Interview mit Peter Altmaier

Interview

20 Jahre erster Tweet:Altmaier: Habe das Twittern "bis heute nicht bereut"

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20 Jahre ist der erste Tweet her. Peter Altmaier war fast von Beginn an bei Twitter. Er erinnert sich gerne an die Anfangszeit zurück und bleibt bei Twitter, trotz Kritik.

Peter Altmaier

Der ehemalige Kanzleramtschef Peter Altmaier ist einer der ersten Spitzenpolitiker, der Twitter nutzt. Warum hat er angefangen? Und warum ist er nach wie vor bei Twitter, heute X?

21.03.2026 | 2:08 min

ZDFheute: Herr Altmaier, können Sie sich daran erinnern, warum Sie damals angefangen haben zu twittern?

Peter Altmaier: Ja, es gab einige aus dem Deutschen Bundestag, wie damals Volker Beck zum Beispiel oder Julia Klöckner, die heutige Präsidentin, die auf Twitter waren.

Mir ist aufgefallen, dass dieses Medium ganz neue Möglichkeiten bietet, natürlich auch Risiken und Gefahren.

Peter Altmaier, CDU

Aber ich habe mich entschlossen, es zu nutzen und habe es bis heute nicht bereut.

ZDFheute: Was war das für eine Zeit damals? Wie war die Atmosphäre?

Altmaier: Es hat Spaß gemacht, aber es war auch eine ziemlich aufgewühlte Zeit. Wir hatten in fast allen Länderparlamenten die Piratenpartei. Das war ursprünglich eine Internetpartei. Wir hatten in den USA die ersten Erfahrungen gemacht. Barack Obama hat seinen Wahlkampf finanziert über das Internet, über Twitter.

Und deshalb war in dieser Zeit auch eine Diskussion, ob man sich jedem neuen Trend öffnet oder ob man lieber weitermacht wie früher. Ich habe immer gesagt, die Kutschen, die in Touristenorten fahren, sind schön. Aber das Auto hat sich irgendwann durchgesetzt.

Und Twitter ist in diesen Jahren eben auch weltweit nicht weniger, sondern wichtiger geworden. Das haben wir in Deutschland nur noch nicht alle erkannt.

ZDFheute: Haben Sie zu twittern angefangen, um den Trend nicht den Piraten zu überlassen?

Altmaier: Ich habe mich zunächst einmal dafür interessiert, wie die Piraten arbeiten. Dann gab es, als ich Umweltminister war, das war ein Jahr oder zwei später, eine ganz interessante Erfahrung. Die hatten nämlich ein Format organisiert, genannt der Dicke Engel.

Dort konnten sich Leute einwählen und im Internet mit einem Politiker oder unter sich diskutieren - über Klimaschutz, über die Energiewende.

Ich wurde eingeladen, ich habe diskutiert, das war eine tolle Veranstaltung. Und damit habe ich dann mehrere hundert Influencer erreicht, die ich sonst nur viel schwieriger hätte erreichen können mit Veranstaltungen vor Ort oder Artikeln in Zeitungen.

Elon Musk erscheint vor Gericht.

Ein Gericht in San Francisco hat entschieden, dass Elon Musk den Aktienkurs von Twitter 2022 absichtlich gedrückt habe. Musk könnte verpflichtet werden, eine Wiedergutmachung zu zahlen.

21.03.2026 | 0:23 min

ZDFheute: Und wie hat Twitter damals die politische Kommunikation verändert?

Altmaier: Twitter hat die politische Kommunikation dort verändert, wo Politiker verantwortungsvoll damit umgegangen sind. Es hat ihre Reichweite erhöht, es hat für mehr Aufklärung bei politischen Sachthemen gesorgt.

Aber es gibt auch Politiker wie Donald Trump und andere, die Twitter nutzen, um Stimmung zu machen, um Anschuldigungen zu verbreiten, um Menschen manchmal auch in die Irre zu führen.

Und deshalb müssen die Demokraten dafür sorgen, dass ihre Reichweite auf Twitter mindestens so groß ist wie diejenige der anderen, die Twitter für verwerfliche Zwecke nutzen wollen.

ZDFheute: Twitter hat auch ein Problem mit Hatespeech. Gab es für Sie nie den Moment, wo Sie gedacht haben, Sie müssten Twitter verlassen?

Altmaier: Es sind viele weggegangen, ich bin geblieben, so wie Millionen anderer auch. Was mich total beeindruckt hat: Ich bin vor einigen Jahren mal bei einer öffentlichen Veranstaltung von der Bühne gestürzt, war bewusstlos, musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Und dann hatte ich plötzlich, als ich Entwarnung meldete auf Twitter, unglaublich viele Nachrichten, bestimmt 15.000. Das heißt, das Internet ist sehr wohl der Empathie fähig und es sind sehr wohl viele Menschen unterwegs, die nicht an Hatespeech denken. Sondern die sehr konstruktiv an der Meinungsbildung mitwirken und sogar auch positive Gefühle zum Ausdruck bringen.

ZDFheute: Elon Musk hat 2022 Twitter übernommen und Twitter zu einer anderen Plattform gemacht. Wie kritisch war das?

Altmaier: Ich teile die politischen Auffassungen von Elon Musk nicht, aber er ist ein begnadeter Physiker und Unternehmer und im Augenblick dabei, mit seinem Chatbot Grok die Künstliche Intelligenz im Internet zu revolutionieren.

Ich glaube, dass er damals auch das im Blick hatte, eben Twitter nicht nur zu kaufen, um Meinungsmache zu betreiben, sondern um im Bereich der Künstlichen Intelligenz Fuß zu fassen.

Es erschüttert mich, wenn ich sehe, wie wenig Menschen das bemerkt haben und wie pauschal die Auseinandersetzung manchmal auch mit Leuten wie ihm ist. Er ist einer der erfolgreichsten Unternehmer der Welt, aber er hat politische Auffassungen, die zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert stammen.

ZDFheute: Viele Politiker haben Twitter verlassen, Bundeskanzler Friedrich Merz ist noch bei Twitter. Sollte er Twitter verlassen?

Altmaier: Ich finde es absolut richtig, dass der Bundeskanzler bei Twitter ist, auch Emmanuel Macron ist auf Twitter, der britische Premierminister ist auf Twitter. Das ist eine relativ neue Entwicklung, aber ich glaube, dass sie richtig ist. Ansonsten würde es bedeuten, dass wir Herrn Trump und anderen das Feld überlassen und das wäre die falsche Entscheidung.

Das Interview führten Claudia Oberst und Dominik Rzepka.

Über das Thema berichtete die heute-Sendung am 21.03.2026 ab 19:00 Uhr.