Besuch in Wien:Österreichs Parlamentschef empfängt Orban
Kaum im Amt lädt Österreichs neuer Parlamentspräsident Rosenkranz von der rechten FPÖ Ungarns Staatschef Orban ein. Der trifft auch noch Herbert Kickl und Ex-Kanzler Schröder.
Ungarns Regierungschef Viktor Orban (links) hat die Einladung des österreichischen Parlamentschefs Walter Rosenkranz (FPÖ) nach Wien gerne angenommen.
Quelle: dpaÖsterreichs frisch gewählter Parlamentspräsident Walter Rosenkranz von der rechten FPÖ hat als ersten Gast den ungarischen Regierungschef Viktor Orban empfangen. Mehrere Parteien hatten dies bereits im Vorfeld heftig kritisiert.
Orban trifft sich gleich zweimal mit Kickl
Orban traf sich im Nationalrat mit Rosenkranz und einer größeren FPÖ-Delegation unter Führung von Parteichef Herbert Kickl. Das Gespräch dauerte nach Angaben des Parlaments etwa eine halbe Stunde.
Danach hätten sich Orban und Kickl noch zu einem weiteren internen Treffen zurückgezogen, das von der Partei organisiert war. Zu dessen Inhalten wurde zunächst nichts bekannt.
In Österreich ist die rechtspopulistische FPÖ erstmals bei einer Nationalratswahl als stärkste Kraft hervorgegangen. Fraglich ist aber, ob die FPÖ den Auftrag zur Regierungsbildung bekommen wird.
30.09.2024 | 3:04 minOrban-Vorbild muss "Warnsignal" sein
Das Treffen stieß auf den scharfen Protest von Grünen, Sozialdemokraten und liberalen Neos. Die FPÖ sehe Orban als Vorbild an, sagte die Fraktionschefin der Grünen, Sigrid Maurer. "Das muss uns ein absolutes Warnsignal sein." meinte:
Der frisch gewählte Nationalratspräsident Rosenkranz macht seiner Eigenbezeichnung als "Parteisoldat" alle Ehre, wenn er als ersten Gast ausgerechnet jenen Mann empfängt, der unser Nachbarland in eine korrupte Elitenherrschaft umgebaut hat.
Andreas Babler, SPÖ-Chef
FPÖ spielt Brisanz des Treffens herunter
Die FPÖ bezeichnete die Reaktionen als "künstliche Aufregung". Die Rechtspopulisten hatten die jüngste Nationalratswahl gewonnen. Da die stimmenstärkste Fraktion laut Gepflogenheiten den Parlamentspräsidenten stellen darf, wurde Rosenkranz vergangene Woche in das zweithöchste Staatsamt gewählt.
In Wien haben tausende Menschen gegen die rechte FPÖ und eine mögliche Regierungsbeteiligung demonstriert. Die Partei hatte erstmals die Parlamentswahl gewonnen.
04.10.2024 | 0:18 minAnlass des Besuchs von Orban in Wien ist die Teilnahme an einer von der Schweizer Wochenzeitung "Weltwoche" organisierten Diskussion zu geopolitischen Fragen.
An der Veranstaltung am späten Nachmittag soll auch der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder teilnehmen. Orban und Schröder gelten beide als Freunde des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
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