Zum Todestag Laura Dahlmeiers:Messner: Ein Steinschlag ist "russisches Roulette"
Extrembergsteiger Simon Messner über Laura Dahlmeier, das wachsende Risiko am Berg und die Frage: Warum macht man trotzdem weiter?
Laura Dahlmeier gehörte zu den erfolgreichsten Biathletinnen der Welt und entdeckte später das Extrembergsteigen für sich.
28.07.2026 | 3:26 minBergrutsche, Steinschläge, Lawinen: Klimatische Veränderungen haben Auswirkungen auf die Gefahrenlage für Bergsportler - besonders in großen Höhen. Zum ersten Jahrestag des Unfalls, bei dem Biathlon-Legende Laura Dahlmeier von einem massiven Steinschlag getroffen wurde, erinnert sich Simon Messner, der Sohn von Reinhold Messner, an eine Bergsteigerin, die "fürs Klettern lebte".
ZDFheute: Kann ein solcher Unfall jedem passieren?
Simon Messner: Die ehrliche Antwort ist ja: Es kann jedem passieren. Ein Stein, der von oben kommt, den kann man nicht lenken, das ist unmöglich. Das ist ein bisschen wie russisches Roulette, heute deutlich mehr als früher. In den letzten Jahrzehnten hat sich am Berg sehr viel verändert. Diese klimatischen Veränderungen spüren wir überall, vor allem in großen Höhen, wie im Karakorum-Gebirge und im Himalaya, wo die meisten Gipfel über 6.000 Höhenmetern liegen.
Die Ex-Biathletin Laura Dahlmeier war weit über den Sport hinaus geschätzt. Ihr früher Tod erschüttert. ZDF-Reporter Nils Kaben mit einer persönlichen Erinnerung an eine Freundin.
01.08.2025 | 2:00 minZDFheute: Was können Bergsteigerinnen und Bergsteiger selbst gegen Gefahren tun?
Messner: Da hat man schon relativ viel in der Hand - aber bei Steinschlag und Lawinen wird es schwierig. Sonst kann man mit einer guten Vorbereitung schon einiges Gefahren vermeiden.
... ist Extrembergsteiger und Sohn des Bergsteigers Reinhold Messner. Laura Dahlmeier befragte ihn vor ihrer letzten Expedition ins pakistanische Karakorum-Gebirge zu einem Gipfel in diesem Gebiet.
ZDFheute: Warum will man trotz wachsender Gefahr weiterhin solche Touren machen?
Messner: Das ist die Urfrage schlechthin: Wieso macht man das? Es gibt in diesem Sinn nicht eine Erklärung, sondern Tausende. Jeder Bergsteiger weiß, wieso er das macht. Ich würde sagen, je jünger man ist, desto mehr verdrängt man das tendenziell. Aber je älter man wird, irgendwann stellt man sich die Frage: Steht das noch im Verhältnis?
Bei mir kam der große Umbruch, als ich selbst Vater wurde. Weil man ja weiß, es kann immer was passieren.
Ich habe in den letzten Jahren einige Partner und Freunde in den Bergen verloren, genau wie es die Laura in ihrem engen Umfeld auch erlebt hatte. Bis es ihr dann selbst passiert ist.
Simon Messner, Bergsteiger
ZDF-Biathlon-Reporter Nils Kaben spricht darüber, wie Laura Dahlmeier leidenschaftlich über das Bergsteigen berichtet hat. Sie wusste um das Risiko, so Kaben, aber es war auch ihr großes Glück.
31.07.2025 | 3:26 minZDFheute: Was hat Sie an Laura Dahlmeier beeindruckt?
Messner: Was mir bei der Laura Dahlmeier so wahnsinnig imponiert hat ist, dass sie trotz ihrer Bekanntheit so am Boden geblieben ist. Ich habe Laura selbst ein paar Mal getroffen beim Eisklettern im Winter. Auch das spricht für sie, weil das eine sehr spezielle Disziplin ist beim Bergsteigen. Und da habe ich sie sofort identifiziert als jemand, der wirklich fürs Klettern lebt. Die Laura hat nach ihrer sportlichen Karriere auf Weltniveau ein zweites Leben in den Bergen entdeckt, wenn man so will.
ZDFheute: Das war wohl auch einer der Gründe, warum sie mit 25 Jahren ihre Profi-Karriere beendet hat. Um mehr Zeit fürs Bergsteigen zu haben.
Messner: Ja - und man muss auch bedenken: Der Profisport ist was ganz anderes als Bergsteigen, erst Recht als Extrembergsteigen. Die Laura hat es wunderbar geschafft, ihr ganzes Know-how, das sie über viele, viele Jahre im Profisport gesammelt hat, in die Berge zu übersetzen. Das rechne ich ihr sehr hoch an, dass sie den Willen hatte, diese Art des Bergsteigens zu betreiben.
Laura Dahlmeier persönlich: In der ZDF-Doku (2024) spricht die Biathlon-Legende über ihr Leben nach der Sport-Karriere als Bergführerin und Alpinistin und auch über die Gefahren.
13.12.2024 | 43:32 minZDFheute: Kurz vor ihrem Tod nahm Laura Dahlmeier Kontakt zu Ihnen auf. Worum ging es da?
Messner: Sie hat mich mehrmals angerufen vor ihrer Expedition, weil sie Informationen haben wollte zu diesem speziellen Gebiet, wo ich mich doch ein bisschen auskenne. Dieses Gebiet ist spannend, weil noch einige Berge unbestiegen sind, bis heute. Ein Playground für große Alpinisten, wenn man so will.
Laura informierte sich bei mir aber nicht über den Laila-Peak, wo sie dann leider verunglückt ist, sondern hatte sich für einen anderen Berg interessiert, der bis dato nur einmal bestiegen wurde.
Simon Messner, Bergsteiger
Das ist ein Zugang, wo man die Erfahrung über die reine Schwierigkeit setzt. Und das schätze ich sehr bei der Laura. Sie war genau in diesem traditionellen Alpinismus unterwegs.
Das Interview führten Patricia Schäfer und Caroline Schubert.
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