Unicef: Mehr Kinder als je zuvor leben in Konfliktgebieten

Unicef-Bilanz:Jedes sechste Kind lebt in Konfliktgebieten

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Das Kinderhilfswerk Unicef zieht eine düstere Bilanz: Mehr als jedes sechste Kind weltweit lebt in Konfliktgebieten.

Mehr Kinder als je zuvor leben nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Konfliktgebieten oder wurden gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. Die Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf Kinder hätten im Jahr 2024 weltweit "ein verheerendes und womöglich beispielloses Ausmaß erreicht", erklärte das deutsche Komitee für Unicef unter Berufung auf eine Analyse des Hilfswerks.

Demnach leben mehr als 473 Millionen Kinder in Konfliktgebieten - mehr als jedes sechste Kind weltweit. Ihr Anteil habe sich seit den 1990er Jahren von zehn auf fast 19 Prozent verdoppelt, wie Unicef berichtet.

Sie würden getötet und verletzt, müssten die Schule abbrechen, ihnen fehlten lebenswichtige Impfungen oder sie litten an schwerer Mangelernährung. Die Tendenz sei besorgniserregend: Die Zahl der von Konflikten betroffenen Kinder werde voraussichtlich noch weiter steigen.

Protagonistin

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02.10.2024 | 43:33 min

Eines der "schlimmsten Jahre" für Kinder in Konfliktgebieten

"In fast jeder Hinsicht war 2024 eines der schlimmsten Jahre für Kinder in Konfliktsituationen in der 78-jährigen Geschichte von Unicef - sowohl was die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Auswirkungen auf ihr Leben betrifft", sagte Exekutivdirektorin Catherine Russell. Die Wahrscheinlichkeit dafür, nicht zur Schule gehen zu können, unter Mangelernährung zu leiden und aus dem eigenen Zuhause vertrieben zu werden, sei für Kinder in Konfliktgebieten wesentlich höher als für jene, die an einem friedlichen Ort aufwachsen.

Das darf nicht zur neuen Normalität werden.

Catherine Russell, Exekutivdirektorin Unicef

Unicef: Weiterer Anstieg bei Vertreibungen

Bis Ende 2023 wurden den Angaben nach 47,2 Millionen Kinder aufgrund von Konflikten und Gewalt vertrieben. Die Trends für 2024 weisen Unicef zufolge auf einen weiteren Anstieg von Vertreibungen hin, weil sich verschiedene Konflikte weiter zuspitzten, unter anderem in Haiti, in Myanmar, im Sudan und im Nahen Osten.

Auch wenn für 2024 noch nicht alle Zahlen vorliegen, rechnet Unicef angesichts der aktuellen Entwicklungen mit einer düsteren Bilanz. So seien allein im Gazastreifen Tausende Kinder getötet und verletzt worden, und die UN hätten in der Ukraine in den ersten neun Monaten des Jahres 2024 mehr bestätigte Opfer unter Kindern gezählt als im gesamten Jahr 2023.

Quelle: dpa, AFP

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