Nach Absage des Schwimmens für Schwarze:Politologin warnt vor "Umdeutung der Realität"
Aus Sicherheitsgründen haben die Volksbühne und der Verein Eoto das Schwimmen für Schwarze im Volkbad abgesagt. Politologin Roig warnt vor einer Umdeutung der Rassismus-Realität.
Statt Theatervorplatz ein kostenloses Schwimmbecken. Das Projekt des neuen Intendanten Matthias Lilienthal soll auf die marode Infrastruktur aufmerksam machen und Räume öffnen.
07.08.2026 | 3:25 minDie inzwischen abgesagte Veranstaltung der schwarzen Community im Schwimmbad der Berliner Volksbühne ist nach Meinung einer Expertin bewusst umgedeutet und missverstanden worden. "So war das ein Segen für die Rechten", sagt Emilia Zenzile Roig.
Sie ist Autorin und Politologin aus Frankreich und eine schwarze Person, die in Berlin lebt. Was bei vielen Menschen ankam, sei gewesen: Es sei so heiß und wir Weißen dürften nicht ins Schwimmbad.
Das Narrativ dahinter mit einem angeblichen anti-weißen Rassismus hat funktioniert.
Emilia Zenzile Roig, Politologin
Verein für Rassismusprävention wollte Schwimmen für schwarze Kinder
Der Verein "Each One Teach One" (Eoto) setzt sich für Rassismusprävention und für das Empowerment (Deutsch: Selbstbefähigung) schwarzer Menschen ein und wollte ursprünglich ein Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche veranstalten.
Schwarze Menschen in Deutschland werden oft diskriminiert. Was Rassismus bedeutet, klären Eric und Gast-Moderatorin Chantal Epih.
22.03.2025 | 23:54 minAuch an anderen Tagen ermöglicht die Volksbühne weiteren Vereinen die exklusive Nutzung des Bades für einige Stunden. Nach Drohungen und wegen damit verbundener Sicherheitsbedenken für die Besucherinnen und Besucher sagten das Theater und Eoto die für Freitag geplante Veranstaltung am Tag davor aber ab.
Roig: "Umdeutung der Realität, die mir Sorge macht"
Es gebe einen nachvollziehbaren Anlass für die Idee des Vereins, schwarze Kinder und Jugendliche unter sich baden zu lassen, meint Roig. "Rassismus ist für Schwarze allgegenwärtig, in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, im Justizsystem, auf der Straße, durch die Polizei."
Viele Räume seien unsicher. "Im Schwimmbad werden sie zum Beispiel beschimpft, sie würden das Wasser dreckig machen. Auch in Berlin." Es gehe natürlich nicht um eine komplett abgeschottete Gesellschaft, betont die Politologin.
Es ging um nur einen Nachmittag ohne Angst vor Demütigung und rassistischer Gewalt. Vor allem für die Kinder wäre das gut gewesen.
Emilia Zenzile Roig, Politologin
Viele rassistische Narrative beanspruchen "die Wissenschaft" für sich. "MAITHINK X" stellt das auf den Prüfstand.
15.09.2024 | 29:26 minDas Narrativ, dass weiße Menschen strukturell diskriminiert würden, sei nun in der Welt und lasse sich nicht so leicht rückgängig machen, ist Roig überzeugt.
Wir haben mit einer Umdeutung der Realität zu tun, die mir Sorgen macht.
Emilia Zenzile Roig, Politologin
Absage aus Sicherheitsgründen "unterträglich"
Linke und Grüne in Berlin hatten die Absage der geplanten Veranstaltung der Volksbühne mit dem Verein der Schwarzen Community aus Sicherheitsgründen als "unerträglich" bezeichnet.
Dass die Absage wegen Sicherheitsbedenken erfolgen musste und das gemeinsame Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nun ausfällt, zeigt, wie sehr Hass und Hetze um sich greifen.
Elif Eralp, Linke-Spitzenkandidatin Berlin
Täglich erleben Menschen Alltagsrassismus in Deutschland. Bei 37 Grad erzählen drei Schwarze Menschen von ihren Erfahrungen.
15.06.2021 | 1:52 minGrünen-Spitzenkandidat Werner Graf sprach von einem "Skandal":
Das ist für unsere gesamte Stadt beschämend und das Gegenteil dessen, wofür Berlin als Stadt der Freiheit steht.
Werner Graf, Grünen-Spitzenkandidat Berlin
Kritik von Weidel an Exklusiv-Schwimmen von Eoto
Nach teils rassistischen Diskussionen und Drohungen hatten die Berliner Volksbühne und der Verein "Each One Teach One" (Eoto) die Veranstaltung abgesagt, bei der exklusiv für Menschen der Schwarzen Community Schwimmen angeboten werden sollte. Man könne eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, hieß es.
Die Exklusivnutzung war auf Kritik gestoßen. AfD-Chefin Alice Weidel hatte von "Apartheid" gesprochen; sie bezog sich also auf das frühere politische System in Südafrika. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen dort Schwarze waren, hatten nur die Weißen das politische Sagen. Auch eine junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte Unverständnis und sagte, sie dürfe nicht ins Freibad, weil sie weiß sei. Dies sei ein diskriminierendes Gefühl.
Was kann man gegen Rassismus und Hass tun? Darüber spricht Abdul-Ahmad Rashid mit Politologin Saba-Nur Cheema.
28.02.2020 | 15:40 minAnfeindungen auch gegen Verein Eoto
Auch der Verein Eoto, der sich für die Rechte Schwarzer Menschen einsetzt, sei direkt angefeindet worden:
Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media.
Verein "Each One Teach One"
Die Kinder- und Jugendabteilung von Eoto sei von der Berliner Volksbühne eingeladen worden. Die Volksbühne bleibt trotz der Kritik bei ihrem Standpunkt: "Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten", teilte der Intendant der Berliner Volksbühne, Matthias Lilienthal, mit. Auch die Zusammenarbeit mit dem Verein Eoto solle fortgesetzt werden. Allerdings habe der Schutz von Gästen, Partnern und Mitarbeitern oberste Priorität.
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