Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Wenn die AfD regiert - was heißt das für Hochschulen?
von Ulrich Müller
Im September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In den Umfragen führt die AfD. Wenn die Partei politische Gestaltungsmacht erhält: Was heißt das für die Hochschulen?
Was hat die AfD in Sachsen-Anhalt vor mit den Universitäten und Fachhochschulen des Landes? Die Partei plant die Abschaffung interner Mitspracherechte, verfasste Studierendenschaften möchte sie auflösen. Das würde konkret bedeuten: mehr professoral-autoritäre Hierarchie, weniger ausgewogene Entscheidungen, eine stärkere Machtkonzentration bei Einzelnen und unattraktivere Arbeits- und Karrierebedingungen.
... ist Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter politische Analysen beim gemeinnützigen CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen hat er alle Anträge, Plenarreden und Anfragen der AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt aus der laufenden Legislaturperiode sowie das im April 2026 verabschiedete Regierungsprogramm des Landesverbandes analysiert. Zusammen mit Frank Ziegele beschreibt er in dem Buch "Die authentische Hochschule" Zukunftsbilder von Hochschulen, die gesellschaftlich relevant sind, veränderungsbereit bleiben und ihre Stärken mit gesellschaftlichen Bedarfen koppeln.
AfD für Rückabwicklung von Bologna
Außerdem plant die AfD eine Abkehr vom Bologna-System und damit das Ende international anschlussfähiger Bachelor-/Masterabschlüsse. Das hätte weitreichende Folgen, der Bologna-Prozess hat nämlich mehr verändert als nur die Abschlussbezeichnungen.
Es geht in der Lehre zum Beispiel nicht mehr nur um reine Wissens-, sondern auch um Kompetenzvermittlung. Eine Rückkehr zur alten Magister- und Diplom-Logik beendet die mühsam erreichte Studierenden-, Kompetenz- und Praxisorientierung und erschwert Mobilität, Flexibilität und Durchlässigkeit.
Studiengänge streichen, Hochschulen neu steuern, Bologna abschaffen. Das Wahlprogramm für Sachsen‑Anhalt sieht weitreichende Eingriffe in Forschung und Lehre vor.
02.07.2026 | 28:09 minGefahr für wissenschaftliche Qualitätsstandards
Die AfD kündigt an, aus ihrer Sicht unliebsame geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer zu streichen. Durch Gegeninstitute für "kritische Islamforschung" oder "Klimapolitikfolgen" will sie das eigene Weltbild in Strukturen gießen mit dem Ziel, ideologische Randpositionen zu legitimieren. Ihre Ideologie soll so einen wissenschaftlichen Anstrich bekommen. Das hätte eine Relativierung wissenschaftlicher Qualitätsstandards zur Folge und würde Hochschulen delegitimieren.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Denn so funktioniert Wissenschaft einfach nicht: Sie ist ein ergebnisoffener Wettstreit von Ideen, sie besteht aus der gegenseitigen kritischen Überprüfung von Ansätzen, Methoden und Ergebnissen. Meinungsfreiheit heißt, alles Mögliche behaupten zu können. Aber Wissenschaftsfreiheit beinhaltet das Recht, Unsinn (etwa von Klimawandelleugnern und Impfskeptikern) auch als solchen zu benennen.
Krieg, Messerangriffe, Pandemie, Klimawandel, Inflation: Gefühlte Dauerkrisen machen Angst. Wie können wir lernen, damit umzugehen?
02.09.2024 | 26:50 minZurück in das letzte Jahrhundert?
Die AfD schaut nostalgisch auf eine verklärte Vergangenheit und will zurück zur "Herrlichkeit der alten deutschen Ordinarien-Universität". Da zeigt sich ein Hochschulverständnis, das die Wissenschaft stärker national, traditionell und exklusiv gestalten will. Unter einer AfD-Regierung würden Hochschulen hierarchischer und ideologischer ausgerichtet - und weniger partizipativ, qualitätsgesichert, innovationsorientiert und international.
Die AfD Sachsen-Anhalt idealisiert eine Hochschulwelt der Vergangenheit, die zu Recht vorbei ist. Sie würde mit ihren Ideen die Hochschulen nicht zu alter Größe zurückführen, sondern wissenschaftliche Karrieren unattraktiver machen, die Studienbedingungen verschlechtern und die Abwanderung qualifizierter Forschender verursachen. Überholte Konzepte der Vergangenheit helfen nicht in einer Gegenwart, die von Umbrüchen und globalen Herausforderungen geprägt ist.
Täglich prasseln Schlagzeilen auf uns ein, komplexe Inhalte werden verkürzt. Wir glauben, etwas zu wissen und haben keine Ahnung. Fakten werden von Emotionen überlagert.
20.02.2025 | 28:01 minWas die AfD an Hochschulen stört
Es ist nicht erstaunlich, dass die AfD - ähnlich wie die MAGA-Bewegung in den USA - die Hochschulen in ihrer Freiheit einschränken will: Populismus verträgt sich nicht mit Wissenschaft. Hochschulen stehen für das Gegenteil von dem, was die AfD will.
Wissenschaft kennt keine alternativen Fakten, keine Ideologie - Wissenschaft setzt auf Evidenz und Nachprüfbarkeit. Wissenschaft ist international, sie verbindet - und ist für eine Polarisierung nach dem Motto "Wir" gegen "Die" nicht zu haben. Wissenschaft schwelgt nicht in Untergangsszenarien, sie sucht Erkenntnisse und Lösungen.
Was Deutschland braucht, sind Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die nach vorne schauen, innovativ agieren und die Zukunft positiv gestalten. Das können sie am besten, wenn sie authentisch, autonom, plural, qualitätsorientiert und international anschlussfähig ihre Stärke entfalten können.
Markus Lanz spricht mit seinen Gästen zur Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt, zur politischen Agenda der AfD, und wie sie sich in Sachsen-Anhalt auf eine mögliche Regierungsübernahme vorbereitet.
02.07.2026 | 61:04 minDie letzten Ausgaben verpasst?
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