Zum Sommersemester 2027:Bafög soll erhöht werden - aber erst später als geplant
von Johannes Lieber
Die Koalition hat sich auf eine Bafög-Reform geeinigt. Die Bafög-Sätze sollen erhöht werden - allerdings nicht zum Wintersemester, sondern erst im kommenden Jahr.
Rückschlag für Studenten: Die geplanten Leistungserhöhungen beim Bafög kommen. Sie verzögern sich aber um ein halbes Jahr auf das Sommersemester 2027.
09.07.2026 | 0:31 minDie für das Wintersemester geplante Bafög-Erhöhung wird um ein halbes Jahr verschoben. Die Anhebung der sogenannten Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro für diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, soll demnach erst zum Sommersemester 2027 kommen.
Das teilten die zuständigen Fachpolitiker von Union und SPD in Berlin mit. Der Koalitionsvertrag sah eine Erhöhung schon ab Oktober diesen Jahres vor. Auch der Bafög-Beitragssatz soll steigen. Zum Wintersemester 27/28 auf maximal 503 Euro monatlich. Ab dem Sommersemester 2029 - also in drei Jahren - sollen es dann 563 Euro monatlich sein. Auch hier war eigentlich eine frühere Erhöhung vereinbart.
Studierende erhalten damit ab 2029 so viel Geld, wie Bezieher der Grundsicherung aktuell erhalten. Der Betrag soll in den folgenden Jahren auch fortlaufend an das Grundsicherungsniveau angepasst werden.
Neuer Ärger in der Regierungskoalition: Die SPD im Bundestag widerspricht Aussagen von Forschungsministerin Bär (CSU), die nicht mehr mit einer schnellen BAföG-Reform rechnet.
31.05.2026 | 1:53 minUnion hatte Erhöhung zuvor in Frage gestellt
Die Verschiebung erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Wiebke Esdar, mit den Diskussionen innerhalb der Koalition. In den vergangenen Wochen hatten sowohl die zuständige Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), als auch der Fraktionsvorsitzende der Union, Jens Spahn (CDU), die Bafäg-Erhöhung öffentlich in Frage gestellt.
An vielen Stellen ringen wir um Kompromisse. Für uns war das Bafög durchweg immer ein ganz wichtiges Anliegen und wir konnten jetzt, in dieser Woche, in mehreren Gesprächen den Koalitionspartner überzeugen.
Wiebke Esdar, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende
Die SPD konnte sich in den Verhandlungen also durchsetzen. Die Union fremdelte zuvor mit dem Gedanken, angesichts des Spardrucks im Haushalt eine Sozialleistung zu erhöhen. Das wird auch im heute veröffentlichten Statement von Inge Gräßle (CDU), stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende, deutlich.
Allen ist jetzt klar, dass der weitere Ausbau staatlicher Leistungen nicht losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Lage erfolgen kann. Es ist eine gemeinsame Aufgabe dieser Regierungskoalition, wieder für Wirtschaftswachstum zu sorgen.
Inge Gräßle (CDU), stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende
Einkommensgrenzen sollen automatisch steigen
Neben der Erhöhung will die Bundesregierung auch die Bürokratie beim Bafög senken und die Förderung "verlässlicher" machen, wie die zuständige Berichterstatterin der SPD-Fraktion, Lina Seitzl, verkündete.
So sollen der Freibetrag, also die Einkommensgrenze bis zu der man Bafög beantragen kann, jedes Jahr automatisch um 1,5 Prozent erhöht werden. Damit soll verhindert werden, dass durch Inflation und Lohnerhöhungen immer weniger Schüler oder Studenten berechtigt wären. Das Bafög werde so "zukunftsfester", sagte Seitzl.
Die Bundesregierung plant umfassende Reformen. Welche Auswirkungen das auf die kommenden Generationen hat.
04.06.2026 | 0:44 min2024 zählte das Statistische Bundesamt rund 612.800 Bafög-Empfänger - der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000. Bisher brauchte es für die Anpassung der Einkommensgrenze laut Seitzl immer eine Gesetzesanpassung - das soll jetzt wegfallen. Greifen soll die Regelung allerdings erst mit dem Wintersemester 28/29.
Antrag in Zukunft nur noch digital
Der Bafög-Antrag soll zudem in Zukunft "nur noch und grundsätzlich" digital gestellt werden können. So soll das Verfahren entbürokratisiert werden. Außerdem soll der Leistungsnachweis entfallen, den Studierende aktuell ab dem fünften Fachsemester erbringen müssen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Studierende in Zukunft länger Bafög beziehen können. Grundsätzlich gibt es die Förderung nur, bis die Regelstudienzeit - normalerweise sechs Fachsemester - erreicht ist. Seit knapp zwei Jahren kann darüber hinaus die Förderung für ein weiteres Semester beantragt werden.
Keine Aussage gab es dazu, ab wann der Antrag nur noch digital eingereicht werden kann.
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21.05.2026 | 10:56 minLinke: Reform nur das "absolute Minimum"
Kritik an den Plänen der Regierung kommt von den Linken. Für die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Nicole Gohlke, ist die Einigung zwar ein "Etappensieg", aber dennoch "kein Grund zum Feiern".
Die geplante Anpassung an das unzureichende Grundsicherungsniveau erst zum Sommersemester 2029 reicht hinten und vorne nicht aus, um studentische Armut wirksam zu bekämpfen.
Nicole Gohlke, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion "Die Linke"
Die Linke fordert laut Gohlke einen "echten Systemwechsel". Sie wollen einen Vollzuschuss, ohne dass die Hälfte der Förderung zurückgezahlt werden muss. Außerdem fordern sie, den Mietzuschuss an die regionalen Preise anzupassen.
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