Olympia-Auftakt am Donnerstag:Deutsche Eishockey-Frauen selbstbewusst wie nie
von Bernd Schwickerath
Vor dem Turnierstart spricht das DEB-Team vom Halbfinale. Es hakt aber im deutschen Fraueneishockey noch an vielen Stellen. Olympia soll einen Aufschwung bescheren.
Der Gruppensieg ist diesmal wichtiger denn je, sagt Torhüterin Sandra Abstreiter.
Quelle: dpaWenn die deutschen Eishockey-Frauen am Freitag bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele ins Mailänder San-Siro-Stadion einlaufen, haben sie ihr vorentscheidendes Gruppenspiel schon hinter sich. Sie starten am Donnerstag (12:10 Uhr, live im ZDF) mit dem Spiel gegen Schweden ins Turnier.
Bei der Einkleidung des Olympia-Teams trifft Reporterin Franziska Müllers die Eishockey-Nationalspielerinnen Lisa Hemmerle (Torhüterin beim ERC Ingolstadt) und Tara Schmitz (Mad Dogs Mannheim).
03.02.2026 | 5:36 min"Das wird ein super wichtiges Spiel beim Kampf um Platz eins", sagt Torfrau Sandra Abstreiter. Was nicht bedeute, dass die Partien gegen Japan, Italien und Frankreich gleichgültig wären, aber auch Abstreiter weiß, dass die vorherigen Turniere "gezeigt haben, dass es oft zwischen uns und den Schwedinnen ausgespielt wurde".
Nur wer Erster wird, geht den Topteams aus dem Weg
Mit "es" meint Abstreiter den Gruppensieg. Zwar reicht Platz drei, um das Viertelfinale zu erreichen. Aber der Turniermodus kennt keine gleichstarken Gruppen. Die Deutschen spielen in der schwächeren Gruppe B, wer da Zweiter oder Dritter wird, trifft im Viertelfinale auf Kanada oder die USA. Das ist fast gleichbedeutend mit dem Turnier-Aus.
In drei Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele in Norditalien. Vom Biathlon in Antholz bis zum Eishockey in Mailand in der Lombardei, treten die Athleten gegeneinander an.
03.02.2026 | 2:02 minAbstreiter macht keinen Hehl daraus, dass die Frauen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) mehr wollen:
Die letzten Jahre haben wir es bei Weltmeisterschaften immer ins Viertelfinale geschafft, das ist das Minimalziel.
Sandra Abstreiter, DEB-Torfrau
"Aber ich würde da gar nicht das Limit setzen. Alle stimmen zu, dass wir uns das Halbfinale als Ziel setzen", so Abstreiter.
Neue Töne, neue Spielweise
Derart selbstbewusste Töne sind neu im deutschen Fraueneishockey. Das gilt auch für die Spielweise. "Damals war es so: Wir stellen uns hinten rein und hoffen, dass wir ein, zwei Konter bekommen", sagte Stürmerin Laura Kluge jüngst einem Fachmagazin: "Jetzt spielen wir mit und zeigen unsere Skills."
Abstreiter und Kluge werden besondere Rollen im deutschen Team zuteil. Während der Rest in der Bundesliga, in Schweden oder am College spielt, sind die beiden und Verteidigerin Nina Jobst-Smith in der Professional Women's Hockey League (PWHL) aktiv, dem Pendant zur NHL bei den Männern.
In Kürze beginnen die olympischen Winterspiele in Italien. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry ist vor dem Start um ein positives Bild bemüht - keine leichte Aufgabe.
03.02.2026 | 1:40 minWeltweiter Aufschwung im Fraueneishockey
2024 ging die PWHL an den Start. Zuvor waren 200 der besten Spielerinnen der Welt in einen jahrelangen Streik getreten, weil ihnen die Bedingungen in den Vorgängerligen nicht ausreichten. Nun ist das anders, was den Sport weltweit nach vorne bringt - auch in Deutschland.
Jahrzehntelang wurden die Frauen im DEB stiefmütterlich behandelt. Jetzt sei "alles viel professioneller", sagt Ex-Nationalspielerin Ronja Jenike, mittlerweile im Verband für die Frauen zuständig und in Mailand als Expertin für das ZDF im Einsatz. Ausbildung, Ausrüstung, Reisen, Medienarbeit - laut Jenike nun alles auf einem anderen Level.
Zu wenig Geld, zu wenige Spielerinnen
Die sind nötig. Denn bis heute könnte ohne staatliche Förderung keine Frau in Deutschland vom Eishockey leben. Die Bundesliga hat nur fünf Teams, und eins davon ist aus Ungarn. Denn im Gegensatz zu anderen Sportarten engagieren sich die Klubs aus dem Männerbereich sehr wenig.
Auch im Nachwuchs hakt es, es gibt nicht mal eigene Ligen für Mädchen. Sie spielen bei den Jungs mit. Aber irgendwann werden die körperlichen Unterschiede zu groß. Dann heißt es für 14- oder 15-Jährige: direkt zu den Erwachsenen oder aufhören.
Nationalspielerinnen kritisieren Vereine
"Deutschland ist da sehr hinterher. Die Vereine bilden die Jungs aus", beschwerte sich Stürmerin Franziska Feldmeier im November beim Deutschland Cup. Kapitänin Daria Gleißner sah es ähnlich: "Uns fehlen einfach die Spielerinnen. Wir haben zu wenig Mädels für die Breite."
Durch Olympia soll sich das ändern: "Es ist unglaublich wichtig, dass wir dabei sind. Es zeigt den Leuten, dass wir Schritte nach vorne gemacht haben", sagt Abstreiter. Auch Verteidigerin Ronja Hark möchte die Aufmerksamkeit nutzen, "um mehr Zuschauer zu generieren und mehr Leute fürs Fraueneishockey zu begeistern". Ein Sieg gegen Schweden wäre ein guter Anfang.
Sie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.
Mehr Wintersport
- Trailer
Olympische Spiele:Olympia 2026: Das Livestream-Angebot im ZDF
Video0:30 Ergebnisse, Kalender:Kristoffersen gewinnt Schladming-Slalom, Straßer raus
Der Überblick:Aktuelle News zum Wintersport