Haiti: Bandengewalt eskaliert in Hauptstadt - Hunderte vertrieben

Gewalt in Hauptstadt Port au Prince:Bandengewalt eskaliert in Haiti - Hunderte vertrieben

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In Haitis Hauptstadt wurden Hunderte Menschen vertrieben, nachdem eine neue Welle von Gewalt Port-au-Prince erfasst hat. Ärzte ohne Grenzen evakuierte ein Krankenhaus.

Bewohner fliehen vor bewaffneten Banden aus ihren Häusern in Port-au-Prince auf Haiti.

In Haitis Hauptstadt Port-Au-Prince sind Hunderte Menschen durch eine neue Welle von Bandengewalt vertrieben worden. Viele Familien leben derzeit auf der Straße.

12.05.2026 | 0:19 min

Eine neue Welle der Bandengewalt in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince hat am Wochenende Hunderte Menschen zur Flucht gezwungen. Familien harrten am Montag entlang der Straße zum wichtigsten Flughafen des Landes aus.

Die 56-jährige Monique Verdieux floh auf die Fernstraße, nachdem Angreifer Häuser in ihrem Viertel in Brand gesetzt hatten. "Ich schlafe jetzt auf der Straße", sagte sie der AP. Sie wisse nicht, wo sich ihre Angehörigen befänden, eine Rückkehr sei jedoch zu gefährlich.

Haiti: Ärzte ohne Grenzen evakuieren Krankenhaus

Nach heftigen Zusammenstößen in dem Viertel Cité Soleil kündigte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) am Montag die Evakuierung ihres Krankenhauses an. Innerhalb von zwölf Stunden seien mehr als 40 Menschen mit Schussverletzungen behandelt worden. Zudem habe die Organisation 800 Menschen, die vor der Gewalt flohen, vorübergehend Schutz geboten.

In Haiti fahren zwei Kinder auf einem Fahrrad an einer Wand vorbei, die von Schusslöchern durchlöchert ist.

Die Vereinten Nationen wollen den Karibikstaat Haiti sicherer machen. Der UN-Sicherheitsrat genehmigte Anfang 2025 eine internationale Mission, die gegen bewaffnete Banden vorgehen soll.

01.10.2025 | 0:27 min

Unter den Verletzten war auch ein Sicherheitsmann, der auf dem Krankenhausgelände von einer Querschlägerkugel getroffen wurde. "Wir konnten ihn evakuieren, und sein Zustand ist inzwischen stabil", sagte Davina Hayles, Leiterin der Haiti-Mission von MSF. "Aber es ist unvorstellbar, dass unsere Teams und Zivilisten zu Opfern dieser Zusammenstöße werden."

Banden kontrollieren weite Teile von Port-au-Prince

Seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 kontrollieren Banden schätzungsweise 90 Prozent der Hauptstadt sowie große Teile der zentralen Regionen des Landes. Laut den Vereinten Nationen (UN) wurden allein von März 2025 bis Mitte Januar 2026 über 5.500 Menschen durch die Gewalt getötet. Einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration zufolge wurden durch die Bandengewalt in Haiti mehr als 1,4 Millionen Menschen vertrieben.

Seit Anfang April dieses Jahres unterstützt eine von den UN gestützte Mission die haitianischen Sicherheitskräfte. Sie sollen gegen die Banden vorgehen, Infrastruktur, Verkehrswege sowie die Bevölkerung schützen.

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre und ist seit vielen Jahren durch eine tiefe politische und wirtschaftliche Krise geprägt. Die ausufernde Bandengewalt hat den Karibikstaat weiter destabilisiert. Mehr als 5,8 Millionen Menschen - rund 52 Prozent der Bevölkerung - seien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, erklärte die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im April.

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Quelle: AP, epd
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 12.05.2026 um 8:51 Uhr.

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