Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Was eine Sepsis so gefährlich macht - für jeden
von Matthias Gründling
Sepsis ist tödlicher als Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen. Warum die Krankheit so gefährlich ist und was Medizin und Gesellschaft dagegen tun können.
Sepsis ist häufig und endet oft tödlich - egal ob jung, alt, gesund oder vorerkrankt. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II., Fürst Rainier III. von Monaco und Schauspieler Christopher Reeve starben an einer Sepsis. Die Krankheit kann jeden treffen, jederzeit, unerwartet und plötzlich.
Sepsis - was ist das?
Umgangssprachlich wird Sepsis oft als Blutvergiftung bezeichnet. Eine klassische Vergiftung ist sie jedoch nicht, auch wenn bakterielle Toxine (Gift) eine Rolle spielen können. Medizinisch betrachtet ist eine Sepsis die außer Kontrolle geratene Immunreaktion des Körpers auf eine Infektion. Sie führt zu Organversagen und ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Häufigste Ursachen für eine Sepsis sind Lungenentzündungen, gefolgt von Harnwegsinfektionen, Infektionen im Bauchraum und Knochen- und Weichteilinfektionen. Ein erhöhtes Risiko haben immungeschwächte Menschen, wie Krebspatienten und Personen, die Immunsuppressiva einnehmen bei Rheuma oder Asthma.
Auch Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten als Risikofaktoren. Trotzdem kann die Sepsis auch völlig gesunde Menschen überraschen. Warum ist noch nicht bekannt.
Wettlauf gegen die Zeit: Sie ist ein tückischer Killer - oft zu spät erkannt. Bringen digitales Screening und Aufklärung Rettung? Helfen neue Schnelltests, die Sepsis zu stoppen?
30.04.2026 | 12:00 minWarum eine Sepsis so schwer zu erkennen ist
Eines der größten Probleme bei der Sepsis ist ihre schwierige Diagnostik. Unspezifische Symptome wie schneller Herzschlag, schnelle Atmung, Störungen des Bewusstseins, Fieber, niedriger Blutdruck und allgemeines Krankheitsgefühl erschweren die Einordnung.
Es gibt keinen eindeutigen Laborwert oder Untersuchungsmethode, mit der eine Sepsis sicher diagnostiziert werden kann. Im Vergleich dazu sind Herzinfarkte oder Schlaganfälle für Laien und medizinisches Fachpersonal häufig schneller einzuordnen.
Viel zu selten fällt ein Verdacht auf eine Sepsis. Dabei gilt: Je schneller eine Sepsis erkannt und behandelt wird, umso höher die Überlebenschance.
170.000 Betroffene, 17.000 Tote: Behandlungsfehler in Kliniken zerstören jährlich Leben. Digitale Checks könnten Tausende retten, doch der Weg zur Patientensicherheit ist steinig.
30.04.2026 | 12:01 min85.000 Tote im Jahr - Sepsis tötet mehr, als viele denken
Die Sepsis gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und ist oftmals mit großem persönlichen Leid verbunden. Jährlich erkranken mindestens 230.000 Menschen, 85.000 davon versterben.
Überlebende leiden zu 75 Prozent an Spätfolgen wie körperlichen Einschränkungen, neuer Pflegebedürftigkeit, posttraumatischen Belastungsstörungen und Konzentrationsproblemen. Neben dem persönlichen Schicksal der Betroffenen und deren Familien hat Sepsis damit auch eine enorme gesundheitsökonomische Bedeutung.
In Deutschland erleiden jedes Jahr mindestens 230.000 Menschen eine Sepsis, mehr als 85.000 sterben daran. Es gilt, die Erkrankung möglichst rechtzeitig zu erkennen.
13.09.2025 | 1:37 minDeutschland gegen Sepsis
Um die Situation zu verbessern, wurde die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis ins Leben gerufen. Das Ziel ist eine bessere Aufklärung der Bevölkerung und regelmäßige Schulungen des medizinischen Personals, um die Sepsis früher zu erkennen und schneller behandeln zu können. Zudem sind Krankenhäuser seit 2026 gesetzlich dazu verpflichtet, die Qualität in der Sepsisversorgung zu verbessern.
Nina ist 33, als sich nach einem Krankenhausaufenthalt ihr Leben für immer verändert. Die zweifache Mutter erleidet eine lebensbedrohliche Sepsis mit bleibenden Schäden.
25.01.2022 | 28:59 minJeder kann etwas beitragen
Neben medizinscher Versorgung spielt die Vorbeugung eine entscheidende Rolle. So können Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza das Risiko einer Lungenentzündungen und daraus folgenden Sepsis senken oder verhindern.
Auch eine gesunde Lebensweise, viel Sport und Bewegung, eine gesunde zuckerarme Ernährung und die Vermeidung von Rauchen und Alkoholkonsum tragen wesentlich dazu bei, Risikofaktoren für eine Sepsis wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes zu vermeiden. Sepsisprävention ist damit nicht nur eine Aufgabe des Gesundheitssystems, sondern eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.
Unser Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps: zu teuer, zu wenig Personal, zu schlechte Leistungen. Alena Buyx fragt, welche Reformen dem System schnell helfen, ohne es kaputt zu sparen.
07.05.2026 | 58:35 min... ist Intensivmediziner und Sepsisforscher an der Universitätsmedizin in Greifswald. Er leitet den SepsisDialog, eine lokale Qualitätsinitiative, die sich seit vielen Jahren erfolgreich um Verbesserungen rund um die Sepsis kümmert. Im Rahmen der Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis entwickelt man in Greifswald Schulungsmaterialien für medizinisches Personal. Forschungsschwerpunkte sind Qualitätsmanagement und Blutkulturdiagnostik bei Sepsis. Für seine Aufklärungs- und Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Sepsis wurde der Mediziner 2024 mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet.
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