um Schuldgefühle bei Müttern zu vermeiden. Frauen, die kürzer oder länger stillen als empfohlen, dürften nicht stigmatisiert werden. "Sie dürfen nicht unter Druck gesetzt werden, weder zum Stillen noch zum Abstillen, noch dazu, vorzeitig Beikost zu geben," so Abou-Dakn.

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Wie viel wird in Deutschland gestillt?

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  • 68 Prozent der Säuglinge nach der Geburt ausschließlich gestillt wurden
  • 57 Prozent bis zum vollendeten zweiten Lebensmonat ausschließlich gestillt wurden
  • 40 Prozent bis zum vollendeten vierten Lebensmonat ausschließlich gestillt wurden und
  • 13 Prozent bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich gestillt wurden.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "WHO: Sechs Monate stillen empfohlen" am 20.02.2026 um 17:55 Uhr.

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