Mord und Betrug: Wie Luke D'Wit das Ehepaar Baxter täuschte

Doppelmord mit Fentanyl:Das digitale Lügennetz eines skrupellosen Mörders

von Bettina Blaß

|

Luke D'Wit spielte den besorgten Freund eines Ehepaars, gab sich aber auch als Ärztin aus. Mit Lügen und digitalen Tricks manipulierte er Carol und Stephen Baxter bis in den Tod.

Aufnahme aus einer Überwachungskamera: Ein Mann im mittleren Alter sitzt an einem Tisch in einem Vernehmungsraum.

April 2023 auf der malerischen Insel Mersea in England: Ellena Baxter findet ihre Eltern tot im Wintergarten ihres Hauses. Schnell im Verdacht: Luke D'Wit als Freund der Familie.

05.10.2026 | 44:08 min

Luke D'Wit war einer, auf den man sich verlassen konnte: immer hilfsbereit und engagiert. Carol und Stephen Baxter lernten den etwa 30 Jahre jüngeren Luke kennen, nachdem sie nach Mersea Island in der englischen Grafschaft Essex gezogen waren. Weil Luke sich mit Computern auskannte, unterstützte er die beiden bald bei IT-Arbeiten in ihrer Firma.

Carol litt an einer Schilddrüsenerkrankung. Und als es ihr immer schlechter ging, kümmerte er sich um sie und stellte unter anderem Medikamente für sie zusammen.

Luke war bei den Baxters ein- und ausgegangen. Für Carol und Stephen war er wie ein Adoptivsohn. Mit der Zeit hat er auch eine Art Pflegerrolle übernommen.

Lydia George, damals leitende Ermittlerin

Das Ehepaar Baxter steht am Ufer und küsst sich auf die Lippen. Im Hintergrund liegen mehrere Boote im Meer.

Der Traum vom ruhigen Lebensabend auf Mersea Island endete für das Unternehmer-Ehepaar Baxter tragisch.

Quelle: ZDF und © Candour Productions

Plötzlicher Tod des Ehepaares Baxter wirft Fragen auf

Am 9. April 2023 fand Ellena Baxter, die Tochter von Carol und Stephen, ihre Eltern tot in ihrer Wohnung auf. Die Ermittlungen liefen schnell an.

Wegen seines engen Kontakts zu den Baxters zählte auch Luke D'Wit zu den Verdächtigen. Die Polizei fand bei ihm 18 Handys und zehn Laptops - und erhebliche Mengen an Medikamenten.

Die Farbfotografie zeigt einen Schreibtisch in einem Büro oder Verwaltungsraum. Im linken Bildbereich liegen mehrere übereinander gestapelte Blätter und Formulare auf dem hellen Tisch – teils weiß, teils blau. Einige der Dokumente sind am unteren Rand deutlich mit blutigen Abdrücken oder Spritzern beschmutzt. Ein schwarzer Kugelschreiber liegt zwischen den Papieren.

Eine Frau wird erschossen, eine andere erstickt – und eine dritte verschwindet spurlos. Die Ermittler versuchen bei drei Morden, Licht ins Dunkel zu bringen und die Täter zu fassen.

23.04.2026 | 44:28 min

Tausende Mails mit angeblicher Ärztin geschrieben

Als die Polizei sein Handy überprüfte, stießen die Ermittler auf die App "mail.com". Darüber hatte der IT-Spezialist einen Mail-Account auf Dr. Andrea Bowden registriert, angeblich eine US-amerikanische Fachärztin, in Realität jedoch Luke D'Wit selbst.

Carol stand mit dieser virtuellen Ärztin in regem Mailaustausch und war Mitglied in ihrer WhatsApp-Gruppe. Die ZDFinfo-Dokumentation "Doppelmord mit Fentanyl" zeigt, dass die Ermittler Tausende E-Mails fanden, die zwischen Andrea Bowden und Carol hin- und hergingen. Dabei nannte die angebliche Fachärztin Dr. Andrea Bowden Carol zum Beispiel "Liebes", übermittelte ihr Regeln, Übungen und einen Medikamentenplan.

Im Vordergrund ein Schnappschuss des Mörders Luke D´Wit mit der Tochter der Opfer. Im Hintergrund Smartphones und weiße Tabletten.

Ein wohlhabendes Unternehmer-Ehepaar stirbt an einer tödlichen Dosis Fentanyl. Die Ermittler enthüllen ein perfides Netz aus Lügen und tödlicher Manipulation.

05.10.2026 | 43:54 min

Ein Medikamentencocktail führte zum Tod

Luke D'Wit hatte eine digitale Welt geschaffen und damit Carol und Stephen manipuliert. Weder die angebliche Ärztin noch die restlichen Mitglieder in der WhatsApp-Gruppe existierten wirklich. Die Baxters glaubten, mit diesen fiktiven Menschen befreundet zu sein. Tatsächlich kommunizierten sie die ganze Zeit mit nur einer Person: Luke D'Wit. Er hatte ganze Lebensgeschichten erfunden und E-Mail-Adressen sowie Telefonnummern eingerichtet.

