Ebola-Ausbruch im Kongo:Epidemiologe: "Alarmstimmung" in Region "absolut angesagt"
Im Kongo verbreitet sich eine tödliche Ebola-Variante. Wie gefährlich ist der Ausbruch und wie wird das Virus übertragen? Epidemiologe Maximilian Gertler ordnet die Lage ein.
Die Zahl der Ebola-Fälle im Kongo und in Uganda steigt. Die WHO ruft den Notstand aus. Warum eine neue Virusvariante Sorgen macht - und wie groß die Gefahr einer Ausbreitung ist: ZDFheute live.
17.05.2026 | 12:08 minDie Weltgesundheitsorganisation warnt vor dem tödlichen Ebola-Ausbruch im Kongo - und ruft einen internationalen Gesundheitsnotstand aus. Die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verbreitet sich derzeit vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, auch Uganda soll betroffen sein. Mehr als 300 Verdachtsfälle sind bereits bekannt sowie 88 Todesfälle.
Wie gefährlich ist der Ausbruch dieser Ebola-Variante und wie breitet sich die Krankheit aus? ZDFheute live hat darüber mit Dr. Maximilian Gertler gesprochen. Er ist Epidemiologe an der Berliner Charité und war für Ärzte ohne Grenzen unter anderem schon vor zwölf Jahren bei einem Ebola-Ausbruch in Afrika im Einsatz.
Sehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Das sagt Gertler ...
... zu Ebola als Krankheit und den Übertragungswegen
Die vom Ebola-Virus ausgelöste Krankheit werde durch Körperflüssigkeiten übertragen, erklärt Experte Gertler. Dies könne etwa "über Schleimhäute oder Wunden, Nadelstichverletzungen" geschehen. Das sei ein wichtiger Punkt, "weil es damit wesentlich weniger ansteckend ist als zum Beispiel Covid, Masern oder Grippe", bei denen man sich über Tröpfcheninfektion anstecken könne.
In der Demokratischen Republik Kongo ist eine besonders gefährliche Variante des Ebola-Virus ausgebrochen. Bisher sind mehr als 80 Menschen verstorben. Auch das Nachbarland Uganda ist betroffen.
17.05.2026 | 1:32 minGleichzeitig betont der Experte, dass Ebola eine der tödlichsten Krankheiten sei. "Bei manchen Typen geht man von einer Sterblichkeit von 70 Prozent aus, bei dem jetzt vorliegenden Virustyp kann das geringer sein."
... dazu, wie dramatisch die Lage ist
Solch hohe Fallzahlen schon bei Bekanntwerden des Ausbruchs "kennen wir eigentlich nur aus der großen Epidemie von 2014 in Westafrika", sagt Gertler. Bei diesem Ausbruch seien es am Ende 30.000 Fälle gewesen.
"Da wollen wir natürlich nicht hin", warnt der Epidemiologe. Leider gebe es mittlerweile wohl bereits Fälle in einem recht großen geografischen Raum, "im Ostkongo und sogar in Uganda". Das, was bisher über den Ausbruch bekannt sei, "hört sich tatsächlich sehr dramatisch an".
So ein Ausbruch zeigt immer, wie schwach die Gesundheitsversorgung in der Region ist, insbesondere wenn man merkt, dass er ja offenbar wochen- oder gar monatelang nicht bemerkt worden ist.
Dr. Maximilian Gertler
Gertler erwartet, dass die Menschen in der Region daher Hilfe suchen werden, "auch in Nachbarregionen, wo sie vielleicht auf eine bessere Gesundheitsversorgung hoffen". Das würde eventuell auch die Fälle in der Hauptstadt von Uganda erklären. "Wir wissen seit heute, dass es auch einen bestätigten Fall in Goma gibt, das ist die Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, das ist viele, viele Autostunden südlich von Bunia, wo der Ausbruch zunächst entdeckt worden ist."
... zur Sicherheitslage in den betroffenen Gebieten
Die politisch angespannte Situation erschwere die Reaktion auf den Ebola-Ausbruch. Im Ostkongo sei "die Sicherheitssituation für alle, ob sie nun aus der Fremde kommen oder vor Ort leben, sehr gefährlich", sagt Gertler. "Es hat immer wieder Attacken gegeben, auch mitunter auf Gesundheitseinrichtungen."
Eine schwache Gesundheitsversorgung, die große Not und mangelndes Vertrauen der Menschen könnten so dazu führen, "dass das Virus möglicherweise schneller als sonst über die Region hinausgetragen wird und damit natürlich noch mehr Menschen gefährdet und möglicherweise tötet".
ZDF-Reporter Jörg Brase ist unterwegs im Ostkongo, wo Rebellen wichtige Minen unter ihre Kontrolle gebracht haben: von seltenen Erden, Ausbeutung - und Trumps Rohstoffdeal.
29.07.2025 | 2:45 minTeams der nationalen Behörden und von Ärzte ohne Grenzen bereiteten sich daher momentan auch in den Nachbarländern des Kongos vor und verlegten "in großem Maße Personal".
Da ist Alarmstimmung und das ist auch absolut angesagt im Moment.
Dr. Maximilian Gertler
... zur WHO-Einschätzung des Ausbruchs als Gesundheitsnotstand
"Das zeigt, wie ernst diese Epidemie genommen wird", sagt Gertler. Dieser Entschluss fordere alle WHO-Mitgliedsstaaten zur Unterstützung auf.
Wahrscheinlich wird der Impfstoff, den wir haben gegen Ebola, bei diesem Typ nicht wirksam sein. Das wird sehr kompliziert und sehr teuer und braucht die Mithilfe aller.
Dr. Maximilian Gertler
Insofern sei es "absolut angemessen", dass die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen habe.
Das Interview führte Jessica Zahedi, zusammengefasst hat es Annika Heffter.
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