81 Jahre nach Befreiung von KZ:Buchenwald: Buhrufe für Weimer - Mahnung von Hape Kerkeling
Bei der Gedenkfeier in Buchenwald stören Zwischenrufe die Rede von Kulturstaatsminister Weimer. Eindringliche Worte findet Hauptredner Hape Kerkeling.
Im ehemaligen KZ Buchenwald wird der Befreiung vor 81 Jahren gedacht.
10.04.2026 | 2:04 minPolitisch kontrovers und persönlich berührend hat sich am Sonntag die Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald gestaltet. Der Comedian Hape Kerkeling erinnerte an das Schicksal seines Großvaters, der hier als politischer Häftling inhaftiert war. Der Auftritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) wurde teils von lauten Rufen und Gesängen übertönt.
Mehrere Menschen riefen linke Parolen wie "Alerta, Alerta, Antifascista". Außerdem sangen sie während Weimers Rede das Buchenwald-Lied, das 1938 von Häftlingen geschrieben wurde.
Mehrere Kontroversen vor Gedenkveranstaltung
Eine Rednerin kritisierte Weimer auch direkt. "Wenn Buchhandlungen ohne weitere Erklärung diskreditiert werden, dann gerät etwas ins Wanken", sagte die Präsidentin des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), Lena Sarah Carlebach. Es seien subtile Verschiebungen, wenn Kultur unter Verdacht gerate. Hintergrund ist die Absage des Deutschen Buchhandlungspreises, nachdem Weimer zuvor drei linke Läden von der Preisträgerliste hatte streichen lassen.
Schon vor dem Auftritt Weimars gab es Kritik. Zwei Buchenwald-Verbände hatten ihn aufgefordert, nicht persönlich zu erscheinen. Sie warfen ihm vor, er habe es an Verständnis für KZ-Überlebende missen lassen. Der Zentralrat der Juden und der israelische Botschafter Ron Prosor stellten sich hingegen ausdrücklich hinter Weimer.
Angesprochen auf die Rufe sagte Weimer am Rande der Veranstaltung der Deutschen Presse-Agentur: "Es war ein Tag der Würde, und es ist ein Tag der Erinnerung an die Befreiung." Das habe im Vordergrund gestanden. Auf die Zwischenrufe wollte er auf Nachfrage nicht weiter eingehen.
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18.03.2026 | 0:52 minHolocaust-Überlebende aus Israel wegen Iran-Krieg nicht dabei
An der Feier in der Gedenkstätte bei Weimar nahmen am Sonntag auch zwei hochbetagte Holocaust-Überlebende teil: Der 98-jährige Alojzy Maciak aus Polen und der 99-jährige Andrei Moiseenko aus Belarus. Überlebende aus Israel konnten nach Angaben der Gedenkstättenstiftung wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs diesmal nicht vor Ort sein.
Das KZ Buchenwald in Thüringen war im Juli 1937 gegründet und am 11. April 1945 befreit worden. Fast 280.000 Menschen aus mehr als 50 Ländern waren in Buchenwald oder einem der Außenlager inhaftiert, rund 56.000 von ihnen überlebten die Deportation in das KZ nicht.
Mit Gedenkveranstaltungen im ehemaligen KZ Sachsenhausen wurde im vergangenen Jahr an den 80. Jahrestag des Kriegsendes erinnert. Katrin Lindner traf einen 100-jährigen Überlebenden.
03.05.2025 | 1:43 minKerkeling stellt sich gegen Rechtspopulisten und das Vergessen
Der Autor, TV-Moderator und Comedian Hape Kerkeling, dessen Großvater politischer Häftling in Buchenwald war, rief in der Gedenkrede dazu auf, demokratiefeindlichen Strömungen entgegenzutreten. Von der aktuellen politischen Entwicklung sei er "zutiefst alarmiert", sagte er.
Wer diese Zeit zu einem Vogelschiss herabwürdigen will, der greift unser Fundament an.
Hape Kerkeling
Diffamierungen der Erinnerungskultur seien ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Nachfahren. Wer heute wegsehe oder jenen applaudiere, die die Geschichte umschreiben wollen, mache sich schuldig.
Wie können Schulen und Gedenkstätten junge Menschen für die NS-Geschichte sensibilisieren und Wissen vermitteln? Reporterin Kathrin Haas stellt ein besonderes Projekt vor.
28.01.2026 | 3:16 minKerkeling: Kein Schlusstrich unter Erinnerung ziehen
Kerkeling betonte, die Barbarei beginne nicht erst mit dem ersten Schuss, sondern dort, wo das Mitgefühl der Buchhaltung weiche und das Gewissen der sinnentleerten Gehorsamspflicht. Die Menschen von heute trügen weiter die Verantwortung für die Konsequenzen der Taten von damals. "So etwas wie eine Gnade der späten Geburt gibt es nicht", sagte Kerkeling. Einen Schlussstrich unter die Erinnerung zu ziehen, käme einem Schlussstrich unter die Demokratie in Deutschland gleich.
Kerkelings Großvater Hermann, ein katholischer Kommunist aus dem Ruhrgebiet, war wegen regimekritischer Flugblätter ab März 1933 in Haft, darunter zuletzt fast drei Jahre in Buchenwald. Er überlebte das Lager. Sein Enkel betonte, was seinem Großvater als Hochverrat ausgelegt worden sei, sei für ihn das "höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit".
Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, rief dazu auf, sich einem Vormarsch nationalistischer Strömungen und Regime mit Geschichtsbewusstsein entgegenzustellen. Die freie Gesellschaft, die die Menschenwürde respektiert, müsse mit klarem ethischem Kompass verteidigt werden, sagte er.