Gerard van Swieten: Vampirjäger und Van Helsing-Vorbild

Vampirjäger der Habsburger:Das ereignisreiche Leben des Baron van Swieten

von Michael Sommer

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Der Leibarzt von Erzherzogin Maria Theresia von Österreich war das literarische Vorbild für den Vampirjäger in Bram Stokers "Dracula". Wie kam es dazu?

Zu sehen ist Willem Dafoe als Vampir in "hadow of the vampire".

Schauspieler Willem Dafoe in "Shadow of the Vampire". Baron Gerard van Swieten, Leibarzt von Maria Theresia, kämpfte gegen den Vampir-Aberglauben und inspirierte zu "Dracula".

Quelle: dpa

Wien, anno 1745: Die Hauptstadt des Habsburgerreiches blüht wie selten zuvor. Erst vor wenigen Jahren hat die junge Erzherzogin Maria Theresia die Regentschaft des Vielvölkerstaates übernommen. Obwohl sehr religiös und katholisch, lässt sie sich von der in Europa aufkommenden Aufklärung inspirieren, ist offen für Reformen und stellt ihr Reich in den Bereichen Verwaltung, Militär, Bildung und Gesundheit komplett neu auf.

Wien wird zu einem der kulturellen Zentren in Europa. Künstler, Komponisten, Wissenschaftler und Gelehrte aus ganz Europa zieht es an die Donau. Einer von ihnen ist der holländische Arzt Baron Gerard von Swieten, den Maria Theresia zu ihrem Leibarzt macht.

Van Swieten - ein Mann der Aufklärung

Seine Arbeit beschränkte sich jedoch nicht nur auf die medizinische Betreuung der Herrscherfamilie. Van Swieten galt als einer der "gelehrtesten" Männer von Wien. Er reorganisierte das bisherige Medizinstudium, führte den klinischen Unterricht ein und gründete 1755 die neue Universität in Wien, die heutige Akademie der Wissenschaften.

Van Swieten reformierte darüber hinaus das Gesundheitssystem im Habsburgerreich, begründete Impfprogramme und organisierte den Bau von Krankenhäusern, was die öffentliche Gesundheit massiv verbesserte.

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Der Kampf gegen den Vampirglauben

Wofür Gerard van Swieten aber wohl bekannter war als für seine Bemühung um die Verbesserung der Medizin, war sein Kampf gegen den Aberglauben. Mitte des 18. Jahrhunderts konnte man in den östlichen Ländern des Reiches wie Serbien, Ungarn und Rumänien vermehrt Geschichten über Vampire hören: Es wurde über Leichen berichtet, die auch Tage nach dem Tod keine Anzeichen von Verwesung zeigten.

Gerard van Swieten- Portrait

Portrait des Wissenschaftlers Gerard van Swieten (1700-1772)

Quelle: Imago Images

Die Bevölkerung glaubte, dass Vampire aus ihren Gräbern stiegen, um den Lebenden das Blut auszusaugen, um davon zu leben. Außerdem glaubten die Bauern, dass Vampire Seuchen und Krankheiten verbreiten würden. Nach einigen ungeklärten Todesfällen entstand eine regelrechte Vampir-Hysterie in abgelegenen Dörfern Serbiens und diese Geschichten drangen bis an den Hof nach Wien.

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Wissenschaftliche Fakten statt Aberglaube

Maria Theresia schickte daraufhin Gerard van Swieten, ihren Leibarzt, los, um mit dem Aberglauben aufzuräumen. Van Swieten untersuchte die Leichen aufs Gründlichste und kam zu der Schlussfolgerung, dass die unerwartet langsame Verwesung der Leichen auf natürliche Ursachen wie Temperatur, Bodenbeschaffenheit und Krankheiten der Verstorbenen zurückzuführen sei. Der Leibarzt verurteilte den Aberglauben der lokalen Behörden, der Kirche sowie die Unwissenheit der Ärzte vor Ort.

Er verfasste ein wissenschaftliches Traktat über den "Vampyrismus" und überzeugte Maria Theresia, die 1755 schließlich den sogenannten "Vampir-Erlass" verabschiedete. Fortan war Leichenschändung per Gesetz verboten, die Totenruhe musste unter allen Umständen gewahrt werden, Verstöße wurden hart bestraft.

Teilweise hatten die Bewohner die betroffenen Leichen geschändet, ihnen Holzpflöcke ins Herz gerammt oder die Köpfe abgeschlagen. Durch diese neuen Gesetze trug van Swieten wesentlich dazu bei, den Glauben an Vampire in den betroffenen Gebieten zurückzudrängen.

Inspiration für "Dracula" und "Dr. Van Helsing"

Van Swietens Rolle als wissenschaftlicher "Vampirjäger" machte ihn später zur Inspirationsquelle für die Figur des Dr. Van Helsing in dem weltberühmten Roman "Dracula" von Bram Stoker, der 1897 veröffentlicht wurde. Die Figur des Grafen Dracula ist bis heute prägend für das, was wir uns heutzutage unter einem Vampir vorstellen. Rund um den Globus faszinieren Vampirgeschichten ein Millionenpublikum - auch dank des Vampirjägers aus Wien.

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Quelle: dpa

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