Portal "EinfachMachen" startet:Per Mausklick zu schlanken Strukturen?
von Sybille Schultz
Mit dem Portal "EinfachMachen" startet die Bundesregierung eine Plattform, um überbordende Bürokratie abzubauen. Das allein wird den Berg an Regeln nicht abtragen, sagen Experten.
Die Bundesregierung hat ein Online-Portal für Bürgerinnen und Bürger, die unnötige Bürokratie melden wollen, eröffnet. Das Ziel: Vorschriften verschlanken und Abläufe vereinfachen.
12.12.2025 | 0:25 minUnnütze Vorschriften, überflüssige Formulare, nervige Antragsverfahren - ärgerlich ist das wohl für fast jeden. Zugleich schadet die Regulierungswut dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Bundesregierung will nun endlich Abhilfe schaffen und startet das Online-Portal "EinfachMachen".
Das Portal bietet sowohl Bürgern als auch Verbänden und Unternehmen die Möglichkeit, direkt mitzuwirken. Wer sich über komplizierte Vorschriften ärgert, kann diese nun direkt online melden - niederschwellig und ohne endlose Formulare und Behördengänge.
Mit einer Reihe an Maßnahmen will die Bundesregierung die Bürokratie abbauen. Besonders im Baubereich sollen Genehmigungsverfahren verkürzt und Auflagen reduziert werden.
05.11.2025 | 1:34 minDas Prinzip: einfach und nutzerfreundlich
Wer ein Hindernis entdeckt, meldet es über ein Formular. Mit sieben Klicks lässt sich ein Vorschlag einreichen. Das Portal ist unter einfach-machen.gov.de erreichbar und aktuell als Vorab-Version erhältlich, die kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Die Meldungen werden zunächst halbautomatisch geprüft, später soll künstliche Intelligenz helfen, Vorschläge nach Dringlichkeit und Relevanz zu sortieren. Perspektivisch übernimmt das Statistische Bundesamt die Plattform und ergänzt sie um Dashboards, die öffentlich zeigen, wo Bürokratie besonders stört.
Bis in die 1990er-Jahre war Asbest in vielen Baustoffen enthalten. Noch heute steckt der krebserregende Stoff in vielen Altbauten – und wird bei Sanierungen oder Abrissen zur unsichtbaren Gefahr.
21.10.2025 | 8:46 minWas das Portal bringen soll
Die Erwartungen sind groß, die Versprechungen entsprechend vollmundig.
Jede Meldung hilft uns dabei, konkrete Entlastungen für diejenigen zu schaffen, die täglich anpacken.
Bärbel Bas (SPD), Arbeitsministerin
Das kommentiert Arbeitsministerin Bärbel Bas von der SPD. Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, sieht Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: "So stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft gemeinsam."
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger spricht sogar von einem "Meilenstein für die Staatsmodernisierung". Das Portal sei die erste zentrale Anlaufstelle für Bürokratie-Sorgen.
Mit einem Reformpaket will die Bundesregierung Staat und Verwaltung modernisieren. Schlanker und digitaler soll es werden – und Bürokratiekosten in Milliardenhöhe sparen.
01.10.2025 | 2:36 minKritischer Blick: Reicht das Portal aus?
Dr. Klaus-Heiner Röhl vom Institut der Deutschen Wirtschaft teilt diese Euphorie jedoch nicht. Für Bürger sei die Plattform vielleicht eine gute und auch neue Möglichkeit, Schwierigkeiten und Ärgernisse gezielt zu benennen und zu adressieren. Für die Wirtschaft sei dies allerdings nichts Neues. "Wirtschafts- und Branchenverbände melden seit Jahren bürokratische Hürden und sind dabei in direktem Gespräch mit den Ministerien." Außerdem könnten sich Wirtschaftsvertreter schon seit 2006 mit gezielten Vorschlägen an den Nationalen Normenkontrollrat wenden, so Dr. Klaus-Heiner Röhl.
Fraglich sei auch, wie die systematische Zuordnung der gesammelten Daten zu Gesetzen und Verordnungen stattfindet und wie diese ausgewertet werden. Tatsächlich beschreibt die Bundesregierung die neue Plattform als Beta-Version, also gewissermaßen als Provisorium, das erst noch weiterentwickelt werden muss.
Der Nationale Kontrollrat wurde 2006 geschaffen und besteht aus einem gesetzlich verankerten, unabhängigen Expertengremium
Er berät die Bundesregierung und identifiziert überflüssige Regelungen, um den Bürokratieabbau durch Gesetzesänderungen oder -streichungen umzusetzen.
Gemeinsam mit der Bundesregierung hat der NKR dafür nach eigenen Angaben dafür gesorgt, dass die administrativen Bürokratiekosten für die Wirtschaft seit 2006 um 25 Prozent reduziert werden konnten. (Quelle: ZDF)
Umsetzung der Vorschläge nötig
Doch selbst wenn die Plattform zu neuen Erkenntnissen führen sollte, entscheidend sei, dass die Vorschläge dann tatsächlich umgesetzt werden, so der Wirtschaftswissenschaftler. Dabei mahnt er zu mehr Mut: "Gesetzliche Regeln stammen oft aus einem Wunsch der Sicherheit" und wir in Deutschland sind sehr sicherheitsbewusst". Um zeitnah etwas zu bewirken, müsse man dieses Sicherheitsbewusstsein anders gewichten und dabei auch über den eigenen Schatten springen.
Das Online-Portal "EinfachMachen" dokumentiert einmal mehr den Willen der Bundesregierung, Bürokratische Hürden endlich abzubauen und auch die Wirtschaft zu entlasten. Doch wer dadurch schnelle Abhilfe erwartet, könnte enttäuscht werden.
Sybille Schultz ist Redakteurin der ZDF-Redaktion "Service Täglich".
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