Van Almsick über tödliche Badeunfälle:"Wie viele müssen noch ertrinken, damit wir aufwachen?"
von Melanie Stucke
Die ehemalige Schwimmerin Franziska van Almsick fordert angesichts vieler Badetoter Konsequenzen. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres gab es 261 tödliche Bade-Unfälle.
Tödliche Badeunfälle nehmen dramatisch zu: Allein im Juni 2026 ertranken so viele Menschen in Deutschland wie seit über 20 Jahren nicht. Zugleich können immer weniger Kinder sicher schwimmen.
18.08.2026 | 9:59 minDie mehrfache Weltmeisterin und Olympiamedaillen-Gewinnerin Franziska van Almsick kämpft seit über 15 Jahren mit ihrer eigenen Stiftung dafür, dass wieder mehr Kinder sicher schwimmen lernen. Fehlende Schwimmfähigkeit und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten gehören zu den Ursachen, warum so viele Menschen im Wasser in Not geraten. Deshalb müsse sich endlich etwas ändern, sagt Franziska van Almsick im Gespräch mit ZDF frontal.
Die Frage ist: Wie viel muss noch passieren? Wie viele Menschen mehr müssen es sein, damit wir aufwachen und damit wir da was ändern?
Franziska van Almsick, ehem. Schwimmerin
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, wächst
Ihr Projekt "Schwimm-Kids" unterstützt mit ausgebildeten Schwimmtrainerinnen und -trainern den Schulunterricht. Das ist dringend nötig: Laut einer Forsa-Umfrage hat sich die Zahl der Kinder, die mit acht Jahren gar nicht schwimmen können, von 2017 auf 2022 von zehn Prozent auf 20 Prozent verdoppelt. Die Corona-Pandemie hat den Trend verstärkt.
Franziska van Almsick fordert, dass jedes Kind in der Grundschule die Chance bekommt, sicher schwimmen zu lernen: "Kinder müssen lesen lernen. Und ich finde auch, dass Kinder schwimmen lernen müssen, dass das verankert werden sollte, weil es ein Grundrecht ist."
Immer weniger Hallenbäder in Deutschland
Das Problem: Es gibt immer weniger Hallenbäder in Deutschland, in denen die Kinder üben können. 259 Bäder wurden seit 2.000 geschlossen, 724 Bäder sind so stark sanierungsbedürftig, dass eine Schließung bevorsteht. So fällt in vielen Grundschulen der Schwimmunterricht aus oder findet nur unter erschwerten Bedingungen statt.
Die Hallenbäder in Deutschland sind essenziell für den Schwimmunterricht. Laut DLRG müssen jedoch rund 800 öffentliche Bäder schließen wenn keine umfassende Sanierung stattfindet.
07.02.2025 | 1:47 minIn der Therme Bad Steben im bayrischen Oberfranken werden eigentlich Heilbäder mit Radon und Massagen angeboten. Einmal die Woche dürfen Kinder hier schwimmen lernen, begleitet von ehrenamtlichen Trainern und Trainerinnen der DLRG. Jahrelang warten die Familien auf einen Platz in diesem Schwimmkurs. Sebastian Brandler von der DLRG Bayern tut es leid, dass sie nicht mehr Kinder unterrichten können.
Alle Schwimmkurse in der Region sind ausgebucht. Wir arbeiten so viele Kinder ab, wie wir können.
Sebastian Brandler, DLRG Bayern
Die Bundesregierung reagierte mit dem Modellvorhaben "Deutschland lernt Schwimmen" - 20 Millionen Euro stehen innerhalb von vier Jahren zur Verfügung, um besonders Kindern aus sozial benachteiligten Familien Schwimmunterricht zu ermöglichen. Und im Sanierungsprogramm für kommunale Bäder stellt die Bundesregierung in diesem Jahr rund 250 Millionen Euro zur Verfügung. DLRG-Präsidentin Ute Vogt fordert eine bundesweite strukturierte Planung: Wo haben Grundschulen keine Bäder in erreichbarer Nähe? Und wo könnten mehrere Gemeinden gemeinsam mit den jeweiligen Bundesländern Schwimm-Zentren betreiben? "Wir freuen uns über jedes Bäder-Sanierungsprogramm, aber man muss ehrlich sagen, die Programme sind im Moment ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Vogt.
Menschen überschätzen ihre Schwimmfähigkeiten
In den Sommermonaten leitet Sebastian Brandler den DLRG-Wachdienst am Frankenwaldsee. Dann sind er und sein Team froh über jeden, der sicher schwimmen kann: "Natürlich denken viele, sie können schwimmen, aber die Gefahren im Wasser sind oft größer, als die Leute wahrnehmen. Unser See hier ist nicht gar so riesig, aber auch da wird die Strecke oft unterschätzt, wenn man ihn einmal quer durchschwimmt", erklärt er.
Mindestens 261 Menschen sind bereits dieses Jahr ertrunken. Opfer sind vor allem junge Männer. Die Anzahl der Badetoten ist seit 2021 gestiegen.
06.08.2026 | 1:24 minIn Bayern, wo es besonders viele Seen und Flüsse gibt, ist die Zahl der tödlichen Bade-Unfälle am höchsten. Vor allem Jugendliche und junge Männer überschätzen ihre Fähigkeiten, beobachtet Wachleiter Sebastian Brandler. Nicht nur in Bayern ein Problem: In der bundesweiten DLRG-Statistik zu tödlichen Badeunfällen waren von den elf- bis 30-jährigen Ertrunkenen 95 Prozent männlich.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Es kommt also weiterhin auf die Ehrenamtlichen an, um für sicheren Badespaß im Sommer zu sorgen. Auch deshalb appelliert Franziska van Almsick an die Badegäste: Sie sollten umsichtig und klar im Kopf sein, wenn sie sich in der Nähe von Wasser aufhalten.
Angst ist ein schlechter Begleiter.
Franziska van Almsick, ehem. Schwimmerin
Nur dann könne man das Wasser auch genießen.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Badeunfälle
DLRG Zwischenbilanz 2026:Mehr Badetote: Welche Gründe es gibt und was helfen soll
von Jenifer Girkemit Video1:24Tödliche Badeunfälle im Juni:DLRG: So viele Ertrunkene wie seit 2003 nicht mehr
mit Video2:45Zahlen der DLRG:Badetote: Männer "verunfallen deutlich häufiger"
mit Video9:01