US-Zwischenwahlen:So erklären ZDF-Korrespondenten die überraschenden Ergebnisse
Bei den Midterms haben die Demokraten das Repräsentantenhaus und nach bisherigem Stand auch den Senat gewonnen. Selbst im konservativen Texas gab es historische Siege.
Trumps Republikaner verlieren die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Was bedeuten die Wahlergebnisse für den US-Präsidenten? Die Analyse bei ZDFheute live.
04.11.2026 | 53:06 minDie Demokraten haben die Zwischenwahlen in den USA klar für sich entschieden. Im Repräsentantenhaus steht ihre Mehrheit nach Angaben von ZDF-Studioleiter Elmar Theveßen aus Washington fest, obwohl noch nicht alle Rennen entschieden sind. Auch im Senat liegen sie deutlich über der Mehrheitsmarke, einige Rennen sind noch offen. Zuvor war spekuliert worden, ob die Wahl eine "blaue Welle" für die Demokraten werden würde - angelehnt an die Parteifarbe: "Jetzt kann man, glaube ich, ehrlicherweise sagen, dass es ein Tsunami geworden ist, der viele Republikaner regelrecht weggeschwemmt hat", berichtet Theveßen.
Im Repräsentantenhaus wechselten mehrere Dutzend Sitze von Rot zu Blau, auch in Distrikten, die zuletzt neu zugeschnitten wurden. Im Senat gingen Sitze in mehreren Bundesstaaten von den Republikanern an die Demokraten. Auch Gouverneursämter und Positionen in Landesparlamenten wechselten die Partei.
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Texas: Historischer Erfolg im roten Bundesstaat
In Texas gewann der Demokrat James Talarico das Senatsrennen. Es ist der erste demokratische Senatssitz dort seit mehr als 30 Jahren. Laut ZDF-Korrespondent David Sauer sahen Umfragen Talarico zwar leicht vorn, aber nie so deutlich. Noch überraschender war der Sieg von Gina Hinojosa im Gouverneursrennen gegen den seit zwölf Jahren amtierenden Greg Abbott.
Und dass der hier seinen Gouverneurssitz verliert, das hat überhaupt niemand auf dem Zettel gehabt.
David Sauer, ZDF-Korrespondent
Als Ursache sieht Sauer einen "perfekten Sturm": Viele Wähler und Wählerinnen sind unzufrieden mit Donald Trump: Viele Wähler hätten auf sinkende Inflation und keine neuen Kriege gehofft und seien enttäuscht worden. Hohe Lebenshaltungskosten führt Sauer im Wesentlichen auf den Iran-Krieg zurück. Viele Menschen in Texas hätten zudem keine Krankenversicherung.
Zudem spiele auch der demografische Wandel eine Rolle. Der Anteil der Latinos wächst in Texas, zudem sind fühlen sich viele junge Menschen abgehängt. Dazu kommt, das Talarico als moderater Kandidat der passende für Texas gewesen sei. Sein republikanischer Gegner Ken Paxton sei dagegen von Korruptionsvorwürfen belastet gewesen.
Er greift Bürgerrechte an, zieht Wahlergebnisse in Zweifel, beschneidet die Unabhängigkeit der Justiz. In Trumps zweiter Amtszeit scheint Amerikas Freiheit in Gefahr wie nie zuvor.
01.11.2026 | 44:40 minMichigan: Erster Muslim zieht in den Senat ein
In Michigan konnte der Demokrat Abdul El-Sayed den Sitz im Senat vor dem Republikaner Mike Rogers erringen. El-Sayed wäre der erste Muslim im US-Senat.
ZDF-Korrespondent Armin Coerper sieht darin Rückenwind für den linken Parteiflügel um Alexandria Ocasio-Cortez und New Yorks Bürgermeister Mamdani. Themen wie soziale Sicherheit, Krankenversicherung und Kinderbetreuung seien offenbar mehrheitsfähig, ebenso El-Sayeds scharfe Israel-Kritik.
Er schränkt aber ein: Rogers, ein Vertrauter Trumps, sei für El-Sayed "eine sehr leichte Beute" gewesen. Er habe Trumps Zollpolitik unterstützt, die in der Grenzregion zu Kanada viele Menschen verunsichere, und jahrelang einen Militärschlag gegen den Iran gefordert. Zuletzt ruderte er in beiden Punkten zurück. Der Krieg müsse enden, weil die Menschen unter hohen Spritpreisen litten. Michigan ist laut Coerper außerdem "kein Flip": Die Demokraten haben den Sitz verteidigt, nicht neu erobert.
Geld gewinnt nicht automatisch Wahlen
Es war der teuerste Zwischenwahlkampf der US-Geschichte. Tech-Milliardär Elon Musk investierte mehr als 200 Millionen Dollar allein in Texas, zur Unterstützung von Paxton und gegen Talarico. Geholfen hat es nicht. ZDF-Korrespondent Sauer erklärt, dass es "kein Automatismus" sei, mit mehr Geld Wahlen zu gewinnen. Hinojosa gewann nach seiner Darstellung auch dank einer Graswurzelbewegung mit vielen Einzelspendern, obwohl Amtsinhaber Abbott über wesentlich mehr finanzielle Mittel verfügte.
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