DFB-Frauen: Wieso Bundestrainer Wück sein Team kritisiert

Trotz klarem Erfolg gegen Österreich:Wieso Bundestrainer Christian Wück sein Team kritisiert

von Frank Hellmann, Nürnberg

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Bundestrainer Christian Wück wird nach dem klaren 5:1 in der WM-Qualifikation gegen Österreich zum schärfsten Kritiker der DFB-Frauen. Was steckt hinter der Schelte aus Nürnberg?

Bundestrainer Christian Wück guckt kritisch

Die DFB-Frauen gewinnen das WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich deutlich mit 5:1 (1:0). Bundestrainer Christian Wück ist dennoch nicht zufrieden. Die Stimmen zum Spiel.

14.04.2026 | 4:07 min

Schon die finstere Miene von Christian Wück passte nicht zur fröhlichen Atmosphäre im Max-Morlock-Stadion. Bei den Toren der deutschen Fußballerinnen gegen Österreich (5:1) freute sich der Bundestrainer nicht richtig mit, während ein Teil der mehr als 24.000 Zuschauer mit Handylichtern das Achteck in Nürnberg ausleuchtete und "Oh-wie-ist-das-schön"-Gesänge anstimmte.

Schließlich hatte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mit dem dritten klaren Erfolg in der WM-Qualifikation den nächsten Schritt zur Endrunde 2027 in Brasilien unternommen. Doch Wück genügte das nicht. "Wir haben viele unnötige Fehler gemacht, was sehr kräftezehrend war."

Die deutsche Nationalspielerin Vivien Endemann jubelt nach ihrem Treffer zum 2:0 in der WM-Qualifikation gegen Österreich zusammen mit ihrer Teamkollegin Elisa Senß

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14.04.2026 | 8:45 min

Im Vorfeld hätte jeder ein solches Resultat zwar unterschrieben, führte er aus, "aber ich sehe das kritischer, weil wir nicht an unser Niveau gekommen sind". Seine Quintessenz aus der angegliederten Turnhalle: "Eine gute Leistung, aber wir können es besser."

Das Torfestival mindert den Ärger nicht

Ausgerechnet an ehemaliger Wirkungsstätte, wo der gebürtige Unterfranke Anfang der 90er Jahre eine unbeschwerte Zeit als Jungprofi erlebte, schwang sich Wück zum Kritiker auf, der seinen Spielerinnen trotz eines Torfestivals die Leviten las. "Das ist Jammern auf hohem Niveau, aber wir wollen zu den Topnationen gehören" - und dann müsse man schon "cleverer" gewinnen.

Ihn störte einiges: fehlende Tiefenläufe in der ersten Hälfte, dazu altbekannte Mängel im Passspiel, das vor der Pause im letzten Drittel zu unpräzise war. Nicole Anyomi brachte auch nur mit einem Kraftakt die Kugel zum kargen 1:0-Halbzeitstand über die Linie (17.).

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"Ich war nicht ganz zufrieden, weil nur sehr wenige an ihre Leistungsgrenze gekommen sind", sagte Wück bereits am ZDF-Mikrofon. "Wir machen uns das Leben selbst schwer." Später in der Pressekonferenz war das alles beherrschende Thema, was hinter der Schelte stecken könnte.

Auch Jule Brand erhält nicht nur Lob

Da will einer mit Blickrichtung aufs nächste Großereignis in mehr als einem Jahr früh die Sinne schärfen. Der 52-Jährige orientiert sich an den Besten, was schon den U17-Junioren half, um 2023 in einem Jahr Welt- und Europameister zu werden. Nun dreht der Bundestrainer an ähnlichen Stellschrauben, um das Team in allen Facetten des Fußballs zu verbessern.

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Über die an vier Toren beteiligten Jule Brand sagte der Bundestrainer: "Sie hat sich reingekämpft und eine viel agilere zweite Hälfte gespielt." Es hätte gewiss viele gegeben, die hätten die 23-Jährige für die Flanke vor dem 2:0 von Vivien Endemann (52.), die Ecke zum Eigentor von Sarah Puntigam beim 3:0 (68.) oder dem Torabschluss zum 4:0 (76.) in höchsten Tönen gelobt.

Ungewöhnliche Töne für den deutschen Frauenfußball

Wücks Auftritt ist im deutschen Frauenfußball auch deshalb ungewöhnlich, weil beispielsweise der dienstälteste Bundesligatrainer Niko Arnautis vom Tabellendritten Eintracht Frankfurt jede Kritik an seinem Team scheut wie der Teufel das Weihwasser.

Eine ähnliche Attitüde wie Wück brachte vielleicht am ehesten Horst Hrubesch ein, der jedoch am Ende über "seine Mädels" auch nur milde urteilte.

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Zudem ist es keine drei Jahre her, dass der zweifache Welt- und achtfache Europameister heilfroh war, das EM-Viertelfinale gegen Österreich (2:0) mit Ach und Krach gewonnen zu haben. Der Zweck heiligte in Brentford alle Mittel, die zuvorderst Torjägerin Alexandra Popp mit ihrem Kampfgeist verkörperte.

Anspruch inzwischen ein höherer

Inzwischen ist der Anspruch ein anderer, wie Wück auf ZDF-Nachfrage erläuterte. "Jeder Trainer hat seine eigene Identität. Meine Aufgabe ist es, eine Mannschaft zu formen." Und daher müsse man "gegen kleinere Nationen anders die Überlegenheit auf dem Platz zeigen".

Besser machen sollen es die DFB-Frauen am besten gleich beim Rückspiel im beschaulichen Ried machen (Samstag, 18 Uhr). Es geht nicht nur um den Sieg, sondern auch um den Stil.

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Quelle: Reuters

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "sportstudio live: Deutschland gegen Österreich" am 14.04.2026 ab 17:55 Uhr.