Leben mit Inklusion: Junges Ehepaar mit Down-Syndrom

Leben mit Inklusion:Ehepaar mit Down-Syndrom: "Dranbleiben - nicht aufgeben!"

von Michaela Schmehl

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Alleine leben, selber arbeiten, eine Partnerschaft haben - all das wird Menschen mit Behinderung oft nicht zugetraut. Einem jungen Paar mit Down-Syndrom ist es gelungen.

Hanna auf einem Einrad, lehnt sich an ihren Mann Silas

Hanna und Silas leben mit Down-Syndrom selbstbestimmt: Sie sind verheiratet, wohnen zusammen, meistern ihren Alltag mit Unterstützung und arbeiten in inklusiven Projekten.

04.04.2026 | 15:00 min

Hanna und Silas Gaub haben sich ihren Traum erfüllt: Heiraten. Was für andere ganz normal klingt, war für die beiden jungen Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet etwas Besonderes. Die 24-jährige Hanna und der 25-jährige Silas haben das Down-Syndrom. Die Veränderung, dass das 21. Chromosom dreimal vorkommt (Trisomie 21), bewirkt, dass alles im Körper etwas langsamer funktioniert. Vom Laufen bis hin zum Lernen. Wie trotzdem ein gutes Leben gelingen kann, zeigt das junge Paar mit Mut und Freude im Alltag.

Hanna und Silas Gaub mit Hut

Glückliches Paar: Hanna und Silas Gaub

Quelle: privat

Hanna und Silas wohnen seit rund einem Jahr zusammen: "Ich bin seine Frau jetzt", sagt Hanna stolz und erinnert sich an den Beginn ihrer Beziehung vor fast sechs Jahren.

Ich habe FSJ gemacht, Bundesfreiwilligendienst in Eppstein. (...) Da hat der Silas mich angelacht.

Hanna Gaub

Silas wiederum liebt Hannas Lachen. Die beiden verstehen sich. 2024 verloben sie sich, ein Jahr später folgt die kirchliche Trauung. Eine "Traumhochzeit", wie Hannah erzählt. Sie im Brautkleid und Silas im hellblauen Anzug: "wie der Himmel". Silas ergänzt, sie hätten sich "sehr gefreut", dass so viele Leute bei der Hochzeit gewesen seien.

Hochzeitsfoto Hanna und Silas Gaub

Im Jahr 2025 haben Hanna und Silas Gaub ihren Traum verwirklicht und geheiratet.

Quelle: privat

Nur sehr wenige Menschen mit Trisomie 21 wagen bisher diesen Schritt. Und viele trauen ihnen den auch nicht zu. Ebenso wenig wie selbstständiges Wohnen und Arbeiten.

"Positiv überrascht, dass es so gut geht"

Silas und Hanna zeigen, dass es funktionieren kann. Sie wohnen alleine in einem Haus, gehen einkaufen, kochen zusammen. Auch wenn sie bei der Hausarbeit, dem Umgang mit Geld oder Behörden etwas Hilfe brauchen. "Wir sind eigentlich ganz positiv überrascht, dass es so gut geht mit der Unterstützung auch durch einen ambulanten Pflegedienst", berichtet Silas' Mutter Gisela Gaub.

Hanna und Silas Gaub einkaufen zu zweit

Was gibt's zu Essen? Hanna und Silas Gaub beim gemeinsamen Einkauf.

Quelle: ZDF

Zur Arbeit fahren Hanna und Silas mit Bus und Bahn. Sie sind beide berufstätig. Keine Selbstverständlichkeit für Menschen mit Trisomie 21 - erst recht nicht mit nicht behinderten Menschen zusammen in einem Betrieb. Dabei bedeutet dies vor allem Wertschätzung, wie Hannas Chef erklärt.

Arbeiten macht ganz, ganz viel aus. Das erleben wir täglich. Dass das ganz viel Selbstbewusstsein bringt: Ich bin inklusiv in der Gesellschaft. Ich bin Teil der Gesellschaft. (...) Und ich leiste etwas.

Ralf Thies, Bereichsleitung ‚Startklar‘, Schlockerhof

Hanna Gaub an Kaffeemaschine

Hanna Gaub arbeitet als Service-Kraft in einem inklusiven Café.

Quelle: ZDF

"Absolute Powerfrau" und starker Mann

Hanna arbeitet in einem inklusiven Café und in einem nachhaltigen Obstanbaubetrieb. Sie liebt ihre Arbeit. Und die Arbeitgeber schätzen das: "Dann haben wir festgestellt, dass sie eine absolute Powerfrau ist. Sie kann alles. Sie macht alles. Sie ist super aufmerksam, sie ist auch extrem organisiert", berichtet Gerborg Böde, Betreiberin von "Stolze Gärtner".

Silas hat eine Ausbildung in einem inklusiven Gartenbetrieb gemacht und ist dann übernommen worden. Ziel war, "dass Silas hier so lernt, dass er die Arbeiten selbstständig machen kann", sagt Chefin Ute Posenenske vom "Chamisso-Garten". Sie schätzt seine Kraft und sein Engagement.

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Den Großteil seiner Schulausbildung hatte Silas an einer inklusiven Schule in Japan, wo seine Eltern früher arbeiteten. Gemeinsamen Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung hätte sich seine Mutter bei der Rückkehr auch weiterhin gewünscht. Zumal die UN-Behindertenkonvention von 2006 das Recht auf inklusive Beschulung vorsieht. Aber hier kam Silas an eine Förderschule. Eine große Umstellung, auch weil viele Mitschüler nicht sprachen. "Ich hatte den Eindruck: huch, Silas fängt zu stottern an hier in Deutschland", erzählt seine Mutter. Dabei kann er eigentlich sogar zwei Sprachen sprechen - auch Japanisch.

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Das spricht er nun in der Freizeit - und Hanna übt fleißig mit. Auch einige Hobbys teilen sie, etwa Klettern gehen oder Einrad fahren. Zudem spielt Hanna Klavier.

Man muss einfach auch diesen Menschen zutrauen, dass sie vieles können, was wir manchmal denken, dass gar nicht geht.

Christine Grieshammer, Mutter Hanna

Vor Kletterwand Silas und Hanna Gaub zu zweit

Klettern ist ein gemeinsames Hobby von Silas und Hanna Gaub

Quelle: ZDF

Erfolgreiche Sportler

Zutrauen gilt auch für den Sport. Hanna und Silas haben für die Special Olympics trainiert und 2025 bei diesen Wettbewerben für Menschen mit kognitiven Einschränkungen viele Medaillen erreicht: im Laufen, Weitsprung und im Schwimmen. Abgesehen vom Erfolg hilft ihnen das auch gesundheitlich. Für Menschen mit Down-Syndrom ist Bewegung besonders wichtig für die körperliche und mentale Fitness. Und es zeigt: Anstrengung lohnt sich und macht zufrieden.

Das ist ganz wichtig: Dranbleiben - nicht aufgeben. Immer schön dranbleiben.

Hanna und Silas Gaub

Quelle: ZDF
Darüber berichtete die ZDF-Sendung "einfach Mensch" ab dem 17. März 2026 im Beitrag: "Leben mit Inklusion" - Silas und Hanna Gaub: Traut uns das zu!

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