Skandal-Derby im DFB-Pokal:"Furchtbar, was auf den Rängen abging"
Das Derby in der ersten DFB-Pokalrunde Waldhof Mannheim gegen Kaiserslautern wird von massiven Krawallen überschattet. Die Politik ist entsetzt, Beteiligte reagieren befremdlich.
Beim DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern kam es zu schweren Ausschreitungen. Dabei wurden insgesamt 120 Menschen verletzt, darunter 35 Polizisten.
22.08.2026 | 0:20 minEtliche Verletzte, permanente Raketenschüsse aufs Feld und in die Sitzplätze, Hass und Gewalt statt flirrender Fußballatmosphäre: Die schiere Eskalation beim kurz vor dem Abbruch stehenden Derby im DFB-Pokal zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern hat vor allem in der Politik für Entsetzen gesorgt. Beteiligte Vereinsvertreter tun die hemmungslosen Ausschreitungen hingegen als feurigen Pokalabend ab.
SVW-Kapitän: "Supergeile Stimmung"
"Das war ein ganz besonderer Abend. Es war eine supergeile Stimmung. Unsere Fans haben alles abgerissen", sagte Mannheims Kapitän Lukas Klünter bei Sky, um hinterherzuschieben:
Ich spreche von dem Spiel. Während das Spiel lief, war es super. Alles andere muss man dann analysieren.
Mannheims Kapitän Lukas Klünter
Lauterns Torwart Julian Krahl schwärmte nach dem 1:0-Sieg nach Verlängerung seiner Mannschaft: "Wir sind unendlich dankbar für die Unterstützung, die wir heute hatten, alles andere liegt nicht in unserer Hand."
Platzsturm, Pyro, Unterbrechung: Bei Waldhof - Kaiserslautern steht das Drumherum im Blickpunkt. Das Spiel bleibt - abgesehen vom Siegtor - ohne Höhepunkte, Lautern gewinnt 1:0 nach Verlängerung.
21.08.2026 | 5:59 min
Etliche Verletzte, noch mehr Raketen und Böller
Beide redeten über ein Spiel, das nur beendet werden konnte, weil kurz vor der Verlängerung ein Großteil der insgesamt 1.400 für das Hochrisikomatch eingesetzten Polizeikräfte aufmarschierte, mit Pferden, Hunden und Pfefferspray gegen die verfeindeten Fangruppen auf beiden Stirntribünen vorging. Mehrere Mannheim-Fans waren zuvor auf den Platz gerannt, es flog eine Unzahl an Raketen, die auch auf der Haupttribüne einschlugen.
Folge des Einsatzes: Verletzte Polizisten, 85 verletzte Fans, von denen acht im Krankenhaus landeten und als geringstes Problem 30 Minuten Verzögerung. Schon zuvor hatte es immer wieder Pyrobeschuss gegeben, Schiedsrichter Robert Schröder unterbrach erstmals in Minute drei. Alles abgerissen? Gewissermaßen. Supergeile Stimmung? Sah Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel anders.
Fußball - das ist Adrenalin, Emotion und für viele Fans ihr allerliebstes Hobby. Doch immer häufiger gerät der Sport unter Druck von Extremen, vor allem aus dem rechten Spektrum.
24.11.2025 | 43:25 minBW-Innenminister kündigt harte Konsequenzen an
"Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller", sagte Hagel der "Bild":
Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel
Im Polizeibericht klang das so: "Erste Ermittlungen wegen Beleidigungen, verschiedener Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet."
Gegenseitige Schuldzuweisungen der Verantwortlichen
Früh in der Saison hat der Profifußball wieder eine Fandiskussion. Die allerdings zunächst kaum mit Einsicht und Ernst geführt wurde. Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber verwehrte sich dagegen, den Mannheim-Anhängern die Alleinschuld zuzuweisen und verirrte sich schließlich völlig:
Wir haben unseren Rasen gewechselt, damit die Pferde ein schönes Grün haben zum Grasen. Deswegen freut es uns, wenn sie dann für Sicherheit sorgen.
Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber
Ausschreitungen beim DFB-Pokal zwischen Waldhof Mannheim und dem FCK: Berittene Polizei stürmt den Rasen.
Quelle: Action PressWaldhof-Sportdirektor Matthias Schober ernannte Lautern-Profi Marlon Ritter zum mindestens Mitschuldigen. Dieser habe "so provoziert und vor der Haupttribüne Dampf abgelassen. Dass unsere Fans auf den Platz gegangen sind, geht nicht. Trotzdem muss ich auch sagen, kurz vor Ende der Partie hat sich Ritter bei jeder Ecke so viel Zeit gelassen und provoziert."
Tausende vereint in Jubel, Wut und Enttäuschung: Fußball im Stadion bedeutet Emotion und Spannung pur. Die meisten sammeln sich dort friedlich. Doch wo überschreitet die Leidenschaft Grenzen?
13.08.2024 | 43:43 minRitter habe "permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert, das ist geduldet worden. So hat man ein Problem", sagte Zuber, der die abgefeuerten Feuerwerkskörper der Gäste-Fans in Richtung der Haupttribüne verurteilte. "Das muss Konsequenzen haben. Es kann nicht sein, dass Leute gefährdet werden."
FCK-Geschäftsführer zeigt sich entsetzt
Ritter selbst meinte, es sei "wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen Beteiligten". Angesprochen auf die Mannheimer Vorwürfe erklärte der 31-Jährige aber auch: "Die Waldhof-Bank geht auch nicht jeden Sonntag in die Kirche."
Immerhin FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen war aufrichtig entsetzt: "Was auf den Rängen abgegangen ist, war furchtbar - von beiden Seiten. So ein Derby darf nicht ausarten, das schadet uns und dem Fußball."
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