Wettbewerbsbehörde ermittelt:Armani und Dior der Ausbeutung verdächtigt
Ermittlungen gegen die Luxusmodehändler Armani und Dior: Wegen Vorwürfen widriger Arbeitsbedingungen bei Zulieferern hat Italiens Wettbewerbsbehörde eine Untersuchung eingeleitet.
Armani und Dior werden mit Vorwürfen schlechter Arbeitsbedingungen bei Zulieferern konfrontiert.
Quelle: picture alliance / Sipa USADie italienische Wettbewerbsbehörde hat wegen der mutmaßlichen Ausbeutung von Arbeitnehmern in ihren Lieferketten Untersuchungen gegen Ableger der Luxus-Modekonzerne Armani und Dior eingeleitet.
Die Behörde teilte mit, die Unternehmen hätten in einigen Fällen Produkte aus Werkstätten verkauft, in denen Arbeiter angestellt seien, die ...
- unterbezahlt werden,
- zu lange Arbeitszeiten haben,
- unter Verletzung von Sicherheitsvorschriften arbeiten.
Am Dienstag seien bereits die Geschäftsräume der Unternehmen in Italien durchsucht worden.
Arbeitspraktiken sollen untersucht werden
Von der Behörde hieß es zu den Vorfällen:
In beiden Fällen haben die Unternehmen möglicherweise unwahre Angaben zu ihrer Ethik und sozialen Verantwortung gemacht, insbesondere in Bezug auf die Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Gesetzen durch ihre Zulieferer.
Italienische Wettbewerbsbehörde
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14.07.2024 | 28:42 minIn der Untersuchung soll nun geprüft werden, ob die Unternehmen bei der Herstellung und dem Verkauf ihrer hochpreisigen Waren auf illegale Arbeitspraktiken zurückgegriffen haben.
Behörde: Armani und Dior verstoßen gegen Verbraucherschutzgesetz
Die Arbeitsbedingungen in den beauftragten Unternehmen stünden im Widerspruch zu den von Armani und Dior selbst in Werbung gepriesenen hohen Produktionsstandards. Diese Praxis verstößt nach Angaben der Behörde gegen das italienische Verbraucherschutzgesetz.
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16.07.2024 | 2:20 minEine Untersuchung der Mailänder Staatsanwaltschaft hatte Medienberichten zufolge zuvor festgestellt, dass Werkstätten in Italien, die Produkte für Armani und Dior herstellen, Arbeitskräfte ausbeuten, um die hochwertigen Produkte zu einem Bruchteil des Verkaufspreises herzustellen.
Nach einer Armani-Tochter war daraufhin auch ein Ableger des französischen Luxusgüter-Konzerns LVMH unter juristische Aufsicht gestellt worden.
ZDFheute berichtete über Razzien
Auch ZDFheute hatte erst vor wenigen Tagen über das Thema berichtet. Eine Serie von Razzien von Mailänder Ermittlungsbehörden hatte im Frühjahr unter anderem ergeben, dass eine italienische Tochterfirma von Dior über Jahre hinweg Aufträge an chinesische Fabriken vergeben hatte, die Arbeiter ausbeuteten.
Die Arbeiter seien gezwungen worden, in den verdreckten Fabriken zu schlafen, um "24 Stunden am Tag Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben". Sicherheitsvorrichtungen an den Maschinen wurden entfernt, damit schneller gearbeitet werden konnte, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus einem 34-seitigen Urteil des Mailänder Gerichts von Anfang Juli.
Durch den Einsatz weiterer Unterauftragnehmer sollen die Kosten derart eingedämmt worden sein, dass die Zulieferer Dior pro Tasche nur 53 Euro in Rechnung stellten. Das Modell wird mutmaßlich für 2.600 Euro verkauft.
Armani: "Vorwürfe sind unbegründet"
Die Armani-Gruppe versicherte in einer Reaktion, "vollumfänglich mit den Behörden zu kooperieren" und zeigte sich zugleich überzeugt, dass die Ermittlungen zu einem positiven Ergebnis führen werden. "Die Vorwürfe sind unbegründet", hieß es außerdem. Dior reagierte auf die Untersuchungen zunächst nicht.
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