Kinderschutz mit Lücken:Wie Kinder ihre Bildschirmzeit umgehen
Ob VPN, Tarn-Apps oder Gast-Account: Kinder kennen viele Tricks, um ihre eingeschränkte Bildschirmzeit zu umgehen. Welche Methoden es gibt und wie Eltern darauf reagieren sollten.
Eltern können die Bildschirmzeit ihrer Kinder einschränken, zum Beispiel mit einer App. Doch Kinder kennen viele Tricks, um das zu umgehen.
Quelle: ColourboxFestgelegte Bildschirmzeiten und Kindersicherungen auf dem Smartphone oder Tablet sind kein Garantie dafür, dass Kinder nicht trotzdem länger am Gerät hängen oder auf Inhalte zugreifen können, die sie eigentlich nicht sehen sollten. Denn die Beschränkungen können sie mit teils einfachen Tricks aushebeln.
Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren verbringen fast vier Stunden täglich mit Gaming und Social Media. Die neue DAK-Studie sieht dringenden Handlungsbedarf.
12.03.2025 | 1:39 minBildschirmzeit umgehen: Diese Tricks gibt es
Die Anwendung einiger Tricks wie das Umstellen der Systemzeit oder das Wechseln in eine andere Zeitzone wurde durch die System-Updates der Betriebssysteme iOS (Apple) und Android (Google) größtenteils unterbunden. Bei älteren Geräten oder verpassten Updates können Schlupflöcher offen bleiben. Bei Android ist das zudem abhängig vom Hersteller des Smartphones.
Bildschirmzeiten oder Jugendschutzfilter lassen sich auf beiden Systemen umgehen, etwa mit einem Virtual Private Network (VPN). Das VPN verschleiert den tatsächlichen Gerätestandort, wodurch Zeitlimits oder standortbasierte Einstellungen nicht mehr greifen.
Wie lange sollten Kinder das Smartphone nutzen und wie können Eltern das kontrollieren? Bildschirmzeit-Apps sollen helfen, die Zeit im Internet einzuschränken.
19.10.2023 | 2:39 minMit Tarn-Apps lässt sich ebenfalls tricksen. Sie sehen zum Beispiel wie ein Taschenrechner aus, sind in Wahrheit jedoch ein Browser. Ein großes Problem dabei ist, dass viele dieser Apps unsichere oder unerwünschte Software (Malware) enthalten. Eltern können die Installation solcher Apps verhindern, wenn diese nur per Freigabe möglich ist.
Internetzugriff über In-App-Browser oder Gast-Account
Über den Internet-Browser kann der Zugriff auf gesperrte Apps, zum Beispiel auf YouTube, weiter möglich sein. Eltern sollten daher darauf achten, auch den Browser-Zugriff zu sperren.
Zudem gibt es die Möglichkeit, über andere Apps, in denen ein eigener Browser integriert ist, auf Webseiten zuzugreifen. Das geht beispielsweise über das Mail-Programm. Links werden darin über einen eigenen Browser geöffnet. Bei Apple ist das auch über iMessage möglich.
Android bietet in der Regel mehrere Benutzerkonten oder einen Gastmodus an, womit sich Zeitlimits umgehen lassen, wenn diese nur für das Hauptprofil eingerichtet sind. Mit iOS ist dieser Trick nicht möglich, hier gibt es nur ein Hauptprofil.
Weitere Tricks im Detail
Ein radikaler Schritt, doch wenn Kinder das Telefon auf die Werkseinstellung zurücksetzen, sind alle eingestellten Beschränkungen gelöscht. Dieser Trick ist natürlich sehr auffällig.
Per Bildschirmaufnahme können Kinder das Passwort der Eltern herausfinden und so Beschränkungen aufheben. Zu erkennen ist dies an einem roten Punkt in der oberen rechten Bildschirmecke. Die Bildschirmaufnahme kann in den Einstellungen für jede App deaktiviert werden.
Auf Android-Geräten von Samsung und Huawei ist es teilweise möglich, Beschränkungen der Google-App Family Link zu umgehen, indem man den Ultra-Stromsparmodus aktiviert. Eingestellte Zeitsperren gelten dann nicht mehr.
