Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:In Zoos Artenschutz und Naturschutz zusammendenken
von Theo B. Pagel
In einer Zeit, in der immer mehr Tiere durch die Menschen vom Aussterben bedroht sind, haben Zoologische Gärten eine wichtige Aufgabe: Sie tragen zum Erhalt der Biodiversität bei.
Quelle: Kölner Zoo
Zoologische Gärten sind kulturelle Einrichtungen, die es schon seit über 2.000 Jahren gibt. Durch die veränderten Umweltbedingungen fallen ihnen heute ganz andere Aufgaben zu als früher.
Moderne, wissenschaftlich geführte Zoologische Gärten sind national, regional und global organisiert. Sie agieren als anerkannte Bildungs-, Forschungs- und Artenschutzeinrichtungen und bieten zudem gerade der zunehmend von der Natur entfremdeten Bevölkerung einen Zugang zu Natur und Erholung.
Kritiker fordern hingegen, besser in den Schutz der Lebensräume der Tiere zu investieren anstatt sie in Zoos zu halten. Ich finde: Wir müssen beides zusammen denken. Und das tun moderne Zoos auch bereits.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Der One Plan Approach - ganzheitlicher Artenschutz?
Der One Plan Approach (OPA) ist ein allumfassender, ganzheitlicher Plan zum Schutz der Artenvielfalt, erfunden von der Weltnaturschutzunion (IUCN). Die Idee: Schutzmaßnahmen werden nicht getrennt gedacht, sondern verbunden - in natürlichen Lebensräumen (in situ) und außerhalb, etwa durch Zuchtprogramme in Zoos (ex situ).
Dafür arbeiten alle Akteure zusammen: Regierungen, Naturschutzorganisationen, Zoos, Privathalter. Für Zoos bedeutet der "OPA", dass sie direkte Beiträge zum Schutz der Wildpopulationen leisten. Das tun sie durch Bildung, Forschung, Fundraising bis hin zu Erhaltungszucht und Auswilderung.
Wildnis mitten in der Stadt: Zoos stehen für Unterhaltung, gleichzeitig auch für Bildung, Forschung und Artenschutz. Aber kann es Wildtieren in Gefangenschaft überhaupt gut gehen? Das erkundet Harald Lesch für "Terra X".
04.05.2026 | 29:36 minTiergerechtes Leben durch "Enrichment"?
Zoos werden auch dafür kritisiert, dass sie nicht die Gegebenheiten des natürlichen Lebensraums der Tiere bieten können, der für ein erfülltes Tierleben im Sinne des Tierwohls notwendig wäre. Auch wenn ein Zoo tatsächlich nie die Natur abbilden kann, engagieren sich wissenschaftliche Zoos dafür, Angebote für die Tiere zu schaffen, damit sie ihr natürliches Verhalten dennoch ausleben können.
Dies gelingt beispielsweise durch "Enrichment", also Beschäftigungsmöglichkeiten, die denen aus ihrem natürlichen Lebensraum ähneln. Meiner Meinung nach können Tiere daher sehr wohl ein tiergerechtes Leben im Zoo führen, auch wenn ihr Leben in der Natur ein anderes wäre, oft ein deutlich stressigeres und kürzeres.
Im Tiergarten Nürnberg gibt es Nachwuchs bei den Schabrackentapiren, die als stark gefährdete Tierart gelten. Umso erfreulicher: Es ist bereits das zweite Baby der Tapire.
02.04.2026 | 1:26 minTierschutz: So werden Zoos kontrolliert
Zoos unterstehen auch strengen Tierschutz-Richtlinien. Wer Tiere zur Schau stellen möchte, so heißt es im Gesetz, der bedarf einer entsprechenden Genehmigung. Diese ergeben sich aus der EU-Zoorichtlinie, der Bundesartenschutzverordung und Paragraf 11 Tierschutzgesetz. Zoos werden von den zuständigen Unteren Naturschutzbehörden und Veterinärämtern streng kontrolliert. Darüber hinaus werden Mitglieder des Europäischen Zooverbandes (EAZA) alle fünf Jahre intensiv gescreent.
Neuerdings haben einige Zoos durch die Global Humane, eine Tierschutzorganisation, zusätzlich ein Tierwohlzertifikat erhalten, dem ein ebenfalls intensives Screening vorausgeht. Zudem arbeiten im Zoo Fachleute, gelernte Zootierpfleger*innen, studierte Biolog*innen sowie Veterinärmediziner*innen. In Sachen Tierhaltung orientieren sie sich an "Best Practice Guidelines" des EAZA.
Theo B. Pagel spricht mit Harald Lesch über die Rolle von Zoos beim Thema Artenschutz.
29.04.2026 | 8:28 minZoos sind weiterhin anerkannte Partner
Im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung Deutschlands steht: "Zoologische Gärten sind wichtige Institutionen des Artenschutzes und der Bildung, deren Arbeit und Investitionen wir unterstützen. Zusätzliche Haltungsverbote in zoologischen Einrichtungen lehnen wir ab."
In einer Stellungnahme der Species Survival Commission (SSC) der IUCN von 2023 wird die führende Rolle von Botanischen Gärten, Aquarien und Zoos in Praxis und Wissenschaft des Artenschutzes ebenfalls unterstrichen.
Zoos sind beliebt, doch die Debatte über Tierwohl und Artenschutz bleibt kontrovers. Anhand von 13 Fragen wollen wir klären: Sind Zoos wichtige Schutzorte oder Gefängnisse für die Tiere?
10.05.2023 | 38:16 minZoologische Gärten wollen für Artenschutz begeistern
Mit ihren Tieren, die fast überwiegend schon in menschlicher Obhut geboren wurden, wollen wissenschaftlich geführte Zoos Menschen für Tiere begeistern. Dies tun sie durch an aktuellen Standards orientierte Haltung und intensive Edukation.
Sie lehren von der Vorschule bis hin zur Universität und informieren in den Zoos selbst über die Tiere, deren Biologie, aber auch zunehmend über Umwelt und Nachhaltigkeit. Über 60 Millionen Menschen besuchen in Deutschland jährlich Zoologische Gärten, das zeigt das Interesse der Menschen. Eine Chance, das Bewusstsein für Artenschutz in der Bevölkerung zu schärfen.
Es ist das größte Massensterben seit 65 Millionen Jahren: Täglich verschwinden auf der Erde rund 150 Arten. "Mission Artenschutz" zeigt, wie Menschen weiteres Artensterben verhindern wollen.
16.01.2025 | 29:48 min... begann nach dem Studium der Biologie seine Arbeit im Kölner Zoo. Er versteht sich als Arten- und Naturschützer, der Umweltbildung betreibt. Die Liebe und das Interesse an der Natur, speziell den Tieren, sind sein Antrieb. Es geht ihm um den ganzheitlichen Blick - der Erhalt der Biodiversität ist seiner Meinung nach für die Menschen essentiell.
Er lehrt an der Universität Köln, engagiert sich international im Artenschutz - unter anderem bei der Weltnaturschutzunion (IUCN) - und war Präsident des Weltzooverbandes (WAZA). Dort initiierte er "Reverse the Red", eine Initiative zum Schutz bedrohter Arten. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.
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