"Zensur" und "Zwangspinselei"?:Protest: Teil der Schausteller bleiben Wiesn-Rundgang fern
Seit über 80 Jahren gab es auf der Wiesn Fahrgeschäfte mit knapp bekleideten Pappfiguren. Deren Aussehen hat die Stadt München nun moniert. Zensur aus Sicht einiger Schausteller.
Weil sie zu freizügig sein sollen, wurden einige Figuren des Traditionsfahrgeschäfts "Teufelsrad" für das diesjährige Oktoberfest übermalt. Die Entscheidung trifft auf gemischte Reaktionen.
02.09.2026 | 2:31 minDer Streit um die Umgestaltung von Figuren an Fahrgeschäften auf dem Münchner Oktoberfest spitzt sich zu. Aus Protest gegen Aufforderungen, Frauenfiguren wegen rassistischer und sexistischer Stereotype anders zu gestalten, will ein Teil der Schausteller den traditionellen Wiesn-Rundgang boykottieren.
In einem Brief des Bundesverbandes Schausteller und Marktkaufleute an das Münchner Wirtschaftsreferat ist von "Zensurmaßnahmen" und "Zwangspinselei" die Rede. In dem Schreiben heißt es:
Angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype auf der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts "Teufelsrad" sagen wir hiermit unsere Teilnahme ab.
Aus dem Brief des Bundesverbandes Schausteller und Marktkaufleute
Die Wiesn 2025 war turbulent: Bombendrohung, Sperrungen wegen Überfüllung, Rekordhitze. Millionen Besucher feierten trotzdem ausgelassen.
05.10.2025 | 2:54 minBrief: "Schausteller wehren sich gegen Zensur"
Das Schreiben, über das zuvor die Zeitungsgruppe "Münchner Merkur/tz" berichtet hatte, liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. "Die Schausteller wehren sich gegen Zensur", heißt es in dem Brief weiter. Und:
Die Gestaltung der Betriebsstätte ist Kernkompetenz des Unternehmers als Träger des wirtschaftlichen Risikos.
Aus dem Brief des Bundesverbandes Schausteller und Marktkaufleute
Nach Angaben von Präsident Patrick Arens sind 60 bis 70 Betriebe auf der Wiesn in seinem Verband organisiert. Das macht nur einen Teil der Betriebe aus.
Gleichstellungsstelle der Stadt forderte Veränderungen
Das Schreiben bezieht sich auf den Wiesn-Rundgang mit Vertretern der Stadt, der traditionell kurz vor dem Start des Münchner Oktoberfestes stattfindet. Dabei präsentieren der Oberbürgermeister - in diesem Jahr also erstmals Dominik Krause (Grüne) - und der Wiesn-Chef die Neuheiten auf dem Volksfest.
Aus dem Archiv: Fahrgeschäfte machen viel vom Reiz des Oktoberfests aus. Alles muss pünktlich fertig werden. Viel Arbeit und Stress für die Aufbautrupps der Schausteller.
20.09.2024 | 14:55 minDas Traditionsgeschäft "Teufelsrad" hatte - nach entsprechenden Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle - Frauenfiguren über dem Eingang neu gestaltet und züchtiger angezogen. Eine Figur, die vorher nur mit Bikini und Blütenkranz bekleidet war, trägt nun Kleid und Schuhe.
Stadt selbst stellt Umgestaltungsmaßnahme in Frage
Inzwischen stellt allerdings die Stadt selbst die Sinnhaftigkeit dieser Aufforderung infrage. Nicht nur Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kündigte Gespräche mit der Gleichstellungsstelle über mehr "Augenmaß" an.
Auch die zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) sagte: "Man kann es eben auch übertreiben." Laut Medienberichten ist das "Teufelsrad" nicht das einzige Fahrgeschäft, das zur Umgestaltung aufgefordert wurde.
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