Lenacapavir: Sicherer Schutz vor HIV-Infektion durch Spritze

Lenacapavir zur Prävention von HIV:Mehr HIV-Infektionen trotz wirksamer Spritze zur Vorbeugung

von Thomas Förster

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Seit Jahren versuchen Forscher die HIV-Infektionen weltweit in den Griff zu bekommen. Bislang vergeblich. Warum auch der vorbeugende Wirkstoff Lenacapavir noch nichts daran ändert.

Spritze gegen HIV

Eine tägliche Tablette kann Risikogruppen vor HIV-Infektionen wirksam schützen. Doch wie steht es um die Versorgungslage und wann kommt die PrEP per Spritze?

01.12.2025 | 5:07 min

Weltweit infizieren sich jedes Jahr etwa 1,3 Millionen Menschen neu mit HIV. Rund 630.000 Menschen sterben noch immer an den Folgen der jahrzehntelangen HIV-Pandemie.

Nachdem die Zahlen auch durch die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie leicht gesunken waren, steigen sie nicht nur in einigen Regionen der Welt inzwischen wieder an, etwa in Osteuropa und im Nahen Osten, sondern laut Robert Koch Institut (RKI) auch in Deutschland.

Um die Zahl der Neuinfektionen spürbar zu senken, sehen HIV-Forscher wie Christian Gaebler von der Charité - Universitätsmedizin Berlin in Medikamenten zur Prävention eine große Chance.

Wenn wir das richtig anstellen, kann das dazu führen, dass keine Neuinfektionen mehr auftreten.

Prof. Dr. Christian Gaebler, Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin, Charité Berlin

Eine Ampulle mit Lenacapavir, dem neuen Wirkstoff zur HIV-Prävention, wird in eine Spritze aufgezogen.

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HIV-Therapie reduziert auch Infektionsrisiko

Seit Jahrzehnten gibt es Medikamente, die dem Körper nach einer Infektion mit HIV dabei helfen, das Virus in Schach zu halten und den Ausbruch von Aids zu verhindern. Bis in die 1990er Jahre hatten die Präparate starke Nebenwirkungen. Patienten starben sogar.

Heutige Therapien sind dagegen gut wirksam und haben nur wenige Nebenwirkungen. Die Medikamente können die Viruslast bis unter die Nachweisbarkeitsgrenze senken. Damit ist eine Infektion anderer Menschen nicht mehr möglich. Doch nur wo moderne Therapien verfügbar sind, stirbt bis auf wenige Ausnahmen keiner mehr an Aids.

Die Abkürzung HIV steht für Human Immunodeficiency Virus, das Virus, das das Immunsystem angreift und schwächt. Aids steht für Acquired Immunodeficiency Syndrome und bedeutet „erworbenes Immunschwächesyndrom“. Es handelt sich um das Krankheitsbild einer HIV-Infektion im fortgeschrittenen Stadium. Das Immunsystem ist durch das Virus so stark geschädigt, dass es Infektionen kaum noch bekämpfen kann. Erkrankungen wie eine Lungenentzündung können für die Betroffenen dann tödlich enden.


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Neuer Wirkstoff zur HIV-Prophylaxe

Gamechanger - so bezeichnen viele Experten Lenacapavir. Der Wirkstoff soll die Infektion mit HIV verhindern, ist also ein Medikament zur Vorsorge. Die sogenannte Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, muss nur zweimal im Jahr gespritzt werden.

Im Sommer 2024 wurden in Deutschland die ersten Studienergebnisse vorgestellt. Demnach schützte Lenacapavir Frauen mit einem erhöhten Infektionsrisiko zu 100 Prozent vor einer HIV-Infektion. Es gab keine einzige Neuinfektion. Christian Gaebler war bei der Präsentation der Zahlen dabei. Das Ergebnis war für ihn beeindruckend.

Diese Null zu sehen war wirklich sehr bedeutsam und wirklich ein riesiger Erfolg.

Prof. Dr. Christian Gaebler, Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin, Charité Berlin

An der PURPOSE-1-Studie nahmen 5.338 Frauen in Afrika zwischen 16 und 25 Jahren teil, die alle ein hohes HIV-Risiko hatten. In der Gruppe der Studienteilnehmerinnen die Lenacapavir nutzten, kam es zu keiner Infektion.

Daneben bekamen zwei andere Gruppen je eine Tablette zur Standardprophylaxe. In der einen Gruppe kam es zu 16 Infektionen unter 1.068 Frauen, in der anderen zu 39 Infektionen unter 2.136 Frauen.

Kurz vor dem Welt-Aids-Tag 2024 wurden die Ergebnisse einer weiteren Studie veröffentlicht. Die PURPOSE 2-Studie bestätigte die hohe Schutzwirkung von Lenapapavir. Von 2.183 Probanden infizierten sich nur zwei mit HIV und damit erheblich weniger als in der Vergleichsgruppe, die eine Tablette als Präexpositionsprophylaxe einnahm.

Präparate, die vor einer HIV-Infektion schützen, gibt es in Tablettenform schon seit einigen Jahren. 2019 wurden sie eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen für bestimmte HIV-Risiko-Gruppen.

Die Präparate reduzieren bei täglicher Einnahme das Infektionsrisiko weitgehend. Schätzungsweise 40.000 Menschen nehmen laut RKI die PrEP in Deutschland, doch angesichts steigender Infektionszahlen könnten es deutlich mehr sein.

Gründe, die dazu führen, dass die PrEP nicht von mehr Menschen mit einem Risiko für HIV-Infektionen genutzt wird, sind:

  • fehlendes Wissen
  • Angst vor Stigmatisierung bei täglicher Einnahme
  • hohe Zugangshürden

Denn nur Ärzte mit einer besonderen Qualifikation dürfen die Medikamente verschreiben. Das Angebot ist klein und besonders im ländlichen Raum muss man mit langen Wartezeiten rechnen.


Experten sind sicher, dass Lenacapavir mehr Menschen von der Prophylaxe überzeugen könnte. Denn: Zwei Spritzen im Jahr bedeuten eine geringere Hürde als die tägliche Tabletteneinnahme.

Pills on Hiv / aids paper background.

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Verfügbarkeit von Lenacapavir unklar

Obwohl Lenacapavir das Potential haben könnte die HIV-Pandemie zu beenden, ist derzeit noch unklar, ob der Wirkstoff weltweit verfügbar sein wird. HIV-Forscher Gaebler kritisiert das.

Wenn wir Neuinfektionen verhindern können, dann wäre es wichtig, dass Innovationen im Bereich HIV auch weltweit verfügbar sind.

Prof. Dr. Christian Gaebler, Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin, Charité Berlin

Der Hersteller hatte im Oktober 2024 sechs freiwillige Lizenzen an Firmen vergeben, die Lenacapavir als Generika günstig produzieren können. Erste Länder wie Eswatini im südlichen Afrika haben den Wirkstoff bereits erhalten.

Laut UNAIDS sei das jedoch nicht ausreichend. Inzwischen wurden Partnerschaften verschiedener Stiftungen angekündigt, um ab 2027 mehrere Millionen Dosen Lenacapavir für Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen produzieren zu können. Für Europa hat Lenacapavir die Marktzulassung erhalten. Doch wann die Markteinführung in Deutschland erfolgt, ist noch ungewiss.

Dieser Artikel wurde erstmals am 1. Dezember 2024 veröffentlicht und am 1. Dezember 2025 aktualisiert.

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