Schließlich stießen die Ermittler auf ein zentrales Beweisstück: den erfundenen Dr. Alan Mandell, in Wahrheit ebenfalls Luke D'Wit. Er bot den Baxters online eine "Leberkur" für Paare an und gab genaue Anweisungen, wie das Getränk für die Leber angesetzt und getrunken werden musste. Luke selbst war es, der den Mix aus heißem Wasser, Zitronensaft und aufgelösten Aspirin-Tabletten für die Baxters herstellte. Allerdings gab er auch eine tödliche Dosis Fentanyl hinzu.

Sehen Sie die zweiteilige Doku "Doppelmord mit Fentanyl" am 18. Dezember um 23:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Zu lebenslanger Haft verurteilt

Auf Fotos vom späten Nachmittag des Todestags, die man auf D'Wits Handy gefunden hatte, sah man, dass die Baxters in ihren Sesseln im Wohnzimmer saßen und nicht bei klarem Bewusstsein waren. Eine Überwachungskamera filmte Luke D'Wit kurz vor 20 Uhr, als er die Tür zum Haus der Baxters hinter sich schloss und den Schlüssel zweimal umdrehte. Dann ging er nach Hause. Die Baxters starben am Fentanyl. Bei Carol wurde zusätzlich eine tödliche Dosis Promethazin festgestellt.

Luke D'Wit wurde wegen Mordes an Carol und Stephen Baxter verurteilt. Der Richter sah sein Hauptmotiv in dem Wunsch, andere zu kontrollieren. Er erhielt lebenslange Haft. Frühestens nach 37 Jahren kann er auf eine Entlassung hoffen.

Ellena Baxter blickt an einem Strand mit Strandhütten nachdenklich aufs Meer.

Trügerische Idylle: Im April 2023 fand Ellena Baxter ihre Eltern tot in ihrem Haus auf Mersea Island. Auch Ellena Baxter wurde von Luke D'Wit manipuliert.

Quelle: ZDF und © Candour Productions

D'Wit manipulierte auch Tochter der Baxters

Nach dem Tod von Carol und Stephen Baxter trieb Luke D'Wit das Spiel mit dem erfundenen Freundeskreis des Paares sogar noch weiter. Er kommunizierte als "Jenny" mit der Baxter-Tochter Ellena. Sie war zu diesem Zeitpunkt schwanger.

Ich hab' mich damals so allein gefühlt. Und Jenny hat regelmäßig gefragt, wie es mir geht.

Ellena Baxter, Tochter der Verstorbenen

Nach der Geburt ihres Kindes sagt Ellena, ihr sei plötzlich klar geworden, "dass mein ganzes Leben seit Jahren eine Lüge gewesen ist. Und sehr wahrscheinlich Luke dahintersteckte".

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Über dieses Thema berichtete ZDFinfo am 09.10.2026 ab 08:35 Uhr.

Mehr zum Thema Kriminalität

  1. Duane Davis (M) wird von der Polizei in den Gerichtssaal geführt. Aufgenommen am 13.10.26 in  Las Vegas, USA

  2. USA, Erie, Pennsylvania: Polizisten stehen vor dem Haus in Erie, Pennsylvania, wo am 10. Oktober 2026 neun Familienmitglieder bei einem mutmaßlichen Familienstreit ums Leben kamen.

    Zwei Kleinkinder unter den Opfern:"Tragödie": Mann in Pennsylvania löscht ganze Familie aus

    mit Video0:29

  3. Die Beine eines am Boden liegenden Menschen liegen im Scheinwerferlicht eines Polizeifahrzeugs in der Dunkelheit auf Laub.

    Polizistenmord von Augsburg:Der Täter, der zweimal tötete

    von Rebecca Ricker
    mit Video42:48

  4. Wissenschaftler untersucht DNA-Sequenz

    Maske schützte nicht die Arme:Fehler des Verteidigers und Venenstruktur entlarven Mörder

    von Bettina Blaß
    mit Video44:36

Weitere ZDFinfo-Dokus

  1. Eine junge Frau mit vielen sichtbaren Tätowierungen an Armen und Hals sowie mehreren Piercings im Gesicht.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Provokant schön

    Video44:22

  2. Zentral Alexander der Große, Kopf an Kopf mit seinem schwarzen Pferd. Unscharf im Hintergrund ein macedonisches Feldlager.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Der Weg zur Macht

    Video43:56

  3. Zentral Alexander der Große, in fürstlichen Gewändern, eine Tiara auf dem Kopf. Er blickt in die Ferne. Unscharf im Hintergrund persische Tempelanlagen
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Der König von Asien

    Video43:43

  4. Zentral Alexander der Große, in voller Rüstung, ein Schwert in der Hand. Er blickt entschlossen. Unscharfi m Hintergrund seine Phalanx.
    Vorab

    Doku | ZDFinfo Doku:Der Eroberer

    Video44:21