"Dunkelste Zeiten": Wie Trump Unis mundtot machen will

Interview

"Erinnert an dunkelste Zeiten":Wie Trump US-Unis mundtot machen will

Katharina Schuster

von Katharina Schuster, Washington D.C.

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"Dahinter steht ein größerer, so wird es selbst bezeichnet, konterrevolutionärer Plan diese Gesellschaft umzuformen", sagt Christina Morina, aktuell Gastprofessorin in den USA.

Alan Garbers Brief an die US-Regierung ist ein Paukenschlag. Deutlich, kämpferisch, unmissverständlich: Forschung und Lehre dürften nicht von politischen Agenden abhängig gemacht werden, schreibt der Präsident der Harvard-Universität.

Kurz darauf setzt das Weiße Haus die Fördergelder für die weltbekannte Elite-Uni aus - eine Entscheidung, die wie eine Warnung an alle Universitäten des Landes wirkt. Wer sich widersetzt, muss zahlen.

Morina: "Erinnert an dunkelste Zeiten"

Wie gefährlich das ist, was sich gerade auf amerikanischen Universitätsgeländen abspielt, ist für Christina Morina klar: Es geht um mehr als um politische Sticheleien. "Es erinnert an dunkelste Zeiten, die wir aus deutscher Geschichte kennen", erklärt die Geschichtsprofessorin, die aktuell an der "New School" in New York lehrt.

Was Trump hier betreibe, sei kein legitimes Mittel demokratischer Kontrolle mehr. "Die Art und Weise, wie mit Einschüchterung, mit Erpressung, mit Drohung, mit Gewalt hantiert wird, erinnert tatsächlich daran, wie autoritäre, faschistische Regime in der Vergangenheit versucht haben, die Welt nach ihrem Bild zu formen", sagt sie im heute journal update.

Expertin: Antisemitismus als Vorwand

Die Drohkulisse reicht über Harvard hinaus. Auch andere Hochschulen spüren den Druck aus Washington. Anfang März nahm Trump die "Columbia University" ins Visier: Die staatliche Unterstützung der Einrichtung werde überprüft, hieß es. Als Begründung nannte seine Regierung ein angebliches Versäumnis der Universität, jüdische Studierende ausreichend vor antisemitischen Übergriffen zu schützen.

Die Reaktion der Universitätsleitung ließ nicht lange auf sich warten - und offenbarte, wie tief die Angst vor dem Verlust staatlicher Fördergelder reicht: Pro-palästinensisch protestierende Studierende wurden diszipliniert, Beamte des Heimatschutzministeriums erhielten Zugang zum Campus.

Trump kündigte an, auch andere Universitäten systematisch auf Antisemitismus prüfen zu lassen. Doch für viele ist klar: Es geht um mehr. Die Historikerin Morina ordnet ein: "Der Antisemitismus ist real, er ist ein Problem. Aber so wie dieser Kampf jetzt geführt wird, dient er als Vorwand, um ein größeres Programm durchzusetzen - eines der Freiheitsbeschränkung, der Iliberalisierung."

Trumps größerer Plan

Was Trump derzeit an den Universitäten forciert, ist aus Sicht vieler Beobachter Teil eines größeren, ideologischen Projekts. "Es geht nicht nur gegen Unis, sondern um eine konterrevolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft", sagt Morina.

Ins Visier geraten sei vor allem das, was Universitäten in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben: Diversität, Teilhabe, kritisches Denken. "Das alles soll mehr oder weniger gewaltsam zurückgedreht werden."

Und: Auch wenn Harvard über ein Milliardenvermögen verfügt, könnten die gekappten Fördergelder empfindliche Folgen haben - etwa für medizinische Forschung, soziale Versorgungsprogramme oder innovationsgetriebene Institute, die auf Bundesmittel angewiesen sind. "Würde man den Gemeinnützigkeitsstatus streichen, würde die Universität im Mark getroffen werden", warnt Morina.

Freiheit als Kampfzone

Harvard ist längst nicht mehr nur eine Universität - sie ist zur symbolischen Frontlinie geworden. Alan Garber hatte das in seinem Brief erkannt. Keine Regierung, schrieb er, dürfe vorschreiben, "was private Universitäten lehren dürfen, wen sie zulassen und welchen Forschungsbereichen sie nachgehen".

Doch genau das geschieht. Und genau deshalb, so scheint es, hat er diesen Brief geschrieben: nicht aus Prinzip, sondern aus Notwehr.

Das Interview führte Nazan Gökdemir, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.

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Quelle: dpa

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