SPD-Generalsekretär im ZDF:Klüssendorf: "Wir sind in der Misere seit langer Zeit"
von Dominik Rzepka
Keine neuen Parteivorsitzenden, dafür mehr Fokus auf die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze: SPD-Politiker Tim Klüssendorf über die Profilsuche seiner Partei.
Die SPD steckt nach den Niederlagen der vergangenen beiden Landtagswahlen in der Krise. Wie will die Partei wieder Profil gewinnen? Fragen an SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf.
29.03.2026 | 4:28 minSPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat sich gegen einen Wechsel an der Parteispitze ausgesprochen. "Wir sind in der Misere seit langer Zeit", sagt Klüssendorf in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".
"Seit 2018 sind wir wie einbetoniert bei 14, manchmal bei 15, 16 Prozent in den Umfragen, aber auch in den Wahlergebnissen". Klüssendorf stellt sich hinter die aktuellen Parteichefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil und sagt:
Und deswegen geht's eben nicht nur um Personen.
Tim Klüssendorf, SPD
Es müsse stattdessen um die Frage gehen, welches Profil die sozialdemokratische Partei in Deutschland habe. Der Fokus müsse nun auf den Themen Arbeitsplätze und Wirtschaft liegen.
Die SPD werde zu häufig als "die Partei des Status quo wahrgenommen", sagt der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil. "Da will ich raus", so Klingbeil.
25.03.2026 | 7:15 minKlüssendorf verteidigt Klingbeils Reformvorschläge
In dieser Woche hatte Klingbeil in einer Grundsatzrede unter anderem die Abschaffung des Ehegattensplittings für künftige Ehen ins Gespräch gebracht. Außerdem forderte er längere Arbeitszeiten.
Auf die Frage, ob auch die Linken innerhalb der SPD hinter diesem Kurs stünden, sagt Klüssendorf, Klingbeil habe etwas geschafft, was lange im politischen Raum gefehlt habe - nämlich in einem Gesamtkonzept zu sagen, "was eigentlich für Reformen auch vorstellbar sind".
Wenn wir da einen Korridor aufmachen - und wir sind in einer Regierungskonstellation mit der Union - dann sind das nicht nur SPD-Positionen.
Tim Klüssendorf, SPD
Bundesfinanzminister Klingbeil hat heute seine Reformpläne vorgestellt. Unter anderem will er das Ehegattensplitting abschaffen und die Einkommenssteuer reformieren.
25.03.2026 | 1:47 minDeutliche Kritik von Roth
Kritik am aktuellen Kurs der SPD kommt unter anderem von Michael Roth, dem ehemaligen Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags.
Der SPD-Politiker sagt im ZDF, er sei besorgt, wenn die SPD aus der Ampelkoalition "nichts zu schmieden" vermag.
Wenn wir am Ende alles in den Sand setzen, das macht mich wahnsinnig.
Michael Roth, SPD
Der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Michael Roth macht sich Sorgen um seine Partei. Sehen Sie hier das Interview in voller Länge.
29.03.2026 | 13:14 minSPD seit Wahlniederlagen unter Druck
Als ein Problem nennt Roth den Umgang seiner Partei mit der AfD. Es sei eine Katastrophe für die SPD, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nicht rechtsextremistisch oder rassistisch seien, inzwischen in der AfD ihre Lösungen für Probleme sähen.
Die SPD hat den Fehler gemacht, viel zu lange den Eindruck zu erwecken, als sei die AfD ein Problem der konservativen Parteien von CDU und CSU.
Michael Roth, SPD
Kritik am Kurs der Partei hatte auch der ehemalige SPD-Minister Hubertus Heil geäußert. Der Mief müsse raus, hatte Heil gesagt.
Die SPD steht nach den verlorenen beiden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unter Druck. Seitdem gibt es auch eine Diskussion um die beiden Vorsitzenden.
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