Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Virtuelles Wasser: Der wahre Durst unseres Lebensstils
von Christian Scharun
Wer glaubt, unser Wasserverbrauch beschränke sich auf den eigenen Wasserhahn, irrt gewaltig. Wie stark unser Lebensstil von globalen Ressourcen abhängt, bleibt meistens unbemerkt.
Wasser spielt in nahezu allen Bereichen unseres alltäglichen Lebens eine große Rolle. Egal ob als Mineral- oder Leitungswasser, zum Abwaschen, bei der Körperpflege oder der Autowäsche. Etwa 130 Liter kommen täglich pro Person auf diese Weise zusammen.
Doch neben dieser offensichtlichen Nutzung haben wir alle einen Wasserfußabdruck, der bedeutend größer und weitreichender ist. Ausgerechnet dort, wo relevante Größen verbraucht werden, halten offizielle Stellen die wahren Zahlen zurück.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Transparenz der Industrie - Fehlanzeige
Neben der öffentlichen Wasserversorgung der Haushalte ge- und verbrauchen vor allem der Energiesektor sowie das verarbeitende Gewerbe Unmengen an Wasser. Doch während der Verbrauch Zuhause sehr exakt berechnet wird, ist die Frage nach dem genauen Einsatz der Ressource bei der Industrie oft unklar.
Recherchen von "Correctiv" ergaben, dass in vielen Bundesländern weder die Konzerne selbst noch die Behörden großes Interesse zeigten, genaue Werte diesbezüglich zu kommunizieren.
Deutschland, ein wasserreiches Land? Die Grundwasserstände zeigen bedenkliche Trends. Die Aufbereitung des Trinkwassers wird teurer, aber die Entnahme für Industrie und Co. bleibt meist günstig - auf unsere Kosten?
22.03.2026 | 30:19 minSeltene Transparenz herrscht in Nordrhein-Westfalen, dort entnimmt vor allem der Energieriese RWE circa 500 Millionen Kubikmeter pro Jahr aus dem Rhein und Grundwasser - eine Menge, die für etwa 11 Millionen Menschen ausreichen würde. Dafür zahlt RWE mit maximal 5 Cent pro Kubikmeter 30 bis 50 Mal weniger als Privatpersonen.
Virtuelles Wasser aus fernen Ländern
Die Tatsache, dass die Industrie und das verarbeitende Gewerbe so viel Wasser aus dem System entnehmen, macht deutlich: Unser Wasserverbrauch geht weit über die 130 Liter des Alltags zuhause hinaus. Das Konzept des Wasserfußabdrucks rechnet die Wassermenge, die im Herstellungsprozess einer Ware benutzt oder verschmutzt wird, mit ein.
Wir verändern das scheinbar unerschöpfliche Element, von dem das Leben auf der Erde abhängt. Wir verschmutzen es, bauen Landschaften um und greifen in wichtige Naturkreisläufe ein.
22.03.2020 | 43:42 minWasser steckt als wertvolle Ressource in allen Konsumgütern, die wir kaufen und nutzen. Dieses sogenannte virtuelle Wasser ist gebunden in Jeanshosen, Avocados, dem morgendlichen Kaffee und unseren Handys - zu Lasten von Ländern, in denen das Wasser entnommen werden muss und die das kostbare Nass nicht im Übermaß haben.
Die Farben des Wassers
Eine Unterscheidung ist dabei wichtig, denn das virtuelle Wasser wird unterteilt in drei Farben: "Grünes Wasser" ist das natürliche Regen- oder Grundwasser.
"Blaues Wasser" beschreibt das, was für die Produktion aus Flüssen oder dem Grundwasserkörper entnommen wird und nicht wieder dorthin zurückgeführt werden kann.
Als "Graues Wasser" bezeichnet man die Menge an Frischwasser, die notwendig wäre, um eine durch das Produkt verursachte Verschmutzung von Wasser so weit zu verdünnen, dass gesetzliche Anforderungen wiederhergestellt sind.
Trocknet Deutschland die Welt aus?
Um zu bewerten, wie problematisch der Wasser-Rucksack einer Ware wirklich ist, ist die Verfügbarkeit von Wasser am Produktionsort entscheidend. Ist in einer Region ausreichend grünes Wasser durch Regenfälle vorhanden, können auch vergleichsweise wasserintensive landwirtschaftliche Produkte nachhaltig sein, während der Einsatz von blauem Wasser in trockenen Gebieten offensichtlich problematisch ist.
Wasser ist das Lebenselexir. In einem ewigen Kreislauf bewegt es sich rund um die Erde. Nichts kommt hinzu, und nichts geht verloren. Doch wie viel Wasser gibt es überhaupt auf der Erde?
08.08.2019 | 5:29 minFür jeden Menschen in Deutschland kommt auf diese Weise ein Wasserfußabdruck von etwa 7.200 Litern zustande, die jeder von uns täglich als virtuelles Wasser konsumiert. Das ist pro Jahr und Person etwa so viel, wie in ein Olympisches Schwimmbecken passt.
Unsichtbare Wasserimporte
Fast 90 Prozent dieser Wassermenge, die wir in Form von Kleidung und Textilien, landwirtschaftlichen Erzeugnissen oder anderen Lebensmitteln importieren, stammt aus anderen Ländern - hauptsächlich aus denen des globalen Südens.
Sauberes Trinkwasser ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Noch. Denn unsere Wasserreserven schrumpfen. Mit jedem Grad Celsius, den sich unsere Erde erwärmt, spitzt sich das Wasserproblem zu.
23.06.2025 | 28:30 minDiese unsichtbare Verlagerung zeigt, wie eng unser Alltag mit Orten verknüpft ist, deren Ressourcen für unseren Lebensstil entscheidend sind. Es ist deshalb vor allem unsere Verantwortung, die Weichen zu stellen für einen gerechten und nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser in einer vom Klimawandel gebeutelten Welt.
... ist wissenschaftlicher Autor in der Redaktion von MAITHINK X. Wissenschaftliche Inhalte kommuniziert er auf unterhaltsame Art und Weise auch bei Science Slams sowie auf YouTube und anderen sozialen Netzwerken. 2022 konnte er mit "FameLab Germany" einen der größten Wettbewerbe für Wissenschaftskommunikation gewinnen. Neben seiner Passion für die Wissenschaft selbst war Christian Scharun als Klimaforscher aktiv. Dabei beschäftigte er sich mit den Emissionen von Treibhausgasen und simulierte mit Klimamodellen ihren Beitrag zur globalen Erwärmung.
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