Auf Samsung-Geräten lassen sich sogenannte "Sichere Ordner" anlegen, in denen Apps gespeichert werden können. Für die Apps in diesen Ordnern gelten eingestellte Beschränkungen nicht.
Tricks aufgeflogen: So reagieren Eltern richtig
Bemerken Eltern, dass das Kind Absprachen zur Bildschirmzeit umgeht, ist die richtige Reaktion wichtig. "Kinder nutzen in dem Fall das Vertrauen aus. Da ist man erstmal enttäuscht", sagt Markus Gerstmann von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Dennoch sollten Eltern freundlich kommunizieren, auch wenn es schwerfällt.
Man könnte zusammen eine Lösung suchen und das Kind fragen: 'Du hast jetzt mehr Medienzeit genutzt, was ist dein Ausgleich dafür?'
Markus Gerstmann, Medienpädagoge
Kinder und Jugendliche hören häufig eher auf Gleichaltrige als auf die Eltern. Ein Schulprojekt in Hamburg macht sich diesen Effekt für mehr Kinderschutz am Handy zunutze.
22.01.2025 | 1:29 minEltern sollten wegen der Sogwirkung von sozialen Medien auch immer Verständnis für die Kinder aufbringen. "Social-Media-Apps sind so programmiert, dass Kinder eine Resilienz entwickeln müssen. Dagegen anzugehen, ist sehr schwierig", sagt Gerstmann. Hier helfe es, dies zusammen mit den Kindern zu verarbeiten, indem man über diese Thematik spricht. "So kann man vielleicht eine Einsicht bei den Kindern erreichen."
Dark Patterns sind manipulative Designmuster in digitalen Anwendungen, die Nutzer täuschen oder unter Druck setzen - etwa durch sogenanntes Nagging wie das automatisierte Abspielen von Videos, Infinite Scrolling (unendliches Scrollen) oder Belohnungen für das tägliche Anmelden.
Auch irreführende Buttons, voreingestellte Optionen oder aufdringliche Benachrichtigungen versuchen, Nutzer bewusst zu steuern. Diese Mechanismen lenken das Verhalten gezielt im Interesse der Anbieter.
Weitere Informationen zu Dark Patterns und Digital Nudging in Social Media gibt es von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien.
Mehrere Petitionen in Deutschland fordern ein Verbot von Social Media für unter 16-Jährige. Vorbild ist Australien, wo ein solches Verbot bereits Gesetz ist.
09.04.2025 | 1:46 minSo verbessern Eltern ihre Medienkompetenz
Der wichtigste Rat für Eltern ist laut Markus Gerstmann, Interesse an popkulturellen Phänomenen zu zeigen. Dafür ist es wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben. Eltern können selbst schauen, was etwa gerade bei TikTok passiert oder welche Spiele populär sind.
Bis das sonst die Eltern erreicht, müssen erst Medien darüber berichten. Dann ist der Trend wieder vorbei.
Markus Gerstmann, Medienpädagoge
Eltern sollte klar sein, dass die Kinder immer einen Schritt voraus seien mit der Technik, sagt Gerstmann. Versteht man einen Trend oder ein Internet-Phänomen zum Beispiel nicht, kann man nachfragen, was das Besondere daran ist.
Wollen Kinder ein Video zeigen, sollte man sich das idealerweise angucken. "Das ist der Anfang für einen Dialog. Manchmal sind es nur zwei Sätze, aber die helfen. Dann kriege ich mit, was meine Kinder tun", so Markus Gerstmann.
Je jünger die Kinder sind, desto einfacher sei es, die Mediennutzung mit den Kindern zu besprechen und Bildschirmzeiten festzulegen, sagt Medienpädagoge Markus Gerstmann.
Spezielle Kindersuchmaschinen oder Suchfilter bei Google ("Safe Search") erleichtern den Start, TikTok oder Instagram bieten einen Begleitmodus für Eltern. Diesen sollten sie gemeinsam mit den Kindern einrichten, rät Gerstmann.
Wenn Kinder in die Pubertät kommen, haben sie auch Geheimnisse, die Eltern respektieren sollten. Dieser Freiraum sei laut Gerstmann wichtig für deren Entwicklung.
Kinder in sozialen Medien:Wie Eltern ihre Kinder schützen können
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