Rennrodler und Tüftler:Wie Toni Eggert sein Comeback plant
von Ullrich Kroemer
Kein anderer Pilot im Rodel-Zirkus baut seinen Schlitten komplett selbst - außer Toni Eggert. Nun gibt der 36-Jährige sein Weltcup-Comeback: mit neuem Partner und neuem Schlitten.
Toni Eggert mit seinem neuem Partner Florian Müller.
Quelle: imagoToni Eggert hat wenig Schlaf bekommen vor dem ersten Weltcup dieser Saison. Der 36 Jahre alte Rennrodler hat noch bis zwei Uhr nachts am Feintuning seines neuen Schlittens gearbeitet, bevor er den Mannschaftsflieger nach Norwegen bestieg, wo an diesem Wochenende auf der Olympiabahn in Lillehammer der Saisonauftakt stattfindet.
Langjähriger Partner Benecken beendete Karriere
Zwar hat Eggert als Rekord-Weltmeister im Doppelsitzer und zweimaliger Medaillengewinner bei Olympia schon alles erlebt. Und dennoch ist für den Routinier in diesem Winter vieles neu.
Im vergangenen Frühjahr hatte Eggert schweren Herzens seine Karriere vorerst beenden müssen, weil sein langjähriger Partner Sascha Benecken genug von den Eiskanälen dieser Welt hatte und sich mehr seiner Familie widmen wollte.
Eggert mit Intermezzo im Trainerteam der USA
Eggert wechselte die Perspektive und sammelte im Trainerteam der USA Erfahrung. Nun ist der 1,91-Meter-Mann mit seinem neuen Partner Florian Müller (23) zurück im Rodelzirkus.
Mit allen Ungewissheiten und Herausforderungen, die eine neue Partnerschaft auf dem Schlitten mit sich bringt. Nicht nur sportlich, sondern auch das Material betreffend. Denn Eggert ist der wohl einzige Athlet weltweit, der seinen Schlitten nahezu komplett selbst entwirft und baut.
"Das ist mein allergrößter Vorteil", erklärt er. "Ich spüre einfach den Unterschied unmittelbar, wenn wir etwas am Schlitten verändern. Ich habe immer das direkte Feedback."
Eggert tüftelt bis zu 16 Stunden in der Werkstatt
Drei Wochen vor dem Auftakt ist Eggert in seinem Allerheiligsten - seiner Werkstatt in der beschaulichen und an diesem Novembertag nebelverhangenen Kleinstadt Ilsenburg im Harz. In einem schlichten Raum im äußersten Winkel des Hofs der Holzbau-Firma Eggert, dem Familienunternehmen, tüftelt er seit Monaten am Schlitten für sein Comeback.
Viele tausend Arbeitsstunden hat er in die Konzeption und den Bau gesteckt. Zwei Drittel seiner Zeit gehen für den Schlittenbau drauf, nur zu einem Drittel trainiert er. "Es gibt etliche Tage, an denen ich 16 Stunden in der Werkstatt stehe", erzählt der Perfektionist.
Einen Schlitten aufzubauen, ist ein permanenter Prozess, ein Experimentieren jeden Tag.
Toni Eggert
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27.03.2024 | 2:08 minViel Knowhow in der Familie Eggert
Dabei hilft ihm das Knowhow in der Familie. Auch Vater Sven und Großvater Walter, der 1964 an den Olympischen Spielen teilnahm, waren begeisterte Rennrodler.
Eggert lernte in der elterlichen Werkstatt beim Modellflugzeug-Bau früh, wie man diverse Materialen aus Kohle- und Glasfaser verarbeitet. Mit den Jahren habe er sich auch durch die Zusammenarbeit mit Experten immer mehr Wissen angeeignet.
Test in Lillehammer ging gründlich daneben
Trotz aller Erfahrung ist der Bau eines neuen Schlittens eine Herausforderung. Beim ersten Test in Lillehammer vor knapp zwei Monaten stellte das Duo fest, dass die Lenkung so gut wie gar nicht funktionierte. "Als ich lenken wollte, ist nichts passiert", sagt Eggert. "Es hat gerade so ausgereicht, um uns irgendwie ohne Sturz ins Ziel zu retten."
Bei den nächsten Tests in Altenberg entschied er an der Bahn, ein ovales Stück des vorderen Teils des Schlittens herauszusägen. "Irgendwann muss man auch mal radikal sein. Das kann auch nach hinten losgehen, aber diese Risikobereitschaft braucht es, um Weltmeister zu werden", betont Eggert.
Richtige Medaille bei Olympia als Ziel
Noch ist er nicht zu 100 Prozent zufrieden, aber die Lenkung reiche nun aus, um an den Start zu gehen. Sein großes Ziel: "die richtige Medaille bei Olympia zu gewinnen".
Silber und Bronze hat er schon, nun will er 2026 und vielleicht auch 2030 noch einmal Anlauf nehmen, um den letzten Titel zu gewinnen, der ihm noch fehlt. "Wenn das dann nicht klappt, dann ist das so. Aber ich weiß dann, dass ich auf jeden Fall alles probiert habe, um das doch noch zu schaffen", sagt der Tüftler Eggert.
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