Bundesgerichtshof urteilt:Dürfen private Chat-Nachrichten weitergeleitet werden?
Freundinnen chatten privat, die Freundschaft platzt und die Chats sind plötzlich nicht mehr privat, sondern landen beim Chef. Wie urteilt der Bundesgerichtshof?
Zwei Freundinnen chatten über einen Arbeitgeber. Nach einem Streit werden die Nachrichten weitergegeben und gelangen zur Lebensgefährtin des Chefs. Der betroffenen Mitarbeiterin wird gekündigt.
30.07.2026 | 0:29 minZwei Freundinnen tauschen sich vor drei Jahren via WhatsApp vertraulich über den Arbeitgeber der einen aus - so weit nicht ungewöhnlich. Doch nach einem Streit zwischen den beiden Frauen landen die Chat-Nachrichten bei der Lebensgefährtin vom Chef. Der Mitarbeiterin wird gekündigt.
Es folgt ein Rechtsstreit um 7.500 Euro Schadenersatz und die Frage: Durfte ihre ehemalige Freundin die Nachrichten einfach weiterleiten? Das soll jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) klären.
Verstoß gegen die DSGVO?
Das höchste deutsche Zivilgericht prüft, ob das Weiterleiten der privaten Chats gegen die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstößt. Außerdem könnten Persönlichkeitsrechte der Klägerin bei der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe eine Rolle spielen. (Az. I ZR 256/25)
Tracker sind wie Datenspione, die dem Absender den eigenen Standort verraten. Das Risiko für die digitale Privatsphäre wird immer größer.
12.12.2025 | 1:40 minDas Frankfurter Landgericht und Oberlandesgericht waren im bisherigen Verlauf des Verfahrens zu unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. Ein Urteil wird am Donnerstag aber noch nicht erwartet. Was spricht dafür, dass das Weiterleiten der Chats unzulässig war - und was dagegen?
Landgericht: Chats durften nicht weitergegeben werden
Das Landgericht Frankfurt verurteilte in erster Instanz die Freundin, die die Nachrichten weitergeleitet hatte, zur Zahlung von 7.500 Euro Schadenersatz. Das Gericht sah in der Weiterleitung eine rechtswidrige Datenverarbeitung nach der DSGVO.
Unterwegs mit versteckter Kamera und falscher Identität auf einer Überwachungsmesse: Dort präsentiert ein Unternehmen Spähprogramme, mit denen Smartphones überwacht werden können.
14.10.2025 | 23:25 minEine in den Datenschutzregeln vorgesehene "Haushaltsausnahme" greife in diesem Fall nicht. Diese Ausnahme sieht vor, dass die Vorschriften der DSGVO nicht für "ausschließlich persönliche oder familiäre Tätigkeiten" gelten. In dem konkreten Fall ging die Weiterleitung der Nachrichten durch die Beklagte aber laut Landgericht über eine solche persönliche und familiäre Tätigkeit hinaus.
Bundesbildungsministerin Prien will auch Messenger regulieren. Der Deutsche Lehrerverband hält ein Verbot für unrealistisch. Anlass der Debatte sind Probleme wie Mobbing-Fälle in Klassenchats.
20.03.2026 | 0:31 minOberlandesgericht: Kein Anspruch auf Schadenersatz
Das Oberlandesgericht Frankfurt sah das in der zweiten Instanz grundlegend anders. Auf die Berufung der Beklagten hob es das Urteil des Landgerichts auf und wies die Klage ab. Die DSGVO sei nicht anwendbar, so das Gericht. Die Haushaltsausnahme greife, da die Weiterleitung nicht mit einer beruflichen oder wirtschaftlichen Tätigkeit der Beklagten zu tun hatte.
Der Gesetzesvorschlag zur Chatkontrolle würde "eine Überwachungsinfrastruktur ausrollen, die es so noch nie gegeben hat", so Elina Eickstädt, Sprecherin des Chaos-Computer-Clubs.
09.10.2025 | 3:30 minAuf die berufliche Beziehung zwischen Klägerin und Arbeitgeber komme es nicht an - auch wenn die Beklagte eine Entlassung der Klägerin bezweckt oder zumindest mit der Kündigung gerechnet haben möge. Auch aus dem im Grundgesetz verankerten Persönlichkeitsrecht ergab sich nach Einschätzung des Oberlandesgerichts für die Klägerin kein Anspruch auf Schadenersatz.
Die Beklagte habe zwar rechtswidrig und schuldhaft in die Privat- und möglicherweise sogar Intimsphäre der Klägerin eingegriffen. Die festgestellten Beeinträchtigungen genügten aber nicht, um von einer schwerwiegenden Verletzung auszugehen, so die Frankfurter Richter.
Der Ton in den sozialen Medien ist rauer geworden. Mittlerweile dominieren die fünf großen US-Techkonzerne die sozialen Medien. Welchen Einfluss haben sie auf unsere Demokratie?
25.09.2025 | 41:14 minWorauf kommt es beim BGH an?
Der Fall laufe auf zwei sehr unterschiedlichen Schienen, fasst Niko Härting, IT-Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied beim Deutschen Anwaltverein, zusammen. "Die eine ist das Datenschutzrecht und die andere das Persönlichkeitsrecht." Nach Datenschutzrecht gehe es im Kern darum, wie die Haushaltsausnahme der DSGVO auszulegen sei:
Kommt es ausschließlich auf die Motive desjenigen an, der die Chats weiterleitet, oder reicht es aus, dass der Empfänger diese in einem beruflichen Kontext nutzen kann?
Niko Härting, Deutscher Anwaltverein
Zur Auslegung der Haushaltsausnahme gebe es aber sowohl vom BGH als auch vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bisher kaum Rechtsprechung, sagt Härting. Er hält es daher für möglich, dass die Karlsruher Richterinnen und Richter die Sache dem EuGH zur Klärung der maßgeblichen Frage vorlegen.
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10.07.2026 | 0:44 minSie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
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