Fleisch aus artgerechter Tierhaltung
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Artgerechte Tierhaltung ist ein wichtiges Thema für immer mehr Verbraucher. Zwar gibt es in Deutschland und in der EU gesetzliche Mindeststandards, die auch den Tierschutz berücksichtigen, doch vielen Verbrauchern geht das nicht weit genug.
Wer bei Fleischprodukten Wert auf artgerechte Tierhaltung legt, hat es beim Einkauf im Supermarkt nicht leicht: Auf den Produkten ist nicht immer zu erkennen, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden. Verschiedene Siegel sollen dem Verbraucher Orientierung bieten.
Siegel in der Kritik
Eines davon ist das Siegel der von Landwirtschaft, Fleischindustrie und Lebensmittelhandel ins Leben gerufenen Initiative Tierwohl. Das Siegel steht in der Kritik, etwa seitens des Bundeskartellamts. Dieses fordert mehr Transparenz für die Verbraucher. Der Kunde müsse erkennen können, welches Stück Fleisch nach welchen Tierwohlkriterien hergestellt wurde oder ob dies nicht der Fall war. Nur wenn diese Informationen vorlägen, könne der Kunde seinen Einkauf danach ausrichten.
Auch der Deutsche Tierschutzbund sieht die Initiative kritisch. „Als Verbraucher weiß man nicht, ob das Fleisch, das man kauft, wirklich von einem Hof mit artgerechter Tierhaltung oder aus der konventionellen Tierhaltung kommt“, gibt Thomas Schröder Verbandspräsident des Deutschen Tierschutzbunds zu bedenken. Hintergrund: Die Initiative setzt auf Massenbilanzierung. Wie bei Ökostrom, der zum Teil auch aus Atomstrom bestehen darf, werde das Fleisch „gemischt“. Dies bedeutet, dass mit dem Siegel ausgezeichnete Fleischprodukte nicht unbedingt aus teilnehmenden Betrieben stammen müssen.
Wann kommt das staatliche Siegel?
Vorstöße für ein staatliches Label habe es bereits gegeben, etwa mit dem staatlichen Siegel für mehr Tierwohl. Konkrete Umsetzungen hierzu gebe es allerdings noch nicht, so Schröder. Bei dem staatlichen Siegel müsse sichergestellt werden, dass es einen konkreten Mehrwert für Tiere bringe. „Es sind aber auch dringend gesetzliche Änderungen notwendig, um Verbesserungen für alle Tiere in der Landwirtschaft herbeizuführen“, so Schröder. Zunächst müssten die Betriebe zertifiziert werden, was frühestens ab 2018 möglich sei. Wann die ersten Produkte mit diesem Siegel tatsächlich in den Regalen stehen, sei daher nicht abzusehen.
„Grundsätzlich ist es so, dass wir die vegetarische beziehungsweise vegane Lebensweise als direktesten Weg zu mehr Tierschutz empfehlen“, sagt Thomas Schröder. Wer aber Fleisch essen möchte, solle auf Label achten, die wirklich mehr Tierschutz im Stall garantieren. „Wir empfehlen das Tierschutzlabel ‚Für mehr Tierschutz‘. Da ist die gesamte Kette von der Haltung, über die Schlachtung bis zum Fleischregal nachvollziehbar.“ Empfehlenswert seien auch das Neuland-Siegel oder die Siegel der verschiedenen Bioverbände wie Bioland, Naturland oder Demeter, die über die Anforderungen des EU-Bio-Siegels hinausgehen.
Verschiedene Siegel
Bei diesem Siegel stellen die Landwirte den Tierschutz in den Mittelpunkt. Die Anforderungen, die an das Neuland-Siegel gekopppelt sind, können von konventionellen Betrieben nicht erfüllt werden. Das Tier hat Stroh und Auslauf, die Gruppen sind kleiner, die Haltebedingungen sind insgesamt besser als bei Landwirten, die konventionell wirtschaften. Produkte mit diesem Siegel sind nur in einigen Regionen erhältlich (überwiegend in Berlin, aber auch in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland), nur etwa 150 Landwirte nehmen Teil.
Das offizielle EU-Bio-Siegel ist auf allen vorverpackten Lebensmitteln aus der EU mit Bio-Hinweis verpflichtend. Die beiden Schriftzeilen in der Nähe des Logos besagen, von welcher Kontrollstelle das Produkt überprüft wird und woher die landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe kommen. Welche Kontrollstelle sich hinter der Nummer verbirgt, kann man im Internet nachschauen. Es garantiert Basisbedingungen, die ein Bioproduzent erfüllen muss, deckt aber längst nicht alles ab, was mit ökologischer Landwirtschaft und Tierhaltung möglich ist.
Die Anforderungen an das Bioland- und Demeter-Siegel gehen weit über die Mindestnorm des Bio-Siegels hinaus, etwa in Bezug auf die Hofbewirtschaftung, die Betreuung der Tiere und das Platzangebot für die Tiere.
Landwirte, die dieses Tierschutzlabel haben möchten, müssen in größere Ställe, Auslaufmöglichkeiten und besseres Futter investieren, um die Vorgaben zu erfüllen und die Standards auch dauerhaft hoch halten. Die Rückverfolgbarkeit vom Fleisch in den Stall ist gegeben. Die Zertifizierung kostet Geld, mit dem zum Beispiel Beratung und Kontrollen finanziert werden. Es wird in zwei Stufen vergeben, je nach Umfang der erfüllten Kriterien: In der Einstiegsstufe werden die Produkte mit einem Stern ausgezeichnet, in der Premiumstufe mit zwei Sternen.
Beim Label des Deutschen Tierschutzbundes wird zweimal im Jahr unabhängig und unangemeldet kontrolliert. Die zusätzlichen Kontrollen muss der Landwirt oder der Vermarkter zahlen. Jeder Landwirt oder Vermarkter schließt einen Vertrag ab, in dem er sich verpflichtet unter den Vorgaben zu produzieren.
Das größte Hindernis für die Tierschutzlabels ist das billige Fleisch in den Kühlregalen. „Wir haben das Problem, dass der Handel das Label blockiert, weil nur einige Marken in die Fleischregale aufgenommen werden. Es ist schwer, da reinzukommen“, sagt Thomas Schröder.
Rat vom Tierschützer
Wichtig bei einem Siegel ist, dass sich Landwirte oder Verarbeiter dafür zertifizieren lassen müssen, dass also die Einhaltung der Vorgaben regelmäßig überprüft wird. Nicht jede Kennzeichnung ist im Hinblick auf die Tierhaltung aussagekräftig: Manche Siegel sind nur Kennzeichnungen für die regionale Herkunft und haben nichts mit Tierschutz oder Bio-Erzeugung zu tun.
„Es gibt eine Anschauungsregel: ‚Wenn Du Fleisch essen willst, dann achte auf die Label! Nimm entweder das Bio-Siegel, noch besser Neuland, Bioland, Demeter oder Für mehr Tierschutz – und lass alles andere Fleisch im Regal liegen‘““, resümiert Thomas Schröder. Ansonsten gebe es jede Menge schmackhafter Alternativen zu Fleisch. „Da kann man auch gerne zugreifen“, so der Tierschützer.
Mit Material von ZDF, dpa
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