Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Kältewende für Städte - die neue Ära des Hitzeschutz
Klimaanlagen sind keine Lösung - der beste Hitzeschutz beginnt, bevor es heiß wird. Wie Schatten, kluge Gebäudeplanung und moderne Energiesysteme Städte kühler machen.
Quelle: Silicya Roth / ZDF
Der Sommer 2026 hat alle Hitzerekorde gebrochen. Noch nie verzeichnete Deutschland so viele Tropennächte, in denen die Temperatur über 20°C blieb. In Stuttgart lag der Höchststand laut Deutschem Wetterdienst bei 17 dieser extremen/heißen Nächten. Im Sommer 2025 waren es lediglich drei.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Städte werden zu Wärmeinseln
Auf diese Temperaturen sind unsere Städte kaum vorbereitet. Straßen, Plätze und Gebäude speichern tagsüber die Wärme und transportieren sie in die Nacht. Fachleute sprechen von einem urbanen Wärmeinseleffekt, der vor allem durch Klimawandel und extreme Hitzeperioden zur Gefahr wird.
Wir nennen es Sommerwetter. Doch wenn Temperaturen Tag für Tag Allzeitrekorde brechen, wird Hitze zur Gefahr. Der Sommer 2026 zeigt, warum Anpassung und Schutz immer wichtiger werden.
21.09.2026 | 27:20 minDas Robert Koch Institut meldet für den vergangenen Sommer 16.000 Hitzetote in Deutschland. Doch Hitze in der Nacht betrifft nicht nur Risikogruppen. Denn wenn Städte nicht mehr abkühlen, beeinträchtigen sie den Schlaf und damit die wichtigste Erholungsphase.
Man muss davon ausgehen, dass sich derartige Sommer wiederholen und sogar extremer werden. Das zwingt zum Handeln auf allen Ebenen: Städte, Gebäude, Räume.
Hitzetod trotz Schwitzen: Was passiert, wenn die Kühlgrenztemperatur überschritten wird? Und ab wann macht sie die Erde unbewohnbar?
22.07.2020 | 8:06 minWarum Klimaanlagen keine einfache Lösung sind
Klimaanlagen locken als schnelle Lösung - aber lösen das eigentliche Problem nicht. Sie verbrauchen zusätzliche Energie und geben die entzogene Raumluftwärme lokal wieder ab, was Städte zusätzlich aufheizt.
Der beste Hitzeschutz ist Schatten
Die wirksamste Klimaanlage wächst aus dem Boden: Bäume vereinen das, was man blau-grüne Infrastruktur (Wasser und Vegetation) nennt und haben einen doppelten Nutzen. Sie spenden Schatten und kühlen durch Verdunsten.
Wie mehr Natur und eine nachhaltige Stadtplanung helfen, heiße Städte kühlen und die urbane Lebensqualität verbessern.
17.07.2025 | 29:45 minVor allem Verschattung gilt als wirksamste Klimaanpassung, die Sonne und Hitze fernhält und damit starkes Aufheizen verhindert. Ein Blick nach Südeuropa zeigt, dass auch textile Verschattung, wie Sonnensegel und bauliche Elemente einen relevanten Beitrag leisten können.
Wenn Hitze trotzdem ins Haus gelangt
Gebäude müssen ebenfalls Teil der Lösung werden. Wo Verschattung von außen nicht nachgerüstet werden kann, hilft Sonnenschutzfolie auf Glasflächen. Ihr Nachteil: in der kalten Jahreszeit reduzieren sie den Lichteinfall und oftmals auch die Lichtfarbe.
Tropisches Klima in Deutschland? Wie Baubotanik, weiße Dächer und offene Flächen das heiße Stadtleben herunterkühlen.
22.08.2021 | 28:38 minEine nächtliche Querlüftung kühlt das Gebäude für den nächsten Tag, wobei Fenster an unterschiedlichen Fassaden großflächig geöffnet sein müssen und Türen zwischen den Räumen offenbleiben. Zusätzlich kann ein Deckenventilator die gefühlte Temperatur um 2-3 Grad absenken.
So helfen die richtigen Baustoffe im Haus
Auch die Auswahl der Baustoffe kann einen Unterschied bewirken - vor allem Lehm hat einen klaren Vorteil: Er kann das Raumklima und Feuchtigkeit sehr gut regulieren. Gleichzeitig sind CO2-Emissionen für Gewinnung und Herstellung geringer als Beton. Lehmbaustoffe sind als Putz, Platten oder Lehmstein sowohl für Neubauten, als auch das Sanieren älterer Gebäude vielseitig einsetzbar.
Mit kluger Architektur, wiederentdeckter Technik und grünen Oasen versuchen Städte in ganz Europa, sich abzukühlen und fit für die Zukunft zu machen. Eine Reise zu wirksamen Lösungen gegen die Hitze.
25.06.2025 | 43:29 minWenn ein passiver Hitzeschutz nicht ausreicht
Verschattung, Lüftung und geeignete Baustoffe sind die erste Verteidigungslinie gegen Hitze. Wer heute die Wärmeversorgung eines Gebäudes plant oder modernisiert, sollte sommerliche Kühlung direkt mitdenken.
Denn moderne Technologien, wie Wärmepumpen lassen sich auch als Kältemaschinen einbinden. Dabei durchläuft kaltes Wasser Wände, Fußböden oder Decken und erzeugt wirksame Flächen - bzw. Strahlungskühle. Wichtig ist lediglich, dass die Fläche nicht so stark abkühlt, dass sich Tauwasser bildet.
Synergie zwischen Wärmeversorgung und Hitzeschutz nutzen
Auch Städte und Kommunen sollten weiterdenken. Wo Fernwärme ausgebaut wird, kann perspektivisch auch Fernkälte mitgedacht werden. So lassen sich Synergien nutzen und Gebäude ganzjährig an ein klimaresilientes Energiesystem anbinden.
Dänemark heizt günstig und klimafreundlich mit Meerwasser. Deutschland will die Fernwärme ausbauen – diskutiert aber noch. Warum eigentlich?
08.07.2025 | 13:06 minDie Anti-Hitzestrategie - weniger heiß statt mehr kalt
Die Strategie für Klimaanpassung lautet: Städte und Gebäude so gestalten, dass sie sich gar nicht erst aufheizen. Dadurch kann Hitzeschutz wirtschaftlich, gesundheitsfördernd und energetisch sinnvoll in unsere bebaute Umwelt integriert werden. Denn der Plan einer effizienten Wärmewende sollte auch das Konzept einer Kältewende berücksichtigen.
... ist Prof. für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TU München und der Firma Transsolar Energietechnik GmbH. Seine Lehraufträge und Gastprofessuren führten ihn an internationale Universitäten, wie Yale University oder Ryerson University. Außerdem arbeitet er mit namhaften Architekturbüros weltweit an preisgekrönten Projekten. In der Forschung beschäftigt er sich mit der Dekarbonisierung des Gebäudesektors, Robustheit durch "low-tech" und der Aufenthaltsqualität in Innen- und Außenraum.